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Wisent-Förster Rainer Glunz bei der Probenahme im Wisentgehege Hardehausen

Senckenberg-Institut forscht über Hardehausener Wisente

Die Hardehausener Wisente standen in den vergangenen sechs Jahrzehnten immer wieder im Fokus der Wissenschaft. Der Genpool der etwa 7.000 Wisente auf der Welt ist mehr als übersichtlich, denn alle Wisente stammen genetisch von nur zwölf so genannten Gründertieren ab, die das Fast-Aussterben vor etwa 100 Jahren überlebt hatten. Nun interessiert sich für die Hardehausener Wisente das renommierte Senckenberg-Forschungsinstitut.

Für seine Masterarbeit entwickelte der Student Gerrit Wehrenberg vom Senckenberg-Forschungsinstitut ein neues Markersystem zur genetischen Charakterisierung des Wisents. Die 12 Gründertiere hatten das Fast-Aussterben vor etwa 100 Jahren überlebt. Die Nachzucht des nach wie vor auf der Roten Liste stehenden Wisents wird über ein internationales Zuchtbuch in Polen koordiniert.

Genetische Analysen mit Hilfe von Proben

Seit 2006 entwickelt das Senckenberg-Institut im Fachgebiet Naturschutzgenetik molekulargenetische Analyseverfahren für den Artenschutz und die Wildtierkunde. Über ein genetisches Wildtiermonitoring kann man seltenen und heimlich lebenden Arten wie Wolf, Wildkatze oder Fischotter auf die Schliche kommen. Eine Besonderheit ist, dass die genetischen Analysen durch gesammelte Proben der Hinterlassenschaften wie Haare, Kot, Urin oder Speichelreste durchgeführt werden können – ohne die Tiere stressen, fangen oder betäuben zu müssen. Diese genetischen Monitoringmethoden haben sich bei anderen Wildtieren, wie Wolf, Wildkatze und Luchs bereits etabliert. Die im Wisent-Wald vor ein paar Jahren festgestellte Wildkatze konnte durch die Senckenberg-Spezialisten als wilde Art identifiziert werden, weil sie Haare, die im Labor ausgewertet wurden, an einem Lockstock hinterlassen hatte.

Haar- und Kotproben werden gesammelt

So war Wisent-Förster Rainer Glunz damit beschäftigt, Haar- und Kotproben im Gehege zu sammeln. Insgesamt 60 Kot- und zehn Haarproben hat Glunz für das Labor im hessischen Gelnhausen gesammelt. Dort läuft die Auswertung. Die Hardehausener Wisentherden sind für das Senckenberg-Institut besonders interessant, da beide Zuchtlinien (Unterarten) parallel gehalten werden und die Herden im Vergleich zu anderen Zoo- und Gehegehaltungen relativ groß sind.

„Da sie einst nahezu ausgerottet wurden, weisen Wisente eine sehr geringe genetische Vielfalt auf“, so Wehrenberg. „Mit den bisherigen Methoden konnte man einzelne Individuen kaum auseinanderhalten und auch keine Verwandtschaftsverhältnisse ermitteln. Für das neue Verfahren wurden gezielt Stellen im Genom der Wisente herausgesucht, an denen sich einzelne Individuen voneinander unterscheiden.“

Insgesamt 96 solcher Stellen im Genom, die Wissenschaftler SNPs („Single Nucleotide Polymorphisms“ oder „Einzelnukleotid-Polymorphismen“) nennen, werden zu einem sogenannten „SNP-Chip“ zusammengefasst. „Der SNP-Chip soll ein genetisches Populationsmonitoring für den Wisent in Forschung und im Artenschutz ermöglichen“, erklärte Wehrenberg. „Anhand von Losungsproben und anderen Umweltproben können dann nicht nur Individuen, sondern auch Verwandtschaftsgrade, Populationsstrukturen und die genetische Diversität in den Beständen bestimmt werden. Insbesondere für noch junge, ausgewilderte Populationen ist dieses Wissen von hoher Bedeutung.“

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