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SDW zu NRW-Waldzustandsbericht 2011

Seit 1984 wird der Kronen- und Benadelungszustand unserer Hauptbaumarten jedes Jahr begutachtet und noch nie waren die Ergebnisse so schlecht wie in diesem Jahr. Dies dokumentiert der am 22. November in Düsseldorf vorgestellte Waldzustandsbericht 2011. Das „historisch“ schlechte Ergebnis wird nun zum Teil instrumentalisiert, um über die Medien allgemeine Klischees zu bedienen und Forderungen zu platzieren, die mit den festgestellten Waldschäden überhaupt nichts zu tun haben. Da wird der Privatwald kritisiert, der nur auf hohe Holzerträge aus ist, es werden mehr Wildnisgebiete gefordert und auch die FSC-Zertifizierung wird in diesem Zusammenhang propagiert. Aber egal ob Privat-, Kommunal- oder FSC-zertifizierter Staatswald, ob Nationalpark oder Naturwaldzelle – der schlechte Kronenzustand ist maßgeblich dem trockenen Frühjahr und der starken Fruktifikation v.a. bei der Buche geschuldet.
 
Gerade mal zwei Jahre ist es her, dass das Umweltministerium das beste Ergebnis seit 10 Jahren vorstellen konnte und auch damals mahnte die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), dass der ermittelte Gesundheitszustand nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, dass der Witterungsverlauf der maßgebliche Faktor für diese Momentaufnahme sei. Für die SDW ist die über Jahrzehnte erfolgte Akkumulierung von Schadstoffen im Boden eine maßgebliche Ursache der Waldschäden, zumal v.a. Stickstoffeinträge aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft  weiter zugenommen haben. Als einzig kurzfristige Maßnahme zur Stabilisierung und Vitalisierung der geschädigten Waldböden hilft nur die Bodenschutzkalkung und diese wird seit Jahren aus Kostengründen vernachlässigt.
 
Ein weiterer Faktor ist für die SDW der Klimawandel, der langfristig zu einer Zunahme von Hitze- und Trockenperioden sowie Sturmereignissen führt. Die immer kürzer werdenden Intervalle von Mastjahren können durchaus als Indiz für die Zunahme solcher Stress-Situationen gewertet werden. Aus Sicht der SDW muss daher mit Nachdruck das Ziel verfolgt werden, durch Begründung standortgerechter Mischwälder die Stabilität unserer Wälder zu erhöhen und damit auch das Risiko zu streuen.
 
Zur Versachlichung der Diskussion formuliert die SDW die Feststellungen des Waldzustandsbericht 2011 zu den Hauptbaumarten wie folgt:
 

  • Die Eiche ist die einzige Baumart, die sich in diesem Jahr etwas verbessert hat. Vorausgegangen war jedoch das Vorjahr mit ungünstigen Bedingungen und sehr schlechten Werten. Auch bei der Samenbildung war sie eine Ausnahme, da der Eichelanhang nur gering und lokal beobachtet werden konnte.
  • Bei der Buche haben die deutlichen Schäden stark zugenommen. Mehr als die Hälfte der Bäume befinden sich in dieser höchsten Schadstufe. Die Buche zeigt damit den schlechtesten Belaubungszustand seit Beginn der Untersuchungen im Jahre 1984. Als ausschlaggebender Faktor für den hohen Blattverlust muss aber neben der Trockenheit die starke Fruktifikation in der Buche angesehen werden. Bei ihr sind wieder Spitzenwerte erreicht worden. Eine so starke Eckernmast ist im Rahmen des Kronenmonitorings bisher nicht verzeichnet worden.
  • Bei der Fichte verschlechtert sich seit einigen Jahren der Benadelungszustand kontinuierlich. Diese Entwicklung hat sich auch 2011 fortgesetzt. Die deutlichen Schäden sind angestiegen, wohingegen der Anteil der gesunden Bäume abgenommen hat. Die Fichte hat in diesem Jahr stärker unter Trockenstress leiden müssen. Als flach wurzelnde Baumart reagierte sie besonders schnell auf Wassermangel, der sich zuerst in den oberen Bodenschichten bemerkbar gemacht hat.
  • Die Daten der Kiefer haben sich im Vergleich zum Vorjahr nur wenig verändert. Trotzdem hat sich eine leichte Verschlechterung des Kronenzustands eingestellt. Bei den deutlichen Schäden hat sie die niedrigsten Werte von allen Baumarten. Als trockenheitsverträgliche Baumart reagierte die Kiefer nur wenig auf den Niederschlagsmangel im Frühjahr.
 

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung

 
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