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DJV fordert naturverträgliche Windenergienutzung im Wald

SDW gegen pauschale Zulassung von Windkraftanlagen im Wald

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) kritisiert die Äußerungen der hessischen Landesregierung und anderer Naturschutzverbände nach dem Energiegipfel, es herrsche Konsens darüber, Windkraftanlagen im Wald zu errichten. Sie ist gegen eine pauschale Zustimmung für die bis zu 200 Meter hohen Windkraftanlagen. „Kein Standort ist wie der andere und somit sind auch die Umweltbedingungen überall unterschiedlich“, äußert sich der Landesgeschäftsführer der SDW Hessen, Christoph von Eisenhart Rothe. „Es ist etwas anderes, ob man eine Anlage im Wald errichtet oder auf freiem Feld. Im Wald leben eine Vielzahl betroffener Tierarten, die streng geschützt sind. Das sind beispielsweise die durch europäisches Naturschutzrecht geschützten Roten Milane, Schwarzstörche oder auch diverse Fledermausarten.“
Die SDW fordert bereits seit Jahrzehnten die Förderung und den Ausbau regenerativer Energien. Zum Thema Windkraft im Wald hat der Verband bereits im Jahr 2005 eine Position verabschiedet, die für Waldstandorte immer eine Einzelfallprüfung unter Berücksichtigung der Belange des Arten-, Natur- und Landschaftsschutzes vorsieht. „Diese Haltung war auch unter allen Naturschutzverbänden einvernehmlich“, so von Eisenhart Rothe. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum Nabu und BUND für wirtschaftlich genutzte Wälder plötzlich einen andere Weg einschlagen. Die nachhaltige Waldbewirtschaftung steht den Zielen des Naturschutzes nicht entgegen. Auch FFH-, Vogelschutz- und Naturschutzgebiete werden großteils forstwirtschaftlich genutzt“.
Nicht nur durch den Betrieb der Anlagen wird aus Sicht der SDW möglicher Wald und wertvoller Lebensraum bedroht. Problematisch ist oft der Bau der Anlagen und die Verlegung der Erdleitungen. „Hierfür wird mehr Wald gerodet, artenreiche Waldinnenränder werden vernichtet und geschlossene, gesunde Waldbestände angerissen. Die Folgen sind Windwürfe und damit weit größere Waldzerstörungen“.
Die SDW äußert zudem ihr Befremden darüber, dass sie als der Naturschutzverband, der sich vordringlich um den Naturschutz im Wald kümmert und hier in vielen Fällen bereits erfolgreich mit der Landesregierung zusammenarbeitete, nicht zu diesen waldspezifischen Fragen hinzugeladen wurde. Die Ergebnisse des Energiegipfels zum Thema Windkraft im Wald zeigen deutlich, dass der Sachverstand fehlte.
Position der SDW zur Windkraft in Hessen
Als Alternative zu den begrenzten fossilen und klimagefährdeten Energieträgern und zur abfallproblematisch ungeklärten Atomkraft stellen erneuerbare Energien zusammen mit Energieeinsparmaßnahmen einen wesentlichen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz dar. Die Windkraft nimmt inzwischen den größten Anteil bei den erneuerbaren Energien ein. Windenergieanlagen können aber zu empfindlichen Beeinträchtigungen des Naturhaushaltes, des Landschaftsbildes und der Lebensqualität sowie der Erholungsfunktion führen. Bei der Errichtung von Windkraftanlagen ist daher immer sorgfältig zu prüfen, wie derartige Beeinträchtigungen so weit wie möglich ausgeschlossen oder minimiert werden können.
Aus Sicht der SDW sind dabei folgende Kriterien zu prüfen (Stand 27.07.2005):
  • Windkraftanlagen im Wald bedürfen einer besonders kritischen Prüfung im Hinblick auf Flächenverbrauch, Ersatzaufforstungen, Waldstabilität, sensible Waldlebensgemeinschaften und Waldgesellschaften, Erholungswert, Natur-, Boden- und Kulturdenkmalen, regionaler Waldanteil sowie Erschließung.
  • Besondere Waldschutzgebiete nach dem Forstgesetz wie der Bann-, Schon-, Schutz- und Erholungswald, Naturwaldreservate, wertvolle Waldbiotope, Altholzinseln, Wald mit Bodenschutzfunktion mit kulturhistorisch wertvollen oder landschaftsprägenden Beständen sind für Windkraftnutzung auszuschließen.
  • In EU-Vogelschutz- und FFH-Gebieten (Natura 2000), Naturschutzgebieten, Nationalparken und Biosphärenreservate (Kernzone und Pflegezone A) ist der Bau von Windkraftanlagen generell auszuschließen. In den Naturparken ist durch fundierte Studien nachzuweisen, dass die gesetzlich vorrangigen Schutzgüter Landschaftsbild, Erholung und auch Arten- und Biotopvielfalt hierdurch nicht beeinträchtigt werden.
  • Auf den übrigen Flächen ist eine Einzelfallprüfung erforderlich, um eine Beeinträchtigung der Lebensqualität der Menschen (Erhalt des Landschaftsbildes, Störungen durch Geräusche und Schattenwurf) zu vermeiden. Die Position der örtlichen Bevölkerung zu den Windkraftstandorten ist zu berücksichtigen.
  • Besonders geschützte Tier- und Pflanzenarten, vor allem Zugvögel und Fledermäuse dürfen nicht beeinträchtigt werden. Auch bestehende Anlagen sind hierauf zu  überprüfen.
  • Jede Anlage ist auf ihre volkswirtschaftliche Rentabilität zu prüfen (Richtwert: Windhöffigkeit in der Regel größer 6 m/s). Das Nachrüsten (Repowering) bestehender wirtschaftlicher Standorte ist der Neuausweisung vorzuziehen. Unwirtschaftliche Anlagen sind abzubauen.
  • Die Bündelung von Windkraftanlagen ist aus landschaftsökologischer Sicht dem Bau von Einzelanlagen vorzuziehen.
  • Es ist bei jedem Vorhaben eine Machbarkeitsstudie auch über andere erneuerbare Energien anzufertigen.
SDW LV Hessen

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