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SDW kritisiert Waldstilllegungen in Hessen

Das hessische Umweltministerium bereitet momentan die Stilllegung von weiteren 6.470 Hektar Wald vor, die im Rahmen der Zertifizierung des Hessischen Staatswaldes mit dem FSC-Siegel aus der Nutzung genommen werden sollen. Bereits 8 % des im Eigentum des Landes befindlichen Waldes sind in den letzten Jahren der nachhaltigen Waldpflege entzogen worden. Ende April will die Hessische Umweltministerin Priska Hinz verkünden, dass bis dahin insgesamt über 34.000 Hektar (10 %) des Hessischen Staatswaldes aus der Nutzung genommen wurden.

„Wir wollen einen Wald, der auch nachfolgenden Generationen nutzt“, kritisierte der Landesvorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) in Hessen, Bernhard Klug, das Vorhaben des Hessischen Umweltministeriums, weitere fast 6.500 Hektar Staatswald still zu legen und ergänzte: „Wald erfüllt eine Vielzahl von sogenannten Wohlfahrtsfunktionen, zum Beispiel für Erholung, Klimaschutz, nachhaltige Rohstoff-Bereitstellung und Naturschutz. Mit der Stilllegung von nachhaltig bewirtschafteten Wäldern wird lediglich eine Ideologie bedient, aber kein Beitrag zum Natur- und Artenschutz geleistet.“

Waldstilllegungen gefährden Klimaschutzziele

Die SDW kritisiert diesen „Stilllegungswahn“ und den Umstand, dass mit dem hessischen Umweltministerium keine sachliche Diskussion über dieses Vorhaben möglich sei. Aus Sicht des Verbandes gibt es nämlich zahlreiche Gründe, die für eine zurückhaltende Waldstillegung sprechen. „Es gab mehrere Termine mit Vertretern des Hessischen Umweltministeriums, doch immer unter der Vorgabe: Wir sprechen nur über das Wie, aber nicht über das Ob. Zudem werden Schreiben an die Staatskanzlei und das Hessische Umweltministerium einfach ignoriert und nicht beantwortet“, so SDW-Landesgeschäftsführer Christoph von Eisenhart Rothe.

„Es gibt eine Reihe von namhaften und international anerkannten Wissenschaftlern, die in zahlreichen Gutachten belegen, dass die Stilllegung von Wald sehr häufig keinen Zugewinn an Biodiversität bedeutet. Auch die negative Wirkung von Waldstillegungen auf die Ziele des Klimaschutzes ist berechnet. So hat der wissenschaftliche Beirat des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in seinem „Gutachten zu Klimaschutz in der Land- und Forstwirtschaft“ unmissverständlich klargestellt, dass Waldstilllegungen gegen die international formulierten Ziele des Klimaschutzes sprechen und eine nachhaltige Bewirtschaftung unserer europäischen Wälder ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz sein kann“, so von Eisenhart Rothe. Grund hierfür sei die Fähigkeit der Bäume, im Rahmen der Fotosynthese Kohlenstoffdioxid in Holz umzuwandeln. Dieses Holz sei der beste Kohlenstoffspeicher, wenn es nachhaltig genutzt und beispielsweise viele Jahrzehnte als Dachstuhl verbaut werde, so der Forstwissenschaftler von Eisenhart Rothe. Wenn bei uns Wald stillgelegt werde, sei die Folge, dass stattdessen mehr Holz aus weniger vertrauenswürdigen Ländern – also aus Ländern mit starker Korruption und hohem illegalen Raubbauanteil – importiert werden müsse. Von Eisenhart Rothe ergänzte: „Waldstilllegungen in reichen Industrieländern bedeuten daher oft in der Folge die Zerstörung von Urwäldern in armen Ländern, ob nun in Rumänien, Russland, Brasilien oder Indonesien.“

„Auch wir sehen, dass es Tier- und Pflanzenarten gibt, die absolute Ruhebereiche brauchen in denen der Mensch nicht agiert. Gleichzeitig haben wir aber eine globale Verantwortung, alles zu unternehmen, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Und nachhaltig genutzter Wald ist nun einmal der beste Beitrag, mit dem der Mensch die Möglichkeit hat das Klimagas Kohlenstoffdioxid wieder ‚einzufangen‘. Es nützt uns wenig auf den amerikanischen Präsidenten zu zeigen, der aus dem Klimaschutzabkommen von Paris ausgestiegen ist, wenn wir an dem Punkt selber die Glaubwürdigkeit verlieren“, ergänzte Klug. „Wir brauchen eine fachliche und somit glaubwürdige Diskussion, und die vermissen wir von Seiten des grün geführten Umweltministeriums. Eine reine Festsetzung von 10 Prozent ist fachlich nicht begründet und eine rein politisch-ideologische Zahl.“

SDW kritisiert Flächenauswahl

Aber auch die Auswahl der stillzulegenden Flächen ist aus Sicht der SDW ein Ärgernis. So liegt z. B. in der vorgesehenen Fläche an den Weserhängen im Reinhardswald ein Naturwaldreservat, das 1997 eingerichtet wurde. Naturwaldreservate sind Waldflächen, in denen die natürliche Waldentwicklung erforscht und mit genutztem Wald verglichen wird. Hier findet eine sehr wichtige Forschung statt, die uns zeigt wie sich Wald natürlich entwickelt. Es wäre fahrlässig Erkenntnisse dieses Monitorings aus ideologischen Gründen aufzugeben und das viele in die Datenerhebung und Forschung gesteckte Geld somit zu vernichten.

Ähnlich verhalte es sich mit dem Kammerforst zwischen Rüdesheim und Lorch. Hier wurden vom Umweltministerium die südlichen Flächen vorgeschlagen, während die nachweislich naturschutzfachlich deutlich höherwertigen Flächen im Norden liegen. „Irgendjemand mit Einfluss hatte wohl Interesse daran, dass die südlichen Flächen nicht mehr genutzt werden“, kommentierte Klug diesen Flächenvorschlag aus dem Umweltministerium. Alle örtlichen Umweltverbände im Rheingau bevorzugen auch eindeutig die nördlichen Flächen.

Viel zu oft werden diese Entscheidungen gegen die Menschen vor Ort in den ländlichen Regionen getroffen, die sowieso schon oft um ihre Existenz kämpfen müssen. So sind inzwischen fast alle Laubwälder um die Stadt Wanfried im Werra-Meißner-Kreis still gelegt. Das örtliche Sägewerk der Familie Ruhlandt hat ernsthafte Probleme, den Rohstoff Holz zu bekommen, ohne es von weither antransportieren lassen zu müssen. Seit Generationen wurde das Werk mit dem Holz aus den umliegenden Wäldern versorgt, nun stehe seine Existenz infrage.

Weitere Infos finden sich im Faktenpapier „Wald und Klimaschutz“ des SDW Hessen e. V.

Quelle: SDW Hessen e. V.

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