Holzernte

Stihl setzt auf innere Werte

Bearbeitet von Heinrich Höllerl

Wie üblich hat Stihl Ende April die Bilanz-Pressekonferenz abgehalten, erstmalig jedoch per Videostream und ohne Produktvorführungen. Dabei waren die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres 2019 gar nicht so sehr von Interesse: Die Stihl-Gruppe konnte ihre Umsatzzahlen trotz des Trockenjahres um 4 % steigern, ohne die günstigen Währungskurse wären es noch 2,7 % gewesen. Die Sparte der Akkugeräte habe mittlerweile einen Anteil von über 15 % am Umsatz erreicht. Über Gewinn und Verlust schweigt man sich in Waiblingen generell aus. Einen Hinweis auf ein etwas schwächeres Betriebsergebnis gibt die Erfolgsprämie für die Mitarbeiter: Während diese im Vorjahr 52 % eines Monatslohns betrug, lag sie in 2019 nur bei 27 %.

Spannender ist derzeit die Frage, wie Stihl mit der weltweiten Krise durch Covid 19 umgeht. Der Vorstandsvorsitzende Bertram Kandziora betonte dazu, das Familienunternehmen habe aus Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern den Betrieb nicht unterbrochen, sondern stellenweise bewusst auf Halde produziert. Gegen Engpässe bei Zulieferteilen helfe eine hohe Eigenfertigungsquote. Lieferanten seien schon lange strategisch auf dem Globus verteilt, um das Ausfallrisiko zu streuen. Stihl habe keinerlei Staatshilfen in Anspruch genommen und plane das auch nicht. Vielmehr entlaste man seine Fachhändler, beispielsweise durch verlängerte Zahlungsziele. Um in der Zeit des Lockdowns überhaupt Motorsägen verkaufen zu können, wurde die Eröffnung des neuen Online-Shops vorgezogen auf den 20. März. Doch auch hier unterstützt Stihl weiterhin den Service gebenden Fachhandel, indem bei jedem Verkauf an den lokalen Händler eine kleine Provision fließt, selbst dann wenn die Säge gar nicht bei ihm abgeholt wird.

Stihl MS 400

Neben dem Bericht zur wirtschaftlichen Lage gibt es immer auch einen Ausblick auf kommende Produkte. Da wird in diesem Jahr vor allem die Stihl MS 400 für den Forstbereich relevant sein. In einigen kleineren Märkten, u.a. der Schweiz gibt es sie schon zu kaufen. Bei uns soll sie im Herbst auf den Markt kommen. Die Namensgebung sorgt jedoch immer wieder für Verwirrung: Es handelt sich hier mitnichten um die kleine Schwester der MS 500i und es ist auch keine Einspritztechnik an Bord. Vielmehr könnte man von einer „getunten“ MS 362 sprechen, von der sie das komplette Chassis geerbt hat. Lediglich Kolben und Zylinder wurden aufgebohrtvon 59 cm³ auf 67 cm³ Hubraum. Die Leistung wächst dadurch von 3,5 auf 4,0 kW, das Gewicht nimmt jedoch nicht einmal um 200 g zu. Verantwortlich dafür ist vor allem das neue Leichtbaumaterial Magnesium für den Kolben: Stihl hat dafür eine eigene Fertigung im Druckgusswerk Weinsheim (Eifel) aufgezogen. Das Leistungsgewicht von 1,45 kg/kW kommt schon fast an die MS 462 heran (1,4 kg/kW).

Ob demnächst auch eine weitere Einspritzersäge neben der MS 500i kommt, dazu ließ sich nichts neues in Erfahrung bringen.

H. Höllerl