Holztransport

Smarte Holzlogistik

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Österreichs Klimaziele sind klar definiert, doch um diese erreichen zu können, müssen sich eine Vielzahl von gewohnten Prozessen maßgeblich ändern und neue Wege beschritten werden. „Smarte Holzlogistik“ heißt das Projekt, bei dem man Holz mit einem standardisierten Ladungsträger, welcher intermodal und modular einsetzbar ist, transportiert.

Im österreichischen Leitprojekt „PhysICAL“ machen sich Forscherinnen und Forscher die Technologie des Physical Internets zu Nutze, um Warentransporte nicht mehr einfach nur von A nach B zu transportieren, sondern Lieferungen zu bündeln und über ein Netzwerk und verschiedenste Knotenpunkte effizient und nachhaltig ans Ziel zu bringen. „Wir werden nicht nur am Papier errechnen, dass dieses Konzept sinnvoll und wirtschaftlich ist, sondern dies auch beweisen und mit unseren Partnern aus der Wirtschaft demonstrieren“, ist Sandra Stein, Projektleiterin von PhysICAL von der Fraunhofer Austria Research GmbH und Leiterin des Executive MBA-Programms Mobility Transformation an der TU Wien Academy for Continuing Education (TUW ACE), überzeugt.

Straße oder SchmalspurP

Um Sendungen über mehrere Knotenpunkte hinweg schicken zu können, bedarf es mehrerer Ressourcen und Akteure im Netzwerk. Zum einen ist ein standardisierter Ladungsträger notwendig, welcher intermodal und modular einsetzbar ist. Zum anderen benötigt man eine intermodale Plattform, auf welcher die Transporte und Sendungen verknüpft, koordiniert und gebucht werden können, sowie Transportdienstleiter und Verlader, welche Transportkapazitäten offenlegen und Sendungen zur Bündelung bereitstellen.

Besonders im Pilotprojekt „Smarte Holzlogistik“ ist, dass diese drei Aspekte beispielhaft zum Tragen kommen. „Wir möchten einen effizienten Holztransport auf der Schmalspurbahn realisieren und diesen im Murtal/Lungau mit einem neuen Gebinde ausprobieren.“ erklärt Stein weiter. Hierdurch soll die gegebene Bahninfrastruktur wirtschaftlicher eingesetzt werden und dem vorherrschenden Transport über die Straße die Stirn bieten können.

15 % weniger Leerfahrten

Das Gebinde selbst ist als modulare und intelligente Einheit geplant, um dem Physical Internet Charakter gerecht zu werden. Verschiedene Sensoren machen das Gebinde „smart“. Beispielsweise wird neben GPS oder Temperatursensoren auch Verwiegetechnik verbaut sein, um ein Überladen der Wägen zu verhindern.

Am Ende des Projekts werden zwei solcher Gebinde fertig zur Verfügung stehen, die neben Rundholz auch Holzprodukte wie Hackschnitzel transportieren können. Modulare Seitenteile machen es möglich, dass diese rasch ausgetauscht werden können und die Zuggarnitur keine zusätzlichen Stehzeiten generiert. Die dadurch gewonnene Flexibilität ermöglicht eine Reduktion der Leerfahrten um bis zu 15 %.

Hochflexibel

Eine weitere Anforderung ist, dass das Gebinde auf jeden Eisenbahntyp – sowohl Normalspur als auch Schmalspur – passen soll und im Weiteren auch auf andere Verkehrsträger umgeschlagen werden kann. Umgeladen wird das Gebinde als Gesamtheit, nicht wie bisher jeder einzelne Baumstamm, wodurch Kranungsvorgänge um bis zu 50 % und Logistikprozesskosten um bis zu 30 % reduziert werden können.

Darüber hinaus wird Holzverkäufern die Möglichkeit geben, den Transport ihres Holzes basierend auf Tagespreisen, Bestellungen und Nachfrage mittels einer eigens konzipierten App zu buchen, bzw. das Holzangebot offen zu legen.

Das Projekt „PhysICAL“ wird im Rahmen des FTI-Programms „Mobilität der Zukunft“ durch das Bundesministerium für Klimaschutz, gefördert und von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG abgewickelt.

Weitere Informationen finden sich hier.

Quelle: TU Wien