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Waldbart absägen

Von der Sollingbuche zum Designerstuhl

Seit Jahrhunderten gibt der Solling den Menschen der Region nicht nur Bau- und Brennholz, Wildfleisch sowie Erholungsraum, sondern auch Arbeit entweder direkt im Wald oder in der Holzverarbeitung. Ein gutes Dutzend Sägewerke und andere Holzverarbeiter gibt es heute noch rund um dem Solling, der Waldgebiet des Jahres 2013 ist.
Etwa 100000 Fm Buchenholz ernten die beiden Sollingforstämter, davon sind rund ein Drittel besonders dicke, alte Buchen – so genanntes Starkholz. Nur knapp 1000 Fm davon, die besten Buchenstämme, treten ihren Weg in das Unternehmen Fritz Becker KG aus dem westfälischen Brakel an, einem bedeutenden Zulieferer für die Möbelindustrie. Dort werden aus erlesenen Baumstämmen zunächst Schälfurniere hergestellt und diese dann zu Rohlingen für edle Designerstühlen weiterverarbeitet. Im Schnitt verarbeitet das Unternehmen pro Jahr 15000 m³ hochwertiges Buchenholz, das vor allem drei Kriterien erfüllen muss, wie Forstingenieur Eike Siefarth erläutert: „Es muss dick sein, es muss weiß sein und frei von Ästen.“
Siefarth ist Holzeinkäufer bei der Fritz Becker KG und schwärmt für die Sollingbuche: „Der Boden des Sollings besteht überwiegend aus Buntsandstein. Das Risiko, dass die Buche einen für uns unerwünschten roten Farbkern im Holz bekommt, ist hier geringer als anderswo.“ Zudem liege der Solling direkt vor der Haustür des 1936 gegrundeten Schälwerkes, das heute 300 Mitarbeiter beschäftigt und 25 Mio. EUR Jahresumsatz erzielt. Die Nähe wirke sich deutlich auf die Transportkosten des Unternehmens aus.
Formholzteile aus Buchenfurnieren
In Brakel werden die im Durchschnitt 120 Jahre alten Buchenstämme zunächst in Heißkammern bei 82 °C rund 48 Stunden gedämpft und dann zu wenigen Millimeter dicken Furnieren geschält etwa so, wie man eine Küchenrolle abrollt. Eine elektronische Bildverarbeitung erkennt dabei automatisch Fehler und sortiert die betroffenen Holzstücke aus. Nach dem Trocknen werden diese Furniere in mehreren Schichten verleimt und in Formpressen mit bis zu 300 t Druck zu dreidimensionalen Rohlingen verarbeitet – sie lassen sich in fast jede beliebige Form bringen. „Buchenholz eignet sich hierfür so hervorragend, weil es elastisch, zäh und splitterfrei ist. Buche ist eine der härtesten Holzarten Europas“, sagt Siefarth. Zudem sei das Holz von geringem Gewicht bei gleichzeitig hoher Festigkeit.
Kunden aus aller Welt – der Exportanteil liegt bei 40 % – lassen bei Becker Formholzteile aus Buchenfurnieren herstellen. Aus diesen werden später vor allem hochwertige Sitzmöbel. In Tausenden Räumen der Welt stehen Sitzmöbel, die ihren Ursprung in Brakel hatten – und oft auch in einer Sollingbuche.
Solling – das Waldgebiet des Jahres 2013
Der niedersächsische Solling ist Waldgebiet des Jahres 2013. Die 38500 ha Wald, die diese Region des östlichen Weserberglandes prägen, sind Lebens-, Arbeits- und Erholungsraum gleichermaßen. So profitiert der Tourismus sehr von dem Waldreichtum der Region: Wanderer und Radfahrer nutzen das gut ausgeschilderte Wegenetz. Hochmoorstege, ein Hochseilgarten, ein Baumhaus-Hotel sowie der Erlebniswald und das Hutewaldprojekt bilden Besucheranreize.
Der Holzreichtum des Sollings stellt einen besonderen Wert für die Region dar: Über 250000 m³ werden jährlich nachhaltig geerntet und vermarktet – etwa an die Holzindustrie, aber auch 30000 m³ Brennholz an örtliche Kunden. Neben dem Forstpersonal der beiden Sollingforstämter Neuhaus und Dassel arbeiten auch viele selbstständige Unternehmer in den Wäldern – zusammen sind es fast 100 Arbeitsplätze.
Seit über 20 Jahren bewirtschaften die Niedersächsischen Landesforsten den Solling nach den Grundsätzen des so genannten LÖWE-Programms, das für eine langfristige, ökologische Wald-Entwicklung steht.
 
NLF
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