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Sticks and Stones

Sticks and Stones

In der Neuen Nationalgalerie Berlin ragen noch bis Ende Dezember 144?entrindete Baumstämme vom Boden bis zur Decke empor. Die Installation mit dem Titel „Sticks and Stones“ ist die letzte Ausstellung, bevor der englische Architekt David Chipperfield das 1969 fertiggestellte Gebäude von Ludwig Mies van der Rohe sanieren wird. Chipperfields Installation ist einerseits eine Verneigung vor van der Rohe, weil sie sich in das klare Raster einfügt, das Stahldecke, Granitfußboden und die Gesamtproportionen der Neuen Nationalgalerie prägen. Gleichzeitig wirken die Stämme wie eine provisorische Stützkonstruktion und sind somit eine Metapher für die kommende Baustelle.Die heimischen Fichten und Sitka-Fichten stammen aus dem Wald des Architekten François von Chappuis an der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern. Vor 100 Jahren hat sie sein Großvater Hans Graf von Wilamowitz-Möllendorff auf 15 ha als Neuwald gepflanzt. Die 8,20 m langen Stämme mit 30 – 49 cm Durchmesser wurden Ende Mai 2014 gefällt, mit der Eder-Anbaufräse für Motorsägen entrindet und ab Anfang Juni in einem überdachten Trockenpolter gelagert. Ende August hatten die Stämme im äußeren Bereich eine Holzfeuchte von 17 – 22 %. Bei der letzten Messung Mitte Oktober waren diese Werte zwar auf 12 – 16 % gesunken. Bedingt durch die Trocknungspannungen waren Anfang November aber dennoch starke Trocknungsrisse festzustellen. Aufgrund des stabilen Ausstellungsklimas (19 – 21 °C, rel. Luftfeuchte 50 ±5 %) könnte diese Rissbildung noch fortschreiten. Dagegen sind Schimmelpilze auf der Holzoberfläche unter diesen Bedingungen nicht zu erwarten, was den Ausstellungsmachern sehr wichtig ist. Ob sich das Rundholz nach der Ausstellung zur Herstellung von Schnittholz eignet, wird sich im Sägewerk zeigen, denn dort sollen auch diese Stämme enden.

Dr. Johann Müller

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