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Schweizer Waldeigentümer wollen Öko-Leistungen verkaufen

Schweizer Waldeigentümer wollen Öko-Leistungen verkaufen

Der Schweizer Wald wird von Gesetzes wegen nachhaltig und naturnah bewirtschaftet. Was das in der Praxis bedeutet, hat Waldwirtschaft Schweiz nun in einem Positionspapier dargelegt.
Sonderleistungen möchten die wirtschaftlich bedrängten Waldeigentümer künftig gegen Bezahlung anbieten. Ferner fordern sie eine Verbesserung der Erschließungen, um den Wald nachhaltiger und  effizienter nutzen und pflegen zu können.

Die Schweizer Wälder sind seit Jahrhunderten keine sich selbst überlassenen Urwälder, sie werden genutzt und gepflegt, sodass sie alle Funktionen jederzeit optimal erfüllen können. Die Waldgesetzgebung regelt den sorgfältigen Umgang mit dem Wald und ist weltweit eine der strengsten. Sie garantiert eine nachhaltige und naturnahe Waldbewirtschaftung. Was jedoch in der Praxis zu Tun und zu Lassen ist, das ist nicht im Detail geklärt und bleibt dem Ermessen von Förstern und Waldeigentümern überlassen. Und weil diesbezüglich die Vorstellungen von verschiedenen Nutznießern und Interessengruppen weit auseinandergehen, hat nun Waldwirtschaft Schweiz (WVS), der Dachverband der Waldeigentümer, erstmals konkrete Qualitätsstandards für die naturnahe Waldbewirtschaftung erarbeitet, welche er seinen Mitgliedern zur Umsetzung empfiehlt. 

Waldleistungen haben einen Preis
Die Empfehlungen halten zum Beispiel fest, dass zwischen den Rückegassen, auf denen das Holz zur Waldstraße bewegt wird, Abstände von mindestens 20 m eingehalten werden. Ein anderer Richtwert betrifft die Verjüngung des Waldes, sie soll zu mindestens 60 % durch von selbst aufkommende Naturverjüngung erfolgen und nicht mit Pflanzungen. Ferner sind die Waldeigentümer bereit, pro Hektar einen ökologisch wertvollen Biotopbaum und 10 m³ Totholz ungenutzt der natürlichen Dynamik zu überlassen.
Die vorgeschlagenen Standards erbringen die Waldeigentümer grundsätzlich freiwillig und unentgeltlich. In vielen Wäldern werden die Richtwerte bereits seit langem übertroffen und manche Forstbetriebe sind gerne bereit, zusätzliche Leistungen für den Lebensraum und die Biodiversität zu erbringen. Künftig wollen die Waldeigentümer jedoch zusätzliche Aufwände oder Nutzungseinbußen, welche die empfohlenen Standards übersteigen, nur noch gegen entsprechende Bezahlung erbringen.
Bundesrätin bricht eine Lanze für die Waldgesetzrevision
Die Argumente der Waldeigentümer zum naturnahen Waldbau wurde anlässlich der Delegiertenversammlung des WVS am 14. November in Bulle erstmals präsentiert.
Neben vielen Akteuren aus der Schweizerischen Wald- und Holzbranche war auch Bundesrätin Doris Leuthard an der Jahresversammlung des Waldwirtschaftsverbandes zu Gast. In ihrer Rede erläuterte die Vorsteherin des für den Wald zuständigen Bundesamtes für Umwelt, wie die Waldpolitik 2020 umgesetzt wird. Aktuell ist die Ergänzung des Waldgesetzes in Gang; es schafft neue Grundlagen für die Anpassung des Waldes an den Klimawandel, es will die Holznutzung stärken und die Verhütung und Behebung von Waldschäden durch eingeschleppte Organismen verbessern. Die Gesetzesvorlage wird voraussichtlich anfangs nächstes Jahr in den eidgenössischen Räten diskutiert.
Waldstraßen sind sanierungsbedürftig
An der Jahresversammlung nahm auch Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger teil. Als Schreiner bezieht er vornehmlich Holz aus dem Schweizer Wald. Er ermunterte die Eigentümer, aus ihrem Eigentum monetären Nutzen zu generieren und betonte: „Der gesündeste Wald ist ein genutzter Wald!“
Doch genau hier drückt der Schuh, wie Nationalrat Max Binder, Präsident von Waldwirtschaft Schweiz, erläuterte. Viele Wälder werden seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt, weil sie mit heutigen Erntemaschinen und Transportfahrzeugen nicht erreichbar sind und somit keine rentable Holzernte erfolgen kann. In der Folge überaltern diese Bestände und wertvolle Holzreserven vermodern. „Unser Waldstraßennetz stammt aus der Nachkriegszeit. Es muss dringend saniert und stellenweise ergänzt werden.“ Es braucht nicht viele neue Straßen, in Hanglagen ist oft eine Kombination mit Seilkrananlagen zweckmäßig, erklärte Max Binder. Ohne eine bessere Erschließung würden die wichtigsten Ziele der Waldpolitik 2020, eine bessere Nutzung des Ökorohstoffes Holz und eine Verjüngung des Waldes im Hinblick auf den Klimawandel, nie und nimmer erreicht.
Auch für Bundesrätin Leuthard ist der Handlungsbedarf unbestritten. Sie verwies jedoch auf das Prinzip des nationalen Finanzausgleichs, gemäss diesem sind Walderschließungen Sache der Kantone. Die Waldeigentümer hoffen nun auf den Erfolg eines schriftlichen Antrages im Parlament (Motion) von Nationalrat Erich von Siebenthal, welcher fordert, dass Walderschließungen künftig wieder vom Bund unterstützt werden. Die Motion kommt in Kürze in den Ständerat. Der Nationalrat hat den großen volkswirtschaftlichen Nutzen des Vorstoßes erkannt und deutlich zugestimmt.
Waldwirtschaft Schweiz (WVS) ist der Dachverband der Schweizer Waldwirtschaft. Er vertritt die Interessen der rund 3500 öffentlichen und 250.000 privaten Waldeigentümer. Dem WVS sind kantonale und regionale Wald-besitzerverbände, Kantone sowie einzelne Waldeigentümer als Mitglieder angeschlossen.
 
 

Zum Positionspapier von Waldwirtschaft Schweiz

 
Waldwirtschaft Schweiz

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