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Gemeinsamer Termin von ForstBW und VdAW zum Thema ?Sichere Waldarbeit in unseren Wäldern? am 14.9.2016 im Hauptstützpunkt Stollenhof (v.l.): Klaus Schätzle

Partnerschaft für sichere Waldarbeit im Staatswald Baden-Württemberg

Bei einem gemeinsamen Termin von ForstBW und VdAW-Fachverband Forstunternehmen Baden-Württemberg im Hauptstützpunkt Stollenhof stand die Verbesserung der Arbeitssicherheit im Staatswald im Mittelpunkt.

Das Unfallgeschehen im Staatswald Baden-Württemberg ist im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich hoch. Deshalb haben bereits im September 2014 Land, Städtetag und Landkreistag eine Partnerschaft für sichere Waldarbeit im Staatswald Baden-Württemberg mit dem Ziel beschlossen, die Arbeitssicherheit laufend zu verbessern und die Unfallzahlen beständig zu reduzieren.
Damit verbunden ist ein umfangreiches Aktionsprogramm zur Steigerung der Arbeitssicherheit. 
„Die Gesundheit unserer Beschäftigten liegt mir sehr am Herzen. Das Aktionsprogramm Arbeitssicherheit macht deutlich, dass der Arbeits- und Gesundheitsschutz für ForstBW ein vordringliches Betriebsziel ist und konsequent umgesetzt wird“, sagte Landesforstpräsident Max Reger am Forstlichen Hauptstützpunkt Stollenhof in Wüstenrot (Landkreis Heilbronn) im Rahmen einer Holzerntemaßnahme (14.9.2016).
Ein wichtiger Baustein im Aktionsprogramm für mehr Sicherheit im Wald sei das Sicherheitscoaching. Die Sicherheitscoaches (Sicos) sind Forstwirtschaftsmeister, die Waldarbeiterinnen und Waldarbeiter in allen Sicherheitsfragen bei der praktischen Waldarbeit beraten und unterstützen. „Das Sicherheitscoaching wird hervorragend angenommen. Schon im ersten Halbjahr seit der Einführung wurden mehr als 60 % der Waldarbeiterinnen und Waldarbeiter beraten und betreut. Das Wort der Sicherheitscoaches hat Gewicht im Wald und das ist gut so“, sagte Reger weiter.
Für eine sichere und pflegliche Holzernte in naturnahen und strukturreichen Wäldern kommen spezielle Arbeitsverfahren zur Anwendung. Bei Fällarbeiten unter schwierigen Bedingungen ist der Einsatz von Forstmaschinen mit Seilwinde wesentliches Hilfsmittel für sicheres Arbeiten. „Das Forstliche Bildungszentrum Königsbronn hat für die seilunterstützte Holzernte innovative Techniken entwickelt, welche die Sicherheit unserer Beschäftigten deutlich erhöht“, sagte Max Reger.
Waldarbeit schafft Werte und bewahrt
Unter diesem Motto möchte ForstBW Waldbesucherinnen und Waldbesucher Forstwirtschaft im Wald erklären. „Wenn wir erklären, was wir im Wald tun, können Interessierte besser verstehen, dass Holzernte für die Waldpflege wesentlich ist. Die verbleibenden Bäume können nach der Pflegemaßnahme besser wachsen und aus dem geernteten Holz entstehen Produkte des täglichen Bedarfs“, erklärte Forstpräsident Max Reger. „Denn eins ist klar: ohne Waldnutzung kein Stuhl, kein Bett und keine Zeitung“, betonte Reger.
Fachverband Forstunternehmen Baden-Württemberg
Sei es bei Holzerntearbeiten mit der Motorsäge, der Rückung des Holzes oder im Umgang mit Großmaschinen. Bei all den Tätigkeiten muss man mit klarem Kopf bei der Sache sein. „Um hier immer auf dem aktuellsten Stand zu sein, nehmen die Unternehmer regelmäßig an Sicherheitsunterweisungen und Fortbildungen teil. Außerdem sind wir verpflichtet Gefährdungsbeurteilungen zu erstellen, durch welche Gefahrenpotenziale festgestellt und vorgebeugt werden“, erklärt Klaus Schätzle, Vorsitzender des VdAW-Fachverbandes Forstunternehmen Baden-Württemberg.
Zusätzlich hilft die Technik Unfälle vorzubeugen und angemessen zu reagieren. „Spezielle Kommunikationsgeräte, die sog. KUNOS, ermöglichen es beispielsweise automatisch einen Notruf abzusetzen und die Kollegen zu alarmieren, wenn sich eine Person nicht mehr bewegt“, so Schätzle. Damit wird automatisch die Rettungskette angeschoben, welche Erste-Hilfe-Maßnahmen und den Abruf eines Rettungswagens an sogenannten Rettungspunkten beinhaltet.
Doch es gibt auch Hürden, die die Umsetzung der Sicherheitsvorgaben erschweren. So wird, außerhalb von ForstBW, immer noch im erheblichen Umfang in Akkordarbeit getätigt, was zu Zeitdruck während der Forstarbeit führt. „Hinzu kommt, dass es immer schwieriger wird ausgebildete Forstwirte zu finden, die sich für einen leider recht niedrigen Lohn solch hohen Gefahren aussetzen. Hier ist es an der Zeit jungen Menschen, ebenso wie Auftraggebern zu verdeutlichen, dass die Pflege und Bewirtschaftung der Wälder im Rhythmus der Jahreszeiten etwas sehr abwechslungsreiches, lebendiges und anspruchsvolles ist“, erläutert Klaus Schätzle weiter.
Dabei ist vor allem die Kombination zwischen Natur und Technik sonst nirgends zu finden. Schätzle: „Forstarbeit ist und bleibt eine gefährliche Tätigkeit, die nur Profis als Team anpacken sollten! Diese Profis haben wir im Verband.“
Aktionsprogramm Arbeitssicherheit
Mit einer Partnerschaft für sichere Waldarbeit im Staatswald Baden-Württemberg zwischen Land, Städtetag und Landkreistag soll das gemeinsame Ziel erreicht werden, die Arbeitssicherheit laufend zu verbessern und die Unfallzahlen beständig zu reduzieren.
Basis ist eine Grundsatzerklärung für Arbeits- und Gesundheitsschutz von ForstBW und den Stadt- und Landkreisen, die am 1.9.2014 verabschiedet wurde. Das Land Baden-Württemberg übernimmt 3 Mio. € des Fortbildungspaketes, Landkreistag und Städtetag tragen zusammen 500.000 € bei. Das entspricht rund 3.500 € je Mitarbeiterin und Mitarbeiter.
Das Fortbildungspaket zur Verbesserung der Arbeitssicherheit im Staatswald sieht folgende Maßnahmen vor:

