Arbeitssicherheit

SVLFG-Schulung „Sicher im Schadholz“

Bearbeitet von Oliver Gabriel

Im Januar nahmen 25 Thüringer Forstunternehmer an einer SVLFG-Schulung teil. Es ging um die sichere Holzernte von Buchen, die nach zwei trockenen Jahren vermehrt absterben und nur unter großen Gefahren gefällt werden können.

Die Mechanisierung der Holzernte mit dem Harvester hat die Unfallzahlen im Wald sinken lassen. Anders sieht es leider immer noch bei der motormanuellen Holzernte aus, also bei der klassischen Baumfällung mit der Motorsäge. Gerade in den beiden letzten zwei Jahren ist die Zahl der Unfälle deutlich gestiegen. Der Grund: Stürme, Borkenkäfer und Dürre haben die Schadholzmengen in die Höhe getrieben und dabei neben der Fichte auch den Buchenwäldern stark zugesetzt. Die Aufarbeitung des Laubschadholzes ist besonders gefährlich, weil es rasch fault und sich trockene Äste leicht lösen können. So kam es in Deutschland nach Angaben der Sozialversicherung für Forstwirtschaft und Gartenbau (SVLFG) im vergangenen Jahr zu 32 tödlichen Unfällen und auch im noch jungen Jahr 2020 sind bereits drei Menschenleben zu beklagen.

Schulung in Tonndorf

Aus diesem Grund organisierte der Forstunternehmer Sven Butzert von der Agro-Forst-Technik & Landschaftsbau in Tonndorf zusammen mit der SVLFG und dem Deutschen Forstunternehmer-Verband (DFUV) einen Lehrgang, der am 13. Januar 25 Forstprofis nach Tonndorf führte. „Das Schadholz birgt sehr viele Risiken, selbst Fachkräfte haben deshalb noch Schulungsbedarf; wir wollen ihnen die besten Schnitttechniken für diese Arbeit beibringen“, unterstrich DFUV-Geschäftsführer Dr. Maurice Strunk die Wichtigkeit der Aktion.

Achtung Totholz

In den Buchenkronen versteckt sich oft Totholz, das schon bei geringen Erschütterungen brechen und zu Boden rauschen kann. Das geschieht oft nahezu lautlos, wie auch der Forstwirt Sven Veith erfahren musste. Als er vor zwölf Jahren eine Buche fällte, riss ihn ein solcher Ast fasst aus dem Leben. „Auf einen Schlag war alles dunkel“, erinnert er sich. Erst acht Wochen später und nach einer Operation realisierte er, was passiert war. Der Weg zurück war sehr langwierig, denn er musste alles neu lernen, selbst sprechen und laufen. Heute kann er auch wieder Auto fahren. Die Liebe zum Wald ist aber geblieben. So war auch er unter den Profis, die den Weg in den Forst nördlich von Tonndorf gefunden haben.

Worauf es bei der Aufarbeitung des Laubschadhozes ankommt, das erklärte Christian Lüschow von der SVLFG. Der technische Aufsichtsbeamte empfahl zunächst, solche Bäume mit dem Harvester oder einem Bagger zu fällen. Nur wenn die Bäume dafür zu stark sind oder keine Maschine zur Verfügung steht, solle man die Motorsäge anlegen.

Das A und O ist die Baumansprache

Lüschow legt großen Wert darauf, dass der Motorsägenführer bei der Fällung zwei Prinzipien beachtet. Erstens müsse er den Baum mit der geeigneten Technik erschütterungsfrei für die Fällung vorbereiten, und zweitens müsse er sich rechtzeitig in die sichere Rückweiche begeben und den Baum erst von dort zu Fall zu bringen. Das A und O bei sei darüber hinaus eine korrekte Baumansprache. Das ist seinen Worten zufolge in den geschädigten Buchenwäldern auch für Profis nicht leicht.

Welche motormanuellen Arbeitsverfahren sich eignen, erklärten die beiden Forstwirtschaftsmeister Dirk Grotelüschen und Thies von Kampen. In erster Linie ist das die seilwindenunterstützte Holzernte mit der Königsbronner Anschlagtechnik oder mit der Darmstädter Seilzugtechnik. Die Arbeit mit den sonst üblichen Keilen ist im Schadholz natürlich tabu, weil sich dürre Äste schon bei leichten Erschütterungen lösen können. Die Fälltechnik mit unterschnittenem Halteband ist dagegen erschütterungsfrei. Steht auch kein Schlepper bereit, dann lassen sich die Bäume heute auch mit funkgesteuerten Fällkeilen erschütterungsfrei und damit sicher zu Fall bringen.

Sicherheit hat ihren Preis

Ein Thema waren dann auch noch die Preise für die Forstdienstleister. „Weil die Holzpreise wegen des großen Schadholzanfalls so stark gefallen sind, versuchen die Auftraggeber das an die Forstunternehmer weiterzureichen“, sagt Christian Lüschow. „Doch gerade die Aufarbeitung von Schadholz erfordert eine entsprechende Technik und Qualifikation. Das hat einfach auch seinen Preis“, gibt er zu bedenken. „Die Auftraggeber müssen darauf achten, dass ein sicheres Arbeiten zu vernünftigen Bedingungen möglich ist.“

Positives Feedback

Viel positives Feedback gab es mit dem Ende der Schulung, am Nachmittag, bevor sich die Teilnehmer wieder auf den Heimweg machten. Gastgeber Sven Butzert könnte sich weitere gemeinsame Schulungen für sich und seine Thüringer Kollegen vorstellen, denn schließlich geht es um ihre Sicherheit in einem risikoreichen Job.

Stefan Eberhardt