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Seilkraneinsatz: Mit der temporären Installation von Seilkränen wird das Holz boden- und waldschonend sowie ergonomisch vorteilhaft aus Hanglagen bis zur Waldstraße befördert. In milden Wintern mit weichen (nicht gefrorenen) Böden ist die Methode mitunter eine Alternative zum Forstmaschineneinsatz. Foto: Waldwirtschaft Schweiz

Schweizer Waldeigentümer fordern Unterstützung bei der Walderschließung

Große Schweizer Waldgebiete werden nicht mehr bewirtschaftet, weil Zufahrtswege saniert werden müssen oder fehlen. Wälder überaltern, ein großer Teil des wertvollen Rohstoffes Holz bleibt ungenutzt, viele wichtige Waldleistungen leiden. Jetzt fordern die Waldeigentümer in der Schweiz Unterstützung von Bund und Kantonen bei der Walderschließung.

In der Region Schwarzsee-Senseland (Fribourg) wurde bei einer Exkursion des Verbandes Waldwirtschaft Schweiz (WVS) gezeigt, wie die optimale Infrastruktur im Verbund mit Seilkränen aussieht.
Die Situation im Freiburgischen Sensebezirk ist typisch für weite Teile der Voralpen, Alpen und des Jura: steile Hänge, ein Mosaik von Landwirtschaft und Waldflächen, institutionelle und private Waldeigentümer. Seit vielen Jahren erfolgt hier außerhalb der Schutzwälder fast keine Waldpflege und Durchforstung mehr. Viele Bestände stehen viel zu dicht, sind überaltert und anfällig für Stürme, Borkenkäfer, Hitze und Trockenheit. Tausende Kubikmeter wertvolles Holz bleiben allein in dieser Gegend jährlich ungenutzt und würden früher oder später vor Ort verrotten. Der Grund: Wegen ungenügender Erschließung können diese Wälder nicht mehr bewirtschaftet werden. Die Zufahrten sind für modernes Gerät zu schmal dimensioniert und nicht mehr ausreichend belastbar. An eine kostendeckende Holzernte ist darum meist nicht mehr zu denken.
Koordiniert und unterstützt durch die lokalen Forstbehörden haben sich die Waldeigentümer dann zu einer Mehrzweckgenossenschaft zusammengeschlossen und die Waldstraße mit dem originellen Flurnamen „Augustinerli/Alemania“ saniert. Dabei ist ein Credo im Vordergrund gestanden: „So wenig wie möglich, so viel wie nötig“. Die sanierte „Basiserschließung“, die sich unauffällig ins Landschaftsbild einfügt, erlaubt nun den heute üblichen Einsatz von Seilkrananlagen, mit denen das Holz aus den Hängen entnommen werden kann. Lastwagen holen die Stämme ab und bringen sie ohne Umladen in die Sägereien. Seit der Sanierung werden nun die frisch erschlossenen Wälder durchforstet und fit gemacht. Bei der Verjüngung wird darauf geachtet, dass standortsgerechte Baumarten nachkommen, welche im befürchteten Klimawandel optimal bestehen können und zu stabilen Wäldern beitragen. Ein durchwegs positives Projekt, das Waldwirtschaft Schweiz zusammen mit Vertretern der lokalen und kantonalen Forstwirtschaft und Fachleuten den Medien vor Ort präsentiert hat.
Schweizweit ungenutzte Potenziale
Während die flachen Mittellandwälder in den Agglomerationsgebieten in der Regel ein relativ dichtes Straßennetz aufweisen, sind weite Teile der Voralpen, Alpen, des Jura und der Südalpen ungenügend erschlossen. Aber auch in vielen Gegenden des Mittellandes existieren etliche Waldwege, die sanierungsbedürftig sind. Die mittlere Erschließungsdichte ist in der Schweiz fast einen Drittel tiefer als im Nachbarland Österreich. Ein deutlicher Konkurrenznachteil für die Schweiz, da die Kollegen in Österreich unter anderem durch die bessere Erschließungslage deutlich tiefere Holztransport- und Holzerntekosten ausweisen können. Übrigens wird in Österreich, aber auch in Bayern oder Baden-Württemberg der Waldstraßenbau bis heute massiv öffentlich gefördert.
Die bestehenden Infrastrukturen sind sehr oft in den Nachkriegsjahren erstellt worden und genügen den heutigen Bedürfnissen längst nicht mehr. Zudem bestehen Lücken bei den Zufahrten (Stichstrecken) für den Einsatz von Seilkränen. Damit die für einen effizienten Holztransport üblichen 40-t-Lastwagen verkehren können, werden Waldstraßen benötigt, die ein Breitenprofil von mindestens 3 m bis maximal 3,3 m auf geraden Abschnitten, einen tragfähigen Ausbau und verbreiterte Kurven aufweisen. Wo die Infrastrukturen für eine kostendeckende Bewirtschaftung nicht ausreichen, lassen die Waldeigentümer die Bäume kurzerhand stehen. Mit negativen Auswirkungen für verschiedene Waldleistungen.
Die ungenutzten Holzreserven nehmen seit Jahren zu, wie auch der Waldbericht 2015 zeigt. Die Schweiz hat gegenwärtig die mit Abstand höchsten Holzvorräte in ganz Europa! Landesweit könnten jährlich nachhaltig 2 Mio. Kubikmeter Holz mehr genutzt werden, anstatt wie heute knapp 5 Mio. Kubikmeter gegen 7 Mio. Kubikmeter. Das wäre jedes Jahr ein zusätzlicher Kubikmeter für eine vierköpfige Familie! Mit dem laufenden Zerfall der Holzpreise infolge der schwierigen Währungssituation dürfte die Unternutzung noch zunehmen. Deshalb fordern nun die Vertreter der Waldeigentümer, aber auch der kantonalen Forstdienste, dass der Bund die Sanierung und den Ausbau von Walderschließungen künftig auch außerhalb der Schutzwälder wieder unterstützen kann.
Im Zuge eines Sparprogramms ist diese Möglichkeit 2003 aus dem Paket der Programmvereinbarungen Bund-Kantone im Rahmen des Nationalen Finanzausgleichs gekippt worden. Mit der laufenden Revision des Waldgesetzes besteht nun die Möglichkeit, diesen Entscheid rückgängig zu machen. Die Gesetzesvorlage wird nächstens im Nationalrat debattiert und die vorberatende Kommission beantragt, die Walderschließungen wieder flächendeckend ins Gesetz aufzunehmen, nachdem der Ständerat dies abgelehnt hat. Bis 2003 sind Walderschließungen im gesamten Wald, und in optimaler integraler Kombination mit der Land- und Alpwirtschaft, als bewährte Verbundaufgabe Bund-Kantone wahrgenommen worden. Die heutige Situation mit Unterscheidung von Schutz- und Nichtschutzwaldgebieten hat zu einem unbefriedigenden Flickenteppich geführt und ganzheitliche Lösungen massiv erschwert. Sie widerspricht auch den Zielsetzungen der „Waldpolitik 2020“ sowie der Ressourcen-, Energie- und Klimapolitik des Bundes, die nur im Verbund mit den Kantonen realisierbar sind.
Waldwirtschaft unter Druck
Nationalrat Max Binder, Präsident von Waldwirtschaft Schweiz, erläuterte die Argumente für die Forderung anläßlich einer Medienexkursion im Sensebezirk. Die aktuelle Wald-, Ressourcen- und Energiepolitik des Bundes bezwecke zu Recht eine bessere Ausschöpfung des heimischen Rohstoffs Holz. Ohne Fördermaßnahmen blieben diese Ziele des Bundes indessen Makulatur. Aufgrund der tiefen Holzpreise und der vielen unentgeltlich erbrachten Leistungen schreibt die Mehrheit der Forstbetriebe schon länger rote Zahlen; und mit der aktuellen Wechselkurskrise sind nun die Holzpreise je nach Sortiment nochmals um 10 bis zu 20 % gefallen. Damit die Waldwirtschaft überleben und die Holzernte einigermaßen aufrechterhalten werden kann, braucht es dringend bessere Rahmenbedingungen. Die Investition in die Sanierung der Walderschließung wäre dabei nach Ansicht von Binder eine besonders nachhaltige und langfristige Maßnahme, eine Hilfe zur Selbsthilfe, wie das Freiburger Beispiel zeigt. Der jährliche Finanzbedarf wird seitens Bund auf rund 8 Mio. CHF geschätzt. „Soviel müsste uns ein fitter und stabiler Schweizer Wald wert sein“, findet Max Binder.
Den Waldeigentümern geht es um einen maßvollen Ausbau mit Beschränkung auf das Allernötigste: In erster Priorität bestehende Erschließungen sanieren und ausbauen, und in zweiter Priorität – respektive bloß ausnahmsweise – punktuelle Lücken schließen; in aller Regel kurze Stichstrecken. Wenig Verständnis zeigte Binder für die Opposition der Umweltverbände: „Sie sind gegen AKW, Kohlestrom oder Gaskraftwerke, plädieren seit Jahrzehnten für dezentrale Bioproduktion von Rohstoffen und Energie, wehren sich aber à tout prix gegen jeden Meter neue Waldstraße, ja sogar gegen leichte Anpassungen bestehender Waldwege. Die Antwort, wie sie denn das Holz aus den Hängen bringen wollen, sind sie mir bisher schuldig geblieben.“
Das Waldgesetz mit verschiedenen Ergänzungen zu Gunsten der Waldwirtschaft und Anpassungen an den Klimawandel wird voraussichtlichen in der bevorstehenden Herbstsession im Nationalrat debattiert.
Seilkrantechnik – Holzernte mit Köpfchen
Der professionelle Holztransport mit der Seilkrantechnik reduziert die Schäden an den stehenbleibenden Bäumen und der Boden bleibt vor Verdichtungen verschont. Die Seilkrantechnik dürfte in Zukunft noch mehr eingesetzt werden, weil in den zunehmend milden Wintern die Böden vielerorts nicht mehr mit Holzrückemaschinen befahren werden können. Für den Seilkraneinsatz braucht es jedoch eine sogenannte Basiserschließung belastbarer Waldstraßen, um die Krantechnik hin zu bringen und das Holz abzutransportieren. Die heutigen Erschließungsnetze müssen manchenorts für eine optimale Kombination Waldstraße-Seilkran angepasst und ertüchtigt werden.
Waldwirtschaft Schweiz
Bütikofer Ansicht typische Waldstraße: 3 Seilkraneinsatz: Mit der temporären Installation von Seilkränen wird das Holz boden- und waldschonend sowie ergonomisch vorteilhaft aus Hanglagen bis zur Waldstraße befördert. In milden Wintern mit weichen (nicht gefrorenen) Böden ist die Methode mitunter eine Alternative zum Forstmaschineneinsatz. Foto: Waldwirtschaft Schweiz

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