WaldÖkologie

Statt Fichtenwald mehr Bergwiesen um Altenau

Bearbeitet von Jörg Fischer

Die Bergwiesen um die Oberharzer Ortschaft Altenau sollen größer werden. Dazu muss jetzt eine Fichtenaufforstung weichen, mit der die ursprüngliche Bergwiese vor über 65 Jahren bepflanzt worden ist. Ziel der Niedersächsischen Landesforsten (NLF) ist es, einen rund 4,5 ha reinen Fichtenwald am Mühlenberg in eine artenreiche Harzer Bergwiese umzuwandeln. Damit soll die Landschaft rund um die historische Bergstadt langfristig aufgewertet werden.

Die Landesforsten wollen mit dem Naturschutzprojekt den Artenreichtum an blühenden Pflanzen erhöhen und dem Insektensterben entgegenwirken. Dass sich mit dem Projekt auch der Erholungswert des Kurortes steigern lässt, hoffen sowohl die Geschäftsführerin der Kurbetriebsgemeinschaft „Die Oberharzer“, Bettina Beimel, als auch Ortsbürgermeister Alexander Ehrenberg. So verläuft oberhalb der zukünftigen Bergwiese ein Wanderweg, der von der neuen Aussicht profitieren wird. Auch die Reste der historischen Großen Altenauer Skischanze werden besser sichtbar sein.

Bergwiese bei Altenau
Bergwiese und Fichtenaufforstung bei Altenau
Foto: J. Thiery

Bodenschonenden Vollbaumernte mit Seilkrananlage

Die Idee ist ein Gemeinschaftsprojekt der Landesforsten mit der Naturschutzbehörde des Landkreises Goslar. Mit dem Projekt will das Forstamt Kompensationsmöglichkeiten für den Verlust von Bergwiesen an anderen Stellen schaffen. Aktuell laufen letzte Gespräche mit angrenzenden Grundstückseigentümern zum möglichen Flächenankauf. Das Forstamt Clausthal als größter Flächeneigentümer will noch in den kommenden Wochen mit den Baumfällarbeiten beginnen. „Wir fällen die Fichten als Vollbäume mithilfe einer Seilkrananlage. Alle Nadelbäume einschließlich Reisig und Kronen kommen von der Fläche runter, nur einzelne Laub- und Randbäume am Waldrand sollen als Landschaftsbäume erhalten bleiben. Auch Holundersträucher und Ebereschen, die sich hier natürlich ausgebreitet haben und Vögeln, Kleinsäugern und anderen Wildtieren als Rückzugsort dienen, lassen wir stehen. Sie strukturieren den Lebensraum zwischen Wald und Wiese tragen zu einem abwechslungsreichen Landschaftsbild bei“, beschrieb Alexander Frese das besonders bodenschonende Verfahren. Der Clausthaler Forstwirtschaftsmeister leitet den Einsatz der Spezialmaschinen und koordiniert die einzelnen Forstarbeiten.

Forstleute und Naturschutzmitarbeiterinnen vom Landkreis Goslar legten vor fast genau einem Jahr am 9. Februar 2020 die Arbeiten fest.
Forstleute und Naturschutzmitarbeiterinnen vom Landkreis Goslar legten vor fast genau einem Jahr am 9. Februar 2020 die Arbeiten fest.
Foto: NLF

Forstleute freuen sich auf artenreiche Bärwurz-Wiesen mit Harzer Höhenvieh

Anschließend wollen Forstleute die baumfreie Fläche durch fachgerechte Pflege zu einer Bergwiese entwickeln. Um den Wiesencharakter langfristig zu erhalten, ist eine Beweidung mit Rindern oder Schafen geplant. Der Landkreis Goslar und die Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld begrüßen und fördern das Projekt im Landschaftsschutzgebiet. Revierförster Mathias Weikert freut sich über eine neue Attraktion rund um Altenau: „Wenn die erste Kuhherde zum Almauftrieb auf den Mühlenberg zieht oder wieder Schafe dort oben weiden, freuen sich nicht nur die Urlauber im Oberharz über ein neu geschaffenes Insektenparadies. Auch wir Anwohner nutzen bestimmt die Bergwiesen am Mühlenberg für Spaziergänge durch die duftenden Bärwurz-Wiesen.“

Bärwurz
Bärwurz
Foto: J. Thiery

Bis es soweit ist rechnet das Forstamt mit einer rund dreimonatigen Arbeitsphase. Anwohner, Urlauber oder Spaziergänger müssen ab Februar mit Beeinträchtigungen rechnen. Hierüber wollten die Landesforsten auf einer Veranstaltung vor Ort informieren, die aber aufgrund der Versammlungsbeschränkungen nicht stattfinden kann. Neben intensiver Holzabfuhr aus dem Revier Altenau im Bereich der L 504 kommt ein Holzhacker zum Einsatz. Mit Beginn des Frühlings hoffen die Landesforsten die Arbeiten abschließen zu können.

Grünwidderchen an Kratzdistel
Grünwidderchen an Kratzdistel
Foto: J. Thiery
Quelle: NLF (PM)