Der Gewinn aus dem Verkauf von Sturmholz muss nur mit dem halben Steuersatz versteuert werden.
Der Gewinn aus dem Verkauf von Sturmholz muss nur mit dem halben
Steuersatz versteuert werden.
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Steuervergünstigung bei Sturmholz

19. März 2022

In nur wenigen Tagen im Februar zogen mit „Ylenia“, „Zeynep“ und „Antonia“ gleich drei schwere Sturmtiefs über Deutschland hinweg. Das Ausmaß der Schäden fiel dabei regional ganz unterschiedlich aus. Besonders im Norden und Nordosten des Landes sind z. T. erhebliche Mengen Sturmholz angefallen. Die gute Nachricht: Das Steuerrecht sieht erhebliche Vergünstigungen vor, wenn das Sturmolz verkauft wird.

Es sind jedoch genaue Fristen und Abläufe bei der Aufarbeitung zu beachten. Was genau, soll im Folgenden erläutert werden. Als Beispiel soll der fiktive Betrieb des Forstwirts Hannes Meier dienen. Die Eckdaten sind in Tabelle 1 dargestellt.

Nicht nur Windwurf wird begünstigt, sondern auch z. B. Nutzungen, die durch Eis, Schnee, Erdbeben, Bergrutsch, Insektenfraß und Brand veranlasst wurden.

Am 5. Oktober 2017 stellte Hannes Meier fest, dass in seinem Wald erheblicher Windwurf durch Xavier aufgetreten ist. Er schätzt, dass 3.020 Fm umgeworfen wurden. Nach dem ersten Schreck erinnert er sich, dass es hier eine Steuervergünstigung gibt, wenn dieses Holz verkauft wird. Er fragt seinen forstwirtschaftlich versierten Steuerberater, wie hoch diese Steuervergünstigung ist.

Der weiß: Hannes Meier muss den Gewinn aus dem Verkauf des Sturmholzes nur mit dem halben Steuersatz versteuern, der sonst hätte angewandt werden müssen. Diesen halben Steuersatz gibt es bereits ab dem ersten Festmeter. Wenn der Nutzungssatz überschritten wird, gibt es auf die überschießende Menge sogar den Viertel-Steuersatz! Anhand einer Beispielrechnung soll der Effekt dargestellt werden.

Wie in Tabelle 1 dargestellt, verfügt Meier über 550 ha Forstfläche. Der Nutzungssatz, der in der Forsteinrichtung festgestellt wurde, beträgt 4,4 Fm/ha. Somit verfügt der Gesamtbetrieb über einen Nutzungssatz von 2.420 Fm. Da 3.020 Fm umgeworfen wurden, wird der Nutzungssatz um 600 Fm überschritten.

Hannes Meier verkauft diese 3.020 Fm für 65 €/fm. Er erlöst also 196.300 € aus dem Verkauf des Sturmholzes. In unserem Beispiel gehen wir davon aus, dass er 60.000 € als Aufwand hatte. Somit verbleiben 136.300 € als Gewinn aus der Kalamitätsnutzung.

Von den 3.020 Fm Sturmholz befinden sich 2.420 Fm innerhalb des Nutzungssatzes. Auf den Verkauf dieser Menge wird der halbe Steuersatz gewährt. Auf den Verkauf der 600 Fm über dem Nutzungssatz wird der Viertel-Steuersatz gewährt.

Die den Nutzungssatz übersteigende Menge hat einen Anteil von 20 % an der Gesamtkalamität (600 Fm / 3.020 Fm), die Menge innerhalb des Nutzungssatzes somit 80 %. Der Gewinn aus dem Verkauf des Sturmholzes wird nun mit diesen Anteilen multipliziert.

80 % x 136.300 € = 109.220 €

20 % x 136.300 € = 27.079 €

Der „normale“ Steuersatz von Meier wäre 44,3 % (42 % + Solidaritätszuschlag). Dieser Steuersatz gilt bereits ab einem Einkommen von 54.950 €. Ohne Vergünstigung würde Meier auf den Gewinn aus dem Verkauf 60.394 € Steuern zahlen (44,3 % x 136.300 €). Dadurch, dass aber der halbe bzw. der Viertel-Steuersatz angewendet werden kann, stellt sich die Situation folgendermaßen dar: Statt 60.394 € Steuern zahlt Hannes Meier nur 27.197 €, spart also 33.196 € (Abb. 1). Es ist leicht nachvollziehbar, dass sie Ersparnis noch sehr viel höher sein kann, wenn die Menge, die den Nutzungssatz übersteigt, noch höher ist.

Abb. 1: Statt 60.394 € Steuern zahlt Hannes Meier nur 27.197 €, spart also 33.196 €.
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Fristen

Die Nutzung der Steuerersparnis kann sich also sehr lohnen. Aber Achtung: Es sind unbedingt die Fristen und Regeln für die Aufarbeitung und das Abfahren zu beachten. Die Schäden infolge höherer Gewalt (wie der Windwurf vom Forstwirt Meier) müssen unverzüglich (d. h. ohne schuldhaftes Zögern) nach Feststellung des Schadensfalls dem zuständigen Finanzamt mitgeteilt werden. Für diese sogenannte Voranmeldung gibt es entsprechende Vordrucke.

Abb. 2: Beispiel für eine Voranmeldung beim Finanzamt
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Diese Voranmeldung muss spätestens innerhalb von drei Monaten nach Feststellung des Schadens an das Finanzamt verschickt werden. Andernfalls gibt es keine Steuerermäßigung. Ein Beispiel für eine Voranmeldung ist in Abbildung 2 dargestellt.

Aufarbeitung und Abfuhr

Die Voranmeldung muss vor Beginn der Aufarbeitung des Schadholzes erfolgen, damit eine Überprüfung durch die Forstsachverständigen des Finanzamts möglich ist. Andernfalls droht auch hier, dass die Steuerermäßigung nicht greift.

Abb. 3: Abschlussmeldung nach der Aufarbeitung an das Finanzamt
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Im Forstbetrieb von Meier schlug dann am 18. Januar 2018 noch Friederike zu, was eine weitere Voranmeldung nötig machte. Nach Aufarbeitung des Holzes muss eine Abschlussmeldung wie in Abb. 3 erfolgen. Aber auch dann darf das Holz noch nicht abgefahren werden.

Die Holzmenge muss zwei Wochen am Schadensort zur Überprüfung bereitgehalten werden. Wie Hannes Meier den Sturmholzverkauf in die Anlage L zu seiner Einkommensteuererklärung einträgt, ist in Abbildung 4 dargestellt.

Abb. 4: Anlage L zur Einkommensteuererklärung
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Resümee

Es zeigt sich, dass die Steuerermäßigung gerade bei größeren Kalamitäten sehr attraktiv ist. Aber nur, wenn die geschilderte Abfolge von Meldungen an das Finanzamt und Aufarbeiten und Abfahren eingehalten wird, gewährt das Finanzamt den Steuernachlass.

Steuerberater Dr. Marcel Gerds

www.marcel-gerds.de
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