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Sollingwälder so holzreich wie nie – Anteil alter Laubwälder gestiegen

Sollingwälder so holzreich wie nie – Anteil alter Laubwälder gestiegen

Der Solling ist bekannt für seinen Holzreichtum. Neben dem Holz verarbeitenden Gewerbe, das sich seit Jahrhunderten im und am Solling angesiedelt hat, sind es auch die Einwohner, die sich am Brennstoff erfreuen. Der Solling liefert ihnen allen Jahr für Jahr rund 250.000 Kubikmeter Holz – und das nachhaltig. War es doch schließlich die Forstwirtschaft selbst, die vor exakt 300 Jahren den Begriff der Nachhaltigkeit prägte.
 
Im vergangenen Jahr wurde durch Forstwissenschaftlerin Anne Petereit für die die Försterei Schießhaus bei Holzminden (Forstamt Neuhaus) der Ist-Zustand des Waldes aufgenommenen. Aus dem Vergleich mit dem Zustand von vor 10 Jahren wird die künftige Bewirtschaftung abgeleitet. Diese Forsteinrichtung ist eine Inventur und eine Planung gleichermaßen. Alle Ergebnisse fließen ein in das so genannte Betriebswerk, das dann für die nächsten zehn Jahre gilt. Für jede Forstabteilung (einen Waldbestand, der in der Regel wenige Hektar groß ist) wurde ermittelt, wie viel Kubikmeter von welcher Baumart vorhanden sind und was künftig geerntet werden kann. Auch in Naturschutzgebieten werden der Waldzustand beurteilt und Maßnahmen zur Pflege der Bestände geplant. Zudem dokumentiert Petereit besonders schützenswerte Altbaumgruppen im Wirtschaftswald.
 
Solling: So viel Holz wie nie zuvor …

Die Niedersächsischen Landesforsten betreiben einen enormen Aufwand: für die Forsteinrichtung im Solling investieren sie knapp 1,3 Mio. EUR um die für sie so wichtigen Rahmendaten zu bekommen. Das Ergebnis der Holzvorratsermittlung und Nutzungsplanung für den gesamten Solling: So viel Holz wie nie zuvor seit der menschlichen Bewirtschaftung, nämlich fast 12 Mio. Kubikmeter Holz, stehen im 38.500 ha großen Solling. Auf Holzlastern verladen ergäben sie eine Lkw-Schlange von 9.600 km, die von Moskau bis Gibraltar und zurück reichen würde.

Zum Vergleich: Vor 250 Jahren wuchs im Solling aufgrund von Übernutzung, Raubbau und Waldweide gerade mal ein Drittel so viel. Entgegen der landläufigen Meinung gibt es heute viel mehr Wald und Holzvorrat als früher: Reichte das Holz, das auf 1 ha Sollingwald steht, noch 1950 gerade einmal für den Bau von sieben Holzhäusern, könnten damit heute 16 Holzhäuser errichtet werden. Und das, obwohl Stürme, wie zuletzt Kyrill im Jahr 2007, immer wieder große Lücken in die Wälder und damit in die aufgebauten Vorräte geschlagen haben.

… und ökologisch wertvoller
 
Doch das Holz im Solling ist nicht nur mehr geworden, sondern die Wälder gleichzeitig vielfältiger und ökologisch wertvoller: Die Landesforsten setzen konsequent auf Mischwälder, pflanzen Laubhölzer an und sparen besonders schützenwerte Bereiche vollkommen von der Nutzung aus. So sind seltene oder zuvor ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten, etwa der Uhu und der Schwarzstorch, im Solling wieder heimisch geworden und der Anteil der alten, ökologisch besonders wertvollen Laubwälder hat sich in den vergangenen Jahren stark vergrößert.

Doch bei allem Schutz spielt auch die Nutzung des ökologischen und vielseitig verwendbaren Rohstoffes Holz eine große Rolle. Die nachhaltige Wirtschaftsweise, denen die Förster sich seit nunmehr 300 Jahren verpflichtet fühlen, ist Garant dafür, dass es auch künftig davon genug gibt. Besonders deutlich spiegelt sich das in der jährlichen Nutzung wieder: Von den gut 12  Fm (Kubikmeter) Holz, die jährlich pro Hektar nachwachsen, werden nur 9 Fm genutzt.

Das hat die Forsteinrichtung ergeben:

• Baumartenvielfalt. Auf fast der Hälfte, auf 44 %, wächst die Rotbuche im Solling. Es folgen Fichte (36 %), Eiche (10 %) und Lärche (4 %). Andere Baumarten wie Kiefern, Douglasien, Edellaubhölzer wie Kirsche, Esche und Bergahorn sowie Weichlaubhölzer wie Birke, Weide und Pappel kommen nur zu geringen Anteilen vor.

• Von Jung bis Alt. Im Solling gibt es alle Altersklassen zwischen einem und über 200 Jahren. Die Hälfte der Waldbestände ist zwischen 20 und 80 Jahre alt.

• Wertvolle Altbestände. Während die Holzvorräte in den Nadelholzwäldern durch die Stürme wie Kyrill und Emma leicht gesunken sind, stieg die Holzmasse in den Laubwäldern, vor allem in den Altwäldern, stark an. So erhöhten sich die Holzvorräte in den auch ökologisch wertvollen, alten Buchenwäldern um 40 %, die in den Alteichenwäldern und 23 %.

• Geschützte Bäume. Neben den Bäumen im Wirtschaftswald haben die Forsteinrichter auch knapp 1 Mio. Fm Holz kartiert, die für den Naturschutz eine besondere Bedeutung haben und von der Nutzung ausgespart sind. Dazu gehören Totholz sowie Bäume mit Vogelhorsten und Nisthöhlen. Die Hälfte dieser geschützten Bäume entfällt auf Eichen und Buchen.

• Nachhaltige Nutzung. Von den jährlich rund 12 Fm Holz, die pro Hektar nachwachsen, sollen nur 9 Fm genutzt werden. Rund 90 % des Holzes geht übrigens an regionale Holzverarbeiter in einem Umkreis 150 km. Jährlich werden im Solling – meist von der örtlichen Bevölkerung – 29.000 Fm Brennholz genutzt.

Der niedersächsische Solling ist Waldgebiet des Jahres 2013. Die 38.500 ha Wald prägen die Region des östlichen Weserberglandes. Seit 1991 bewirtschaften die Niedersächsischen Landesforsten den Solling nach den Grundsätzen des so genannten LÖWE-Programms, das für eine langfristige, ökologische Waldentwicklung steht.

Niedersächsische Landesforsten, Michael Rudolph/fp

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