Baum und Natur

Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra)

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Name

(Sambucus nigra), Holder(busch), Holler, Schwarzer Flieder, Alhorn, Elder, Ellhorn, Huskolder, Kelkenbusch

Vorkommen des Schwarzen Holunders

Der Schwarze Holunder ist fast überall in Europa, vom Tiefland bis in etwa 1.600 m Höhe, verbreitet. Er kommt v. a. auf nährstoffreichen Böden vor und gilt als Stickstoffzeiger. Weiter ist der mehrstämmige Strauch bei Siedlungen, in Gebüschen und an Waldrändern zu finden. Er wächst sowohl in der Sonne als auch im Halbschatten. Neben wilden Vorkommen findet sich der Holunder auch in Kultur – seit Mitte der 1980er-Jahre wieder in zunehmender Zahl. Ein Anbaugebiet für Holunder ist die Oststeiermark.

Beschreibung und Biologie des Schwarzen Holunders

Der Schwarze Holunder ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Holunder (Sambucus) und gehört zur Familie der Moschuskrautgewächse (Adoxaceae).

  • Baum: Der Schwarze Holunder kann eine Höhe von 11 m erreichen und ist stark verzweigt. Die Borke ist längsrissig und graubraun, bei jüngeren Zweigen ist die Rinde übersäht mit Korkporen. Diese Korkporen wie auch die Äste sind mit einem weißen, fast schaumstoffartigen Mark ausgefüllt. Die Zweige sind oftmals bogenartig ausladend.
  • Knospe und Blatt: Die Blätter sind 10 bis 30 cm lang und meist fünfzählig. Die Knospen des Holunders sind braunrot mit zwei bis vier locker stehenden Schuppen.
  • Blüte: Die Blüten des Holunders sind leicht gelblich bis weiß und hängen in 10 bis 15 cm breiten flachen Schirmrispen ab Juni am Strauch. Die Blüten zeigen den Beginn des Frühsommers an.
  • Blühzeit: Die Schirmrispen blühen von Mai bis in den Juli hinein.
  • Früchte: Ab September hängen am Holunderstrauch schwarz glänzende, erbsengroße Steinfrüchte. Sie werden auch als „Fliederbeeren“ bezeichnet.
Die Knospen des Schwarzen Holunders haben weinrote bis violettbraune Knospenschuppen.
Foto: Igor Kramar – stock.adobe.com

Ökologie des Schwarzen Holunders

Der Schwarze Holunder ist ein Flachwurzler mit weitreichendem Wurzelwerk. Nach der Vogelbeere zählt er zu den wichtigsten heimischen fruchttragenden Sträuchern. Insgesamt nutzen acht Säugetierarten – z. B. Nager und 62 Vogelarten, u. a. Amsel, Gimpel und Mönchsgrasmücke – die schwarzen Beeren als Nahrung. Weiter wird die ausladende Kronenform als Nistplatz geschätzt. Durch die leicht zersetzende Streu werden dem Boden wieder Nährstoffe zugefügt, was zu einem anregenden Wachstum der Krautschicht führt. Das weit verzweigte Wurzelsystem stabilisiert den Boden und trägt zur Wasserregulierung bei.

Geschichte und Mythologie

Das Wort „Holunder“ stammt vom althochdeutschen Wort „Holuntar“ (Holun = heilig, gnädig) ab. „Tar“ kommt von Baum oder Strauch. Der lateinische Name Sambucus geht auf das Wort „Sambuche“ zurück, ein altgriechisches Harfeninstrument, das aus Holunderholz gefertigt wurde.

Bei den Kelten galt der Holunder als heiliger Baum, da er die Unendlichkeit des Lebens verkörperte. Germanische Stämme begruben ihre Toten unter einem Hollerbusch. Der Name leitet sich weiter von „Holda“ der Muttergöttin in der germanischen Mythologie ab, was so viel bedeutet wie „die Strahlende“.

Auch in der Bibel sind Hinweise auf den Holler zu finden. So wurden die Krippe des Jesuskindes und auch später das Kreuz Christi aus Holler gefertigt.

Früher pflanzte man den Holunderstrauch zum Schutz gegen böse Geister und gegen Blitzschlag. Ein alter Glaube besagt, dass ein auf dem Grab eines lieben Verstorbenen erblühter Hollerzweig dafür stehe, dass der Verstorbene seine ewige Ruhe gefunden habe.

