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Schweizer Wald- und Holzbranche schlägt Alarm

Schweizer Wald- und Holzbranche schlägt Alarm

Der Fall der Franken/Euro-Untergrenze trifft die Schweizer Waldbesitzer und Hersteller von Holzprodukten mit voller Wucht. Eine Drosselung der Holznutzung führt unweigerlich zu einer Verschlechterung der Waldpflege.
Die Branche ergreift Selbsthilfemaßnahmen. Sie ist jedoch dringend auf bessere Rahmenbedingungen angewiesen.
Stabilität und Multifunktionalität des Schweizer Waldes gefährdet
Viele der rund 12.000 Stellen in der Waldwirtschaft und in der Rohholzverarbeitung sind seit dem Fall der Franken/Euro-Untergrenze Mitte Januar direkt gefährdet. Nicht nur die Ertragsverluste im Export sind kaum mehr zu verkraften. An die Wand drückt die Branche vor allem die Importkonkurrenz aus dem Euroraum: Gegen Bauprodukte, die im Vergleich zu 2009 bis zu 40 % billiger geworden sind, haben die Schweizer Anbieter, deren Kosten allesamt in Franken anfallen, keine Chance. Die Wald- und Holzwirtschaft ist standortgebunden und kann kaum von günstiger gewordenen Vorleistungen aus dem Euroraum profitieren. Es drohen deshalb Werksschließungen in der Holz verarbeitenden Industrie sowie ein Abbau bei den Forstbetrieben und Einschlagsunternehmern. Damit ist die Waldpflege in Frage gestellt.
Mittelfristig ist nicht nur die Stabilität und Multifunktionalität des Schweizer Waldes gefährdet, sondern auch dessen Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels. Die Risiken im überalterten Wald nehmen zu und betreffen alle.
Die Branