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Seit 30 Jahren in Brandenburg am Puls des Waldes

Seit 30 Jahren in Brandenburg am Puls des Waldes

Das internationale Programm zum Waldschadens-Monitoring durch Luftverunreinigungen begann 1986 noch mit Beteiligung der DDR und damit in den Wäldern Brandenburgs. Forst-Abteilungsleiter Eduard Krassa eröffnete am 7. Juli 2016 dazu die zweitägige Fachkonferenz „30 Jahre Forstliches Waldzustands-Monitoring in Brandenburg“, zu der 80 Forst-Experten aus dem gesamten Bundesgebiet nach Eberswalde gekommen waren.

Im Laufe von 30 Jahren hat sich das Waldmonitoring von einer „Inventur der Schäden“ zu einem stabilen Instrument am Wald-Ökosystem orientierter Umweltkontrolle entwickelt. Diese staatliche Pflichtaufgabe werde vom Landesbetrieb Forst Brandenburg durch das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE), dem Gastgeber der Tagung, vorbildlich wahrgenommen, so Eduard Krassa, Forst-Abteilungsleiter im Potsdamer Agrar- und Umweltministerium (MLUL). Diese Informationssammlung mit Systematik und Akribie verdiene großen Respekt, da man dadurch den Wald erst richtig kennenlerne. Dazu brauche man auch in Zukunft gut ausgebildetes, motiviertes und junges Personal.
Vielleicht trägt diese Erkenntnis ja zu einer Nachbesetzung freier und freiwerdender Stellen in der Forstlichen Umweltkontrolle bei, wie die Tagungsteilnehmer durch deutliche Zustimmung zum Ausdruck brachten.
Vom Waldsterben zum Forstlichen Umweltmonitoring
In seinem umfassenden Eröffnungs-Vortrag stimmte Dr. Marcus Lindner (Head oft he Climate Change Research Programme, EFI, Finnland) die Teilnehmer auf den Umgang mit den Unsicherheiten des Klimawandels ein und erläuterte die wissenschaftlichen Anstrengungen, dafür Daten und Erkenntnisgrundlagen zu schaffen.

Auf regionaler Ebene war das Jubiläum Anlass für eine Zwischenbilanz, die im Kreis der Fachwissenschaftler und Forstpraktiker vorgestellt und diskutiert wurde. Die 15 Vorträge spannten dabei einen Bogen von technisch-organisatorischen Fragen, über Luftverunreinigungen als Belastungsfaktoren sowie den Zusammenhängen von Bodenzustand und Baumernährung. Zudem ging es um Wasserhaushalt und Wachstumsreaktionen und der regionalen Anwendung der Ergebnisse für den Schutz und die Bewirtschaftung des Waldes sowie dem öffentlichen Umgang mit den Daten des Waldmonitorings.

Daten unter die Leute bringen

Alle Waldzustandsdaten auf einen Klick: Die Messdaten (z. B. Witterung und Klima, Fremdstoffbelastungen, Kronenzustand, Phänologie usw.) aller 41 Level-1-Flächen und der 7 Level-2-Flächen des Waldmonitorings in Brandenburg sowie aktuelle Erläuterungen stehen im für Brandenburg im Internet zur Verfügung unter:
www.forstliche-umweltkontrolle-bb.de
Damit sind alle gesetzlichen Vorgaben aus dem Umweltinformationsgesetz oder auch dem Presse-Erlass für die Landesregierung Brandenburg erfüllt, wie Jan Engel, Wissenschaftskommunikator am LFE, erläuterte. Man habe sich im Vorfeld intensiv mit diesen Vorgaben auseinandergesetzt und daraus diese Anwendung mit Unterstützung von EU-Mitteln aus dem Projekt Further Development and Implementation of an EU-level Forest Monitoring System (FutMon) umgesetzt. Es dürfe beim Umgang mit diesen Daten keine Mentalität eines  „Schweigen im Walde“ geben, denn sie erzeugen Betroffenheit und sind daher ein gutes Medium, die Leistungen von Forstwirtschaft und Forstwissenschaft generell zu transportieren.
Der notwendige Weitblick 
Die Exkursion in die Schorfheide führte nicht nur auf die Level-2-Dauerbeobachtungsflächen, sondern auch auf einen Stichprobenpunkt der Bundeswaldinventur, Forschungsflächen zur Widerbewaldung nach Nonnenfraß und einer Untersuchungsfläche zum Eichensterben. Hier zeigten sich die unterschiedlichen Auslöser, Ansprüche, Ansätze und Ebenen des Waldmonitorings und boten Gelegenheit zur intensiven Diskussion.
„Das Waldsterben war keine Übertreibung, um Forschungsgelder zu aquirieren“, so Prof. Andreas Bolte, Leiter des Thünen-Instituts für Waldökosysteme und somit oberster bundesdeutscher Datenhalter des Waldmonitorings. Wohin geht also der Weg? Am Anfang war das Waldsterben und es fehlte der Überblick, ist es jetzt der Klimawandel und der notwendige Weitblick?
Eine Veröffentlichung aller Beiträge ist geplant im Rahmen der Eberswalder Forstlichen Schriftenreihe.
 
Jan Engel, LFB/LFE

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