Der Holler hatte über Jahrhunderte hinweg eine so starke Symbolkraft, dass man ihn nicht fällen wollte. Ein Fällen des Strauchs wurde dem Glauben nach mit Tod und Krankheit bestraft. Musste man ihn doch fällen, so war dies nur Kindern und Witwen erlaubt. Dabei bat man den Strauch inständig um Verzeihung.

Heilkunde

Schon im Mittelalter war die Heilwirkung des Holunders bekannt. Der Saft aus den Beeren soll, wenn er heiß getrunken wird, vor Erkältungskrankheiten schützen. Werden die Beeren zu Muß verarbeitet, kann dies abführend wirken. Die grünen Pflanzenteile wie der Stängel oder auch die Kerne sollten nicht verzehrt werden, da sie den Stoff Sambunigrin enthalten, der zu Erbrechen führen kann. Das Gift wird erst durch Erhitzen zerstört. Weiter wird der Holunder bei Nieren- und Blasenleiden, sowie zur Stärkung von Herz und Kreislauf eingesetzt. Die Blätter fanden in der volkstümlichen Kunde Anwendung bei rheumatischen Erkrankungen. Das aus Kaltpressung der Samen gewonnene Holunderöl findet heute in der Kosmetik, Pharmazie und Medizin Verwendung.

Die Beeren des Holunders haben eine stark färbende Wirkung und sind sehr schwer bis gar nicht aus der Kleidung herauszubekommen.
Foto: liandstudio – stock.adobe.com

Verwendung und Holznutzung

Die Beeren können zu Schnaps, Likör, Muß und Konfitüre weiterverarbeitet werden. Aus den Blüten lassen sich der beliebte Sirup und der Hollertee herstellen. Auch die sog. Hollerküchel erfreuen sich großer Beliebtheit.

Die Holunderbeeren wurden früher gerne zum Färben von Haaren und Leder eingesetzt. Auch färbte man mit dem Saft den Rotwein. Heute wird der Farbstoff für Süßigkeiten, Molkereiprodukte, sowie in der Lebensmittel- und Textilindustrie verwendet.

Das Holz des Holunders wird aufgrund seiner unregelmäßigen Form von Stamm und Leittrieb gern im Kunsthandwerk und in der Flöten- und Tabakpfeifenanfertigung weiterverarbeitet. Ebenso können mit dem Holz Schnitzarbeiten und auch Drechselarbeiten angefertigt werden. Das in den Ästen enthaltene Mark galt früher als Korkersatz.

Die Blüten werden gerne zu Sirup oder Hollertee verarbeitet. Sie verbreiten einen starken Duft.
Foto: simona – stock.adobe.com

Holzpreise

Der Schwarze Holunder spielt auf dem Holzmarkt durch seine unregelmäßige Form eher eine untergeordnete Rolle. Vereinzelt taucht er auf Versteigerungen und Submissionen auf. So wurde Anfang 2020 auf einer Submission der Holunder Submissions-Braut und erzielte mit 12.501 €/Fm das Höchstgebot des Termins.

Blick in die Zukunft

Der Hollerstrauch ist robust und kommt auf vielen verschiedenen Standorten vor. Durch seine Vorliebe für nährstoffreiche und stickstoffhaltige Böden ist der Holler überall da anzutreffen, wo der Mensch den Boden überdüngt hat. Auch an Waldrändern und als Unterwuchs in lichten bis mäßig schattigen Wäldern fühlt sich der Hollerstrauch wohl. Daher wird er auch in Zukunft an geeigneten Standorten vertreten sein. Lediglich mit Trockenstress kommt die Pflanze nicht zurecht.

„Wussten Sie“

Der Zwerg-Holunder (Sambucs ebulus), auch Attich genannt, ist die einzige Holunderart, bei der alle Pflanzenteile, v. a. die schwarzen Beeren, höchst giftig sind.

Quellen:

  • Schweiz-Gehölze
  • Wikipedia
  • Aster-Holunderhof
  • Klima-Sachsen
  • Mayer, Schwegler: Welcher Baum ist das?
  • Reader´s Digest; Sonderausgabe; Wegweiser durch die Natur – Pflanzen und Tiere Mitteleuropas
Quelle: Mirjam Kronschnabl-Ritz