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Holzmarkt Ostschweiz AG zur Großsägerei in Domat Ems

Schweizer Waldwirtschaft braucht das Sägewerk in Domat/Ems

Im Sägewerk Domat/Ems sollte die Arbeit bald wieder aufgenommen werden, um die nach der Betriebseinstellung eingetretenen negativen Entwicklungen abzubremsen. Diese Auffassung vertritt die Graubünden Holz, ein Zusammenschluss aller am Bündner Holz interessierten Verbände, Unternehmungen, Institutionen und Persönlichkeiten.
Das Sägewerk in Domat/Ems muss im heutigen technischen Zustand eine Rundholz-Menge von etwa 350000 m³ im Jahr verarbeiten, um wirtschaftlich betrieben werden zu können. Die Waldeigentümer hoffen, dass bald ein Betreiber gefunden wird, der auch Investitionen zur Erschließung weiterer Absatzmärkte tätigt.

Schwierige Wiederansiedlung

Die hohen Anforderungen an einen neuen Betreiber dürfte wohl nur ein produktions- und marktmässig international tätiges Unternehmen der Holzbranche erfüllen. Das schränkt den Kreis potenzieller Käufer erheblich ein. Die Waldwirtschaft ist sich bewusst, dass ein Investor nur zu finden ist, wenn dieser aufgrund langfristiger Vereinbarungen mit erheblichen Rundholzlieferungen aus Graubünden und den umliegenden Kantonen fest rechnen kann. Unter dieser Voraussetzung werden die früheren Unsicherheiten bei der Rundholzbeschaffung so weit gemildert, dass die Gesamtrisiken eines Weiterbetriebs für ein schlagkräftiges Unternehmen der Branche kalkulierbar sind.

Eine aktuelle Umfrage des Waldwirtschaftsverbandes SELVA bei den Waldeigentümern zeigt eindeutig, dass diese für die Belieferung eines zukünftigen Betreibers des Sägewerkes mit Rundholz bereit sind. Andrea Florin, Präsident des Waldwirtschaftsverbandes SELVA, äußert sich dazu ganz klar: „Aus dem Bündner Wald können an das Sägewerk jährlich mindestens 150000 m³ sägefähiges Holz geliefert werden. Diese Liefermenge ist übrigens bereits beim Vorgängerwerk erreicht worden. Zudem kann aus der Ostschweiz, dem Fürstentum Liechtenstein und aus Vorarlberg mit weiteren erheblichen Rundholzlieferungen gerechnet werden – das zeigen unsere Kontakte mit den entsprechenden Waldwirtschaftsverbänden.“ Auf der Basis dieses großen Stocks an Lieferzusagen werde der neue Betreiber zusätzlich benötigte Mengen im Markt gut beschaffen können. Die auch im Bündner Großen Rat diskutierten langfristigen Vereinbarungen seien nun soweit vorzubereiten, dass sie bei Wiederinbetriebnahme des Werks sofort abgeschlossen werden könnten. Selbstverständlich müssten Abnahme- und Lieferverpflichtungen mit einem Preisbil-dungsmodell verknüpft sein. Allen Sägereien und Waldbesitzern sei der Anschluss an entsprechende Vertragswerke und Vorkehrungen zu gewährleisten. Die Förderung solcher Vereinbarungen müsse in die großen kantonalen Anstrengungen zur Walderhaltung und -nutzung eingebunden werden.

Schwere Verluste für Bündner Wald- und Holzwirtschaft

Seit der Schließung des Sägewerks (Ende 2010) dreht sich eine Spirale negativer Auswirkungen für die Waldwirtschaft im weitesten Sinne: der Erlös aus dem Rundholzverkauf ist nach der Betriebseinstellung des Werks in Domat/Ems je nach Sortiment in einer Größenordnung von 15 bis 30 % zurückgegangen. Grund dafür sind einerseits effektive Preiseinbussen von durchschnittlich 10 bis 20 Fr./m³ und anderseits neu anfallende Transportkosten von durchschnittlich 10 Fr./m³. Die nach Inbetriebnahme des Werkes in Domat/Ems kontinuierlich gestiegenen Preise fielen mit dem Konkurs innert kürzester Zeit wieder auf das unbefriedigende Niveau nach der Jahrhundertwende.
Neben den Werksmitarbeitern sind von den negativen Wirkungen der Werksschließung in erster Linie die Gemeinden betroffen. Sie stehen vor der Frage, inwieweit sie geplante Schläge durchführen und ob sie angesichts des Erlöszerfalls das Holz überhaupt auf den Markt bringen sollen.

Gemeindepräsident Hans Telli aus Trin: „Wir mussten zur Schutzwaldpflege und zur Beschäftigung unserer Forstgruppe unaufschiebbare Holzschläge durchführen. Die prächtigen, sägefähigen Stämme werden nun mit Lastwagen ins Ausland exportiert.“ Das sei nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch fragwürdig. Die letzten Schläge seien an drei verschiedene Abnehmer gegangen, und das zu stark gesunkenen Preisen.

Schwere Verluste erleiden auch die vielen Zulieferer der Forstwirtschaft, Forstunternehmer, Transporteure und Geschäftspartner des geschlossenen Werkes. Auch die Subventionsrechnung der Schutz-waldpflege des Kantons rechnet aufgrund der rückläufigen Holznutzung im laufenden Jahr mit einem Mehraufwand von 2,2 Mio. Fr. Offensichtlich ist die Holznutzungsmenge der letzten Jahre ohne einen Großabnehmer nicht zu halten. Bei Ausschöpfung des Hiebsatzes fallen in Graubünden Jahr für Jahr um die 350000 m³ Rundholz aller Sortimente an, die verwertet werden müssen. Nur so bleibt der Bündner Wald im Gleichgewicht! Zudem warten in unseren Wäldern derzeit gegen 100000 m³ Holz auf die baldige Nutzung. Wenn nicht schnell eine Nachfolgelösung für das Sägewerk in Domat/Ems gefunden wird, dürfte dieser Holzvorrat, zum Schaden unserer Schutzwälder, wieder anwachsen.

Die Bündner Wald- und Holzwirtschaft und deren Verbände werden darum alles in ihrer Macht stehende tun, um die Anlagen in Domat/Ems dauerhaft mit genügend Bündner Holz zu versorgen und damit eine Wiederinbetriebnahme zu fördern!
 

Graubündenholz

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