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Im Stadtwald von Gunzenhausen hatte der Schwammspinner ca. 50 ha Eichenwälder kahlgefressen.

Statusseminar 2019: Von Forstschädlingen und Anbaurisiken

Die vielfältigen Themen des diesjährigen Statusseminars zogen am 9. April über 130 Teilnehmer aus Forstpraxis und Wissenschaft ins Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan nach Freising. Die Tagung des Kuratoriums für forstliche Forschung informiert jährlich über aktuelle Ergebnisse waldbezogener Forschung.

Wald spielt eine herausragende Rolle als Freizeit- und Erholungsraum. Er bietet vielfältige Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten. Förster sichern die Bereitstellung des nachwachsenden Rohstoffes Holz. Und Holzverwendung ist aktiver Klimaschutz. Dr. Wolfram Schaecke, Leiter des Forschungsreferats im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, betonte bei seiner Begrüßung: „Angesichts der angespannten Situation in unseren Wäldern ist es jedoch wichtig, einen Schritt voraus zu sein. Dazu trägt die forstliche Forschung einen wichtigen Teil bei.“

Anbauempfehlungen für weitere Baumarten

Wolfgang Falk von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF): „Der Klimawandel macht vertieftes Wissen über die Anbaueignung seltener und nicht heimischer Baumarten wichtig. Deshalb stehen unseren Revierleitern für die Beratung der Waldbesitzer demnächst für elf weitere Baumarten wie die heimische Vogelkirsche, die wüchsige Küstentanne oder die von den Römern eingeführte Esskastanie, bayernweite Anbaurisiko-Karten zur Verfügung.“ Die Baumartenpalette im Bayerischen Standortinformationssystem wird damit auf 32 erweitert.

Kahlfraßgefahr in Eichenwäldern

Der Schwammspinner durchläuft seit 2018 eine Massenvermehrung in Franken. Seine Raupen fressen bei besonders hoher Populationsdichte Eichenmischwälder zum Teil mitsamt der Bodenvegetation kahl. So können Folgeschäden bis zum Absterben der Bäume auftreten. Deswegen erfolgt in Bayern ein intensives Monitoring zur Dichteentwicklung der Schwammspinnerpopulation. Dr. Hannes Lemme von der LWF arbeitet an der Optimierung der Monitoringverfahren. Dazu gehören auch die Untersuchungen zur Beziehung von Eigelegedichte und Kahlfraß, die als Grundlage für eine Entscheidung über einen Pflanzenschutzmittel-Einsatz dient. Die Untersuchungen begannen 2018 und werden in den folgenden Jahren weitergeführt. Lemme betonte: „Ein hohes Risiko für einen Kahlfraß zieht nicht zwingend eine Behandlung des betroffenen Waldbestandes mit Pflanzenschutzmitteln nach sich.“ Kriterium ist ausschließlich eine bestandesbedrohende Gesamtsituation. Wird diese Situation von den Waldschutzspezialisten festgestellt, entscheidet der Waldeigentümer, ob ein Pflanzenschutzmitteleinsatz durchgeführt wird.

Am Statusseminar des Kuratoriums für forstliche Forschung beantworten die Referenten Dr. Stefan Müller-Kroehling (links) und Dr. Hannes Lemme Fragen zur Schwammspinner-Massenvermehrung.
Am Statusseminar des Kuratoriums für forstliche Forschung beantworten die Referenten Dr. Stefan Müller-Kroehling (links) und Dr. Hannes Lemme Fragen zur Schwammspinner-Massenvermehrung. Foto: C. Josten/ZWFH

Die Belange des Naturschutzes werden bei der Behandlung umfassend berücksichtigt, um ungewollte Auswirkungen auf sogenannte Nichtzielorganismen zu minimieren. Kann nicht sicher ausgeschlossen werden, dass es bei einer Behandlung zu einer Verschlechterung für bestimmte Arten wie seltene Schmetterlinge oder bestimmte Vogel- und Fledermausarten käme, werden diese Flächen nicht behandelt.

„Die Ergebnisse von über 100 ausgewerteten wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema zeigen jedoch, dass die Auswirkungen einer Behandlung auf die Nichtzielorganismen nicht verheerend, sondern reversibel sind, da die Bestände sich nach der Behandlung wieder erholen“, so Dr. Stefan Müller-Kroehling von der LWF. Auch geht es bei den Maßnahmen um den Erhalt der artenreichen Eichenwälder als Lebensräume. „Es ist unser ureigenstes Anliegen, dass wir dabei ganz stark auch den Naturschutz berücksichtigen“, so der Forstwissenschaftler.

Neuer Schädling: Ahorn-Stammkrebs

Typische Ausformung des vorangeschrittenen Ahorn-Stammkrebses (Eutypella parasitica) mit deutlich sichtbaren Nekrosen und Einbeulung. Derart befallene Bäume sind eine andauernde Infektionsgefahr für umliegende Ahorne und durch ihre Bruchgefahr ein Problem für die Verkehrssicherung.
Typische Ausformung des vorangeschrittenen Ahorn-Stammkrebses (Eutypella parasitica) mit deutlich sichtbaren Nekrosen und Einbeulung. Derart befallene Bäume sind eine andauernde Infektionsgefahr für umliegende Ahorne und durch ihre Bruchgefahr ein Problem für die Verkehrssicherung. Foto: N. Burgdorf/LWF

Entlang der Isar breitet sich am Ahorn seit einigen Jahren ein in Bayern noch neuer Pilz aus. Der Erreger Eutypella parasitica verursacht einen mit zunehmender Befallsdauer deutlich sichtbaren Stammkrebs. „Am stärksten ist der Bergahorn betroffen. Befallene Spitz- und Feldahorne kommen jedoch auch vor“, berichtete Ludwig Straßer von der LWF. In Bayern wurde E. parasitica erstmalig 2013 in München gefunden. „Dass sich der Pilz nach dem Befall in der Stadt auch in den Wald ausbreitet, war naheliegend“, so Straßer weiter. Er berichtete: „Nach Regen ist die Infektionsgefahr besonders hoch. Über Astausbrüche infiziert er den Holzkörper gesunder Bäume und breitet sich darin etwa ein bis zwei Zentimeter im Jahr aus. Durch die Abwehrreaktion des Baumes kommt es zur charakteristischen Krebsbildung. Diese wird in etwa elliptisch bis gut einen halben Meter groß und tritt meistens in über drei Metern Höhe auf.“ Ein Team der LWF untersuchte das Schadausmaß im Münchener Umland und war dabei an 85 Ahornen fündig. Der Waldschutzexperte riet dazu, befallene Ahorne zügig zu fällen, den Krebs herauszusägen und verbrennen zu lassen, denn die freiliegenden Fruchtkörper sind eine permanente Infektionsgefahr, das Risiko der Ausbreitung entsprechend hoch. Der jüngste befallene Ahorn war zehn Jahre alt, das Durchschnittsalter betrug 35 Jahre.

Quelle: ZWFH

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