Newsletter
ABO
Zeitschriften
Service
Trockenheit Wald Rheinland-Pfalz

Situation der Wälder in Rheinland-Pfalz

Anfang Juni hat das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten (MUEEF) in Rheinland-Pfalz eine Kleine Anfrage des GRÜNEN-Abgeordneten Andreas Hartkopf zur Situation der Wälder und der Förderung von Waldbesitzern beantwortet.

Daraus geht hervor, dass nach zwei Dürre- und Hitzejahren der vergangene Winter einen etwas besseren Start in die Vegetationsperiode ermöglicht hat als 2019. Dennoch sei der Bodenwasserspeicher gerade in den oberen Horizonten bereits wieder abgesunken. Jungpflanzen, besonders auf Kahlflächen, geraten dadurch leicht in Trockenstress.

Temperatur steigt, Niederschläge sinken

Die Niederschlagsmenge im Frühjahr habe sich im Vergleich zum langjährigen Mittel nicht signifikant verändert, wohl aber die Temperatur. Die mittlere Frühjahrstemperatur ist seit Beginn der Messungen um 1,7°C auf 9,4°C gestiegen, besonders schnell in den letzten drei Jahrzehnten. Die beiden Dürrejahre 2018 und 2019 hatten sehr sonnenscheinreiche Frühjahre, einen allgemeinen Trend zu sonnenscheinreicheren Frühjahren gebe es aber bislang nicht. Sollte der jedoch eintreten, sei mit noch mehr Verdunstung und damit Trockenstress im Wald zu rechnen. Während der gesamten Vegetationsperiode und im Sommer haben die Niederschläge abgenommen und treten konzentrierter, oft als Starkregen, auf.

Schädlinge profitieren

Die Zahl der Waldbrände In Rheinland-Pfalz hat trotz einer signifikant steigenden Zahl der Tage mit hoher Waldbrandgefahr (1961: 10 – 2019: 30) nicht zugenommen. Mit Ausnahme des Hitzesommers 2003 wurde eine Waldbrandfläche von 20 ha nie überschritten. Als einen Grund identifiziert das Ministerium den Waldumbau Richtung Mischwälder. Bei anhaltender Trockenheit könnte das Ökosystem Wald aber über die Grenzen seiner Anpassungsfähigkeit hinaus strapaziert werden. Die Folge wären Kahlflächen, die sich dann praktisch nicht wieder bestocken lassen. Versteppung wäre die Folge. Zunächst profitieren von der Trockenheit Schädlinge wie rindenbrütende Käfer oder freifressende Raupen, die unter fehlenden Niederschlägen nicht leiden. Die Abwehrmechanismen der Bäume funktionieren durch das fehlende Wasser nur eingeschränkt oder gar nicht. Dies war 2018 und 2019 der Fall und wird sich wahrscheinlich 2020 wiederholen. Das verfügbare Bodenwasser ist in weiten Teilen von Rheinland-Pfalz bereits wieder knapp.

16,5 Mio. € Förderung

Um private und kommunale Waldbesitzer bei der Schadensbewältigung und Wiederbewaldung zu unterstützen, hat Rheinland-Pfalz im Jahr 2019 rund 4,3 Mio. € GAK-Mittel und 200.000 € reine Landesmittel als Förderung ausgezahlt. 2020 werden es 16,5 Mio. €. Ende April lagen bereits Förderanträge in Höhe von 13 Mio. € vor. Weitere Maßnahmen zur Vorbeugung von Waldschäden und -verlusten sind Vorausverjüngungen mit Buchen und Tannen in Nadelreinbeständen, frühere Generationswechsel zugunsten jüngerer, reaktionsstarker Bäume, eine dauerwaldorientierte Bewirtschaftung, das Belassen von Baum- und Kronenteilen im Wald, ebenso wie von Biotopbäumen, Altbäumen und Totholz.

Weitere Verschärfung möglich

Im Fall eines weiteren Hitze- und Dürrejahres werde sich die Situation weiter verschärfen, was Sturm- und Insektenschäden, Wald-, Einnahmen- und Vermögensverluste der Waldbesitzer betrifft, so das Ministerium. Die bis 2023 zu erwartenden Fördermittel werden vorrangig für die Beseitigung der Schäden, die Eindämmung der Borkenkäfergefahr und die Gefahrenbeseitigung eingesetzt. Der erforderliche Waldumbau durch Wiederbewaldung, Vorausverjüngung in gefährdeten Waldbeständen und die Pflege der jungen Bestände werde die Waldbesitzer in den kommenden Jahren bis Jahrzehnten vor große finanzielle Herausforderungen stellen. Notwendig wäre deshalb eine Verstetigung der GAK-Sondermittel über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren.

Honorierung von Waldleistungen

Die wirtschaftliche Situation der Forstbetriebe werde sich auf absehbare Zeit substanziell verschlechtern. In der Folge könnten die Waldbesitzer viele ökologische und soziale Leistungen, die der Allgemeinheit bislang kostenlos zur Verfügung gestellt wurden, nicht mehr erbringen. Zur Sicherung dieser Leistungen einschließlich der Klimaschutzleistungen bedürfe es daher der Ergänzung oder sogar der Ablösung der klassischen Förderung durch ein dauerhaftes Modell einer verursacherbezogenen Honorierung der Klimaschutz- bzw. Ökosystemleistungen des Waldes. Einen entsprechenden Vorschlag habe das MUEEF an die Bundesregierung gerichtet. Laut ihm sollen alle Waldbesitzer, die durch zertifizierte Waldbewirtschaftung einen entsprechenden Beitrag zur CO2-Bindung im Wald nachweisen können, eine wirksame Unterstützung für die gesellschaftlichen Leistungen und insbesondere die Klimaschutzwirkungen des Waldes erhalten. Berechnungsgrundlage hierfür kann zum einen der von der Bundesregierung auf nationaler Ebene vorgesehene Anfangspreis für CO2-Emissionen in Höhe von 25 Euro/Tonne und zum anderen die durchschnittliche CO2-Bindung im durch die jüngste Bundeswaldinventur ermittelten laufenden Holzzuwachs in Höhe von jährlich 8,8 t/ha Waldfläche sein.

MUEEF/Red.

Auch interessant

von