•  Ein Sicherheitscoaching mit ausgebildeten Spezialisten fördert bei Besuchen vor Ort das sicherheitsbewusste Arbeiten und hilft Flüchtigkeitsfehler zu vermeiden.
•  Verpflichtende Führungskräfte-Schulungen vermitteln die konsequente Umsetzung der erforderlichen Arbeitsschutzmaßnahmen.
•  Regelmäßige Pflichtfortbildungen für alle Beschäftigten im Wald trainieren aktuelle Arbeitstechniken und ergonomische Arbeitsweisen.
•  In Workshops auf Kreisebene entwickeln die Beschäftigten der unteren Forstbehörden konkrete Verbesserungspotenziale für die Arbeit vor Ort.
•  Ein professionell geleitetes Training verbessert die Fitness und beugt langfristig Gesundheitsschäden durch falsche Belastung vor. 
Sicherheitscoaching bei ForstBW
Ein wichtiger Baustein für mehr Sicherheit im Wald ist ein Sicherheitscoaching für Waldarbeiterinnen und Waldarbeiter. Das Sicherheitscoaching bei ForstBW ist ein innovativer Weg, um die Unfallzahlen bei der Waldarbeit dauerhaft zu senken.
ForstBW beschäftigt landesweit 13 Sicherheitscoaches. Ein Sicherheitscoach betreut zwischen ein und fünf Landkreise in Baden-Württemberg. Sicherheitscoachs sind Forstwirtschaftsmeister, die zum Beispiel die organisatorischen Rahmenbedingungen und Arbeitsabläufe analysieren und die Schutzausrüstung auf Funktionsfähigkeit prüfen. Sie weisen auf Mängel hin und geben Hinweise zur Optimierung und Verbesserung. Bei Bedarf führen sie eintägige Sicherheitstrainings durch.
Bilanz: Im Zeitraum Oktober 2015 bis März 2016 fanden 373 Coachingtermine bei 162 Waldarbeitsgruppen statt. Es wurden über 600 Forstwirtinnen und Forstwirte beraten und 12 mehrtägige Sicherheitstrainings durchgeführt.
Forst BW, VdAW
Vorsitzender Fachverband Forstunternehmer Baden-Württemberg (VdAW); Max Reger Gemeinsamer Termin von ForstBW und VdAW zum Thema ?Sichere Waldarbeit in unseren Wäldern? am 14.9.2016 im Hauptstützpunkt Stollenhof (v.l.): Klaus Schätzle

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