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SDW fordert Hilfe für Wald in Südhessen

Christoph von Eisenhart Rothe, Landesgeschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) in Hessen, kommentiert den am 2. Dezember von Umwelt-Staatssekretär Mark Weinmeister vorgestellten 30. hessischen Waldzustandsbericht: „Der Zustand ist und bleibt unbefriedigend, auch wenn wir seit zwei Jahren eine leichte Tendenz zur Besserung haben“, so von Eisenhart Rothe. „Alle Maßnahmen zur Verbesserung der Luft, vom Katalysator bis zur Rauchgasentschwefelung, und die Waldkalkung haben zwar verhindert, dass sich der Gesundheitszustand des Waldes weiter verschlechtert, aber davon, dass sich das Ökosystem Wald von dieser „Giftdusche“ erholt, sind wir möglicherweise noch Jahrzehnte entfernt“.

2013 zeigt sich der Wald nach dem langen Winter und einem sehr nassen Mai in seinem Zustand auf einem etwas verbesserten Niveau. Erstmals seit mehr als 20 Jahren liegt der Wert der mittleren Kronenverlichtung bei 20% und damit unter dem langjährigen Durchschnitt. „Wir führen das vor allem auf den feuchten Mai zurück. Der Niederschlag stand den Bäumen beim Austrieb zur Verfügung, was für große, gesunde Blätter sorgte“. Die SDW warnt aber davor, Entwarnung für den Wald zu geben. „Die Witterungsbedingungen waren einfach 2013 sehr gut für den Wald. Das kann 2014 schon wieder ganz anders aussehen. Es muss endlich etwas getan werden, um vor allem die Stickstoffverbindungen aus der Landwirtschaft und dem Auto- und Flugverkehr zu reduzieren.“

Weiterhin besonders hoch sind die Entlaubungsgrade bei den Bäumen im Rhein-Main-Gebiet. Vor allem die älteren Eichen liegen hier mit 36% Kronenverlichtung 14% über dem Landesdurchschnitt, was trotz leichter Verbesserung immer noch allarmierend ist. Dort wo der Niederschlag von Natur aus geringer und die Böden sandiger sind, hat der Wald wenig Potential diese Einwirkungen auszugleichen. Zudem sind hier die Luftschadstoffkonzentrationen und vor allem die für den Wald gefährlichen Stickstoffeinträge höher. Es besteht ein deutliches Gefälle zwischen dem übrigen Hessen und der Rhein-Main-Ebene, was sich seit drei Jahrzehnten beobachten lässt.

Die Ursachen sind vielfältig und haben mit der Wald-Zerschneidung durch Strassen und Bahntrassen, dem Absenken des Grundwasserspiegels, den Luftschadstoffen aus Auto- und Flugverkehr sowie Landwirtschaft zu tun. Auch der Maikäfer wird im Frühjahr 2014 wieder millionenfach ausschwärmen und die Bäume zwischen Frankfurt und der baden-württembergischer Landesgrenze befressen. „Die Problematik ist seit Jahren, ja seit Jahrzehnten bekannt, kritisiert von Eisenhart Rothe. „Es wird beraten und untersucht, ein Gutachten folgt dem Nächsten. Nun müssen endlich wirkungsvolle ganzheitliche Maßnahmen zur Rettung des südhessischen Waldes ergriffen werden“. Der Naturschutzverband beobachtet dieses Vorgehen nun seit vielen Jahren und auch die seit mehr als einem Jahr laufenden Verhandlungen am Runden Tisch für das Hessische Ried. „Die Trinkwasserindustrie, die mit dem Wasser aus dem Wald sehr gut verdient, ist der Verursacher des Problems. Sie profitieren von der guten Wasserqualität, die durch den „Wasserfilter“ Wald entsteht, sind aber nicht bereit zur Gesundung des Waldes beizutragen. Der Geldfluss der Erträge aus der jahrzehntelangen Wassergewinnung muss endlich umgekehrt werden und es muss in die Sanierung der Wälder und vor allem der Grundwasserstände investiert werden“, so der Landesgeschäftsführer.

1984 wurde ein Waldzustandsbericht erstmals (damals unter dem Namen Waldschadensbericht) veröffentlicht. Nach einem anfänglichen Anstieg der Waldschäden in den achtziger Jahren verblieb der Zustand der Kronenverlichtung in den letzten 20 Jahren auf einem Niveau von um die 25% (über alle Baumarten und Alter). Das heißt, dass seitdem die hessischen Waldbäume rund ein Viertel weniger Blattmasse haben als es normal wäre. Dieser Blattverlust heißt im Umkehrschluss, dass den Wäldern rund ein Viertel ihrer Vitalität fehlt, um sich gegen Umwelteinflüsse zu wehren.
 

SDW, LV Hessen

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