Wer wird gewinnen?
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Showdown zum Landesjägertag in Bayern

02. April 2022

UPDATE 2.4.2022 15:30 Uhr: Ernst Weidenbusch wurde trotz der vielen Kritikpunkte im Amt bestätigt. Er konnte letztlich 318 Stimmen auf sich vereinen (51%). Für seinen Herausforderer stimmten mit 273 Delegierten 44%, 31 enthielten sich (5%).

Am heutigen 2. April 2022 soll beim bayerischen Landesjägertag in Augsburg ein neues Präsidium gewählt werden. Das wird in mehrerlei Hinsicht ein höchst spannendes Unterfangen werden.

Erst 15 Monate nach dem Amtsantritt des aktuellen Präsidenten Ernst Weidenbusch hat nur zwei Tage vor der Wahl Dr. Ernst-Ulrich Wittmann, Patentanwalt und Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe Dachau, seine Gegenkandidatur verkündet. Dieser Vorgang wäre für sich schon unerhört, aber Wittmann spart in öffentlichen Interviews zu seinen Beweggründen nicht mit scharfer Kritik an dem amtierenden Präsidenten. Insbesondere wirft er ihm vor, mit seiner kompromisslosen und selbstherrlichen Art die Zusammenarbeit mit den Partnerverbänden und der Basis der Jägerschaft massiv beeinträchtigt zu haben. Aus seiner Sicht seien beim notwendigen Waldumbau im Klimawandel gemeinsame Anstrengungen und Dialog nötig und keine polemische Konfrontation.

Geheimer Geheimplan?

Ein besonders treffliches Beispiel für ihre überzogene Streitlust liefert die derzeitige Führungsmannschaft des BJV in der aktuellen Ausgabe der Verbandszeitung „Jagd in Bayern“. Dort werden ab Seite 16 wilde Mutmaßungen über den „Geheimplan zur Demontage der Jagd“ ausgebreitet. Konkret geht es um einen uralten Abschlussbericht aus dem Jahr 2008, in dem eine Projektgruppe sich Gedanken gemacht hatte zu möglichen Maßnahmen beim Waldumbau. In dem sogenannten „Theßenvitz-Papier“ wurden von einem Beratungsbüro seinerzeit wohl sehr radikale Vorschläge gemacht, wie der Grundsatz „Wald vor Wild“ in die Tat umgesetzt werden könnte. Der damalige Landwirtschaftminister Brunner hatte das Papier darum sehr bald für gegenstandslos erklärt und aus dem Verkehr gezogen. Das hindert den Autor des Artikels aber nicht daran, darüber zu spekulieren, ob in den vergangenen 14 Jahren hinter den Kulissen vielleicht doch insgeheim an der Umsetzung gearbeitet wurde und dabei nebenbei klammheimlich 20 mio. € an Steuergeldern dafür ausgegeben wurden, um die Jägerschaft und die Öffentlichkeit zu „infiltrieren“. Auf die Idee, die Gesellschaft könnte sich – genauso wie das Klima und der Wald – gewandelt haben und heute an die Jagd andere Forderungen stellen als es einem selber vielleicht genehm ist, kommt er dabei nicht. Diese Anschuldigungen kontert die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber ungewöhnlich scharf mit einem Brief, der sich direkt an die Kreisgruppen der BJV-Jägerschaft wendet, wo sie tatsächlich mehr Verständnis und Unterstützung erwarten kann als in der Führungsriege des Verbandes.

Wir dürfen gespannt sein, wie die Präsidentschaftswahlen vor diesem Hintergrund ausgehen werden.

H. Höllerl

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