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Schweizer Waldeigentümer diskutieren über Wald der Zukunft

Schweizer Waldeigentümer diskutieren über Wald der Zukunft

Anlässlich der Forstmesse Luzern führte der Waldeigentümerverband „Waldwirtschaft Schweiz“ (WVS) am 16. August den Fachkongress „Waldbild 2050“ durch. „Auf welche Bäume setzen wir heute für den Wald von morgen?“ lautete die zentrale Frage. 200 interessierte Fachleute aus der Forstbranche interessierten sich für dieses Thema.Die Fichte, Sorgenkind der FörsterNach dem heutigen Wissenstand dürfte der Klimawandel in der Schweiz markant ausfallen. Dies betonte Dr. Peter Brang von der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Je nach Szenario wird die Durchschnittstemperatur in den nächsten hundert Jahren um drei bis sechs Grad steigen. Die heutigen Waldgesellschaften verschieben sich nach Norden und in den Alpen steigen sie mehrere hundert Höhenmeter nach oben. Das heisst, im Mittelland der Schweiz könnten dann im Extremfall mediterrane Eichenwälder gedeihen. Die flachwurzelnde Fichte dürfte mit der erwarteten Sommertrockenheit Probleme kriegen und nur noch in den höheren Alpentälern gut gedeihen.
Aus Sicht der Waldwirtschaft ein Schreckensszenario, weil mit dem nachgefragten Fichtenholz heute mit Abstand die größten Erträge erwirtschaftet werden. Brang empfahl, die prognostizierten Arealverschiebungen zu antizipieren und neben der gängigen Naturverjüngung auch gezielt Bäume zu pflanzen. Versuche mit verschiedenen Exoten haben sich nicht bewährt. Einzig die heute schon erfolgreich wachsende Douglasie , die über hohe Wuchsleistung verfügt und gefragtes Holz liefert, könnte sich auf einigen Standorten bewähren. Allerdings ist noch nicht klar, aus welcher Herkunft die bestangepassten Typen kommen. Am besten wird eine gute Arten-Durchmischung angestrebt. Die WSL ist zurzeit daran, die Baumartenempfehlungen für alle Waldstandorte im Hinblick auf die erwarteten Klimaveränderungen anzupassen.Während Peter Brang die Fichte als „grosse Verliererin“ der Klimaerwärmung sieht, glaubt Dr. Jens Borchers fest an deren Zukunft. Der Referent leitet einen grossen privaten Forstbetrieb im Schwarzwald und setzt dort voll auf die Fichte, wo möglich in Kombination mit der Weißtanne und mit Laubholzbeimischung. Sein Credo: sorgfältige Jungwaldpflege, damit die Fichte jederzeit optimale Wuchsbedingungen vorfindet; ein wüchsiger Baum ist auch widerstandsfähig. Zudem empfiehlt Borchers, die Fichte bereits ab 60 Jahren zu schlagen, denn ältere Bäume mit mehr als 30 m Höhe zeigen sich in der Regel viel anfälliger auf Windwurf und Schädlingsbefall, und sind gegenüber Umweltveränderungen weniger anpassungsfähig. Kürzere Umtriebszeiten erlauben auch allgemein raschere Anpassungen im Waldbau. Auch Borchers strebt gut durchmischte und lichte Waldstrukturen an. Zudem kämpft er gegen zu hohe Wildtierbestände; eine Problematik die vielerorts unterschätzt würde.Experimentieren und DiversifizierenIn einem Punkt waren sich alle fünf Referenten einig: Die Waldeigentümer können es sich nicht leisten, einfach abzuwarten und auf die natürliche Dynamik zu hoffen. Sie sind gut beraten die Risiken zu verteilen, indem sie auf verschiedene Baumarten verschiedener Herkünfte setzen. „Die Waldwirtschaft wird auch in Zukunft mit Holz Geld verdienen müssen“ so Christoph Starck von der Lignum. Die Chancen hierzu stehen gut, aber welcher Holzrohstoff und welche Verwendungsform in fünfzig oder hundert Jahren gefragt sein werden, kann heute nicht vorausgesagt werden.

Bis auf Weiteres behält wohl das Nadelholz den Vorrang. Für Dr. Felix Lüscher von der Oberallmeindkorporation Schwyz ist es deshalb wichtig, dass die Waldeigentümer neben der Holzproduktion auch Ökosystemleistungen (Erholung, Biodiversität usw.) des Waldes vermarkten können. Diese sind nämlich nicht transportierbar und somit nicht von den Mechanismen von Import und Export abhängig. Ihre Vermarktung sei nicht „anrüchig“ sondern schlicht die Voraussetzung, dass die Forstbetriebe überleben und den Wald auch in Zukunft auf hohem Niveau pflegen können. Ins selbe Horn stiess auch Adrian Lukas Meier-Glaser, Kantonsoberförster Stv. des KantonsBern: Das Waldbild 2050 wird seiner Meinung nach vor allem durch die schwächelnde oder gestärkte Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Waldwirtschaft geprägt werden, mehr als durch das Klima. Im Sinne aller Referenten ermunterte er die Waldeigentümer, die Zukunftaktiv zu gestalten – im Wald selbst aber auch im Einsatz für bessere Rahmenbedingungen.Waldwirtschaft Schweiz WVSWaldwirtschaft Schweiz (WVS) ist der Dachverband der Schweizer Waldwirtschaft. Er vertritt die Interessen der rund 3.500 öffentlichen und 250.000 privaten Waldeigentümer. Der WVS setzt sich für Rahmenbedingungen ein, welche es den Schweizer Forstbetrieben erlauben, den Wald langfristig kostendeckend und nachhaltig zu bewirtschaften. Dem WVS sind kantonale und regionale Waldbesitzerverbände, Kantone sowie einzelne Waldeigentümer als Mitglieder angeschlossen.

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