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Rotmilan im Flug Foto: S. Pfuetzke

Sichere Kinderstube für Deutschlands heimlichen Wappenvogel

Dieser Tage beginnt für den Rotmilan (Milvus milvus) in Deutschland eine entscheidende Phase: Die Brutzeit. Deutschland ist Rotmilanland Nummer eins, denn nirgendwo leben mehr Rotmilane als bei uns. Aus diesem Grund hat Deutschland für deren Schutz eine besonders hohe Verantwortung, denn der Bestand nimmt seit Anfang der 1990er-Jahre stetig ab. Für den Erhalt der Art ist es entscheidend, dass möglichst viele Rotmilane Jungvögel großziehen können.Das bundesweite Schutzprojekt Land zum Leben – gefördert mit Mitteln des Bundesumweltministeriums – konzentriert sich auch auf den Schutz brütender Rotmilane. Wie alle Vögel brüten auch Rotmilane am liebsten ungestört. Fast immer bauen sie ihre Nester am Rand von Wäldern und Gehölzen. Obwohl sie nicht übermäßig sensibel sind, gilt für Landnutzer, Waldbesitzer und Förster: Im Frühjahr bitte auf große Horste achten, denn ein aufgegebenes Nest mit Jungvögeln ist für die bedrohten Tiere eine Katastrophe. Aus diesem Grund ist auch die Gesetzeslage eindeutig: es ist verboten, Rotmilane und andere Greifvögel während der Brutzeit zu stören oder Nester zu beschädigen oder zu entfernen (§ 44 Bundesnaturschutzgesetz). Die gute Nachricht: Um als Förster oder Landwirt alles richtig zu machen, braucht es nicht viel. Eine Nestschutzzone in der Zeit von April bis Juli ist schnell und unkompliziert eingerichtet. Man muss nur wissen, wo die Vögel brüten. Im Umkreis von 100 Metern um den Horst sollte in dieser Zeit ein Nutzungsverzicht gelten, im Umkreis von 300 Metern sollte auf mehrstündige Arbeiten sowie Maschineneinsatz verzichtet werden. Kürzere Arbeiten oder das Befahren sind in der Regel unproblematisch. Außerhalb der Brutzeit sind die Nestschutzzonen aufgehoben und die Bewirtschaftung uneingeschränkt möglich. Da angelegte Nester wiederholt genutzt werden, darf der Brutbaum selbst zu keiner Zeit freigestellt, entastet oder anderweitig bearbeitet werden. Auf den ersten Blick sehen Nester von Rotmilanen wie gewöhnliche Greifvogelnester aus. Fast immer findet man sie an Waldrändern oder in Feldgehölzen. Viele Paare brüten jedes Jahr im selben Nest, das ständig ausgebessert und damit größer wird. Eine Besonderheit des Rotmilans ist seine unordentliche Bauweise. Ein deutliches Zeichen sind eingebaute Müllreste. Stofffetzen, Plastik und Papier, Handschuhe und selbst Plüschtiere hat man schon gefunden. Diesen „Schmuck“ sieht man oft aus dem Nest herausragen oder darunter auf dem Boden liegen.Der neue Ratgeber „Nestschutz“ des Projektes „Land zum Leben“ erklärt schnell und übersichtlich, wie man als Waldnutzer dem Rotmilan unter die Flügel greifen kann. Dieser kann unter www.rotmilan.org oder kostenlos per Email über info@rotmilan.org bezogen werden.

Peer Cyriacks, Deutsche Wildtier Stiftung
  Rotmilan im Flug Foto: S. Pfuetzke Rotmilan-Horst (links) und Jungvögel im Nest (rechts) Fotos: C. Gelpke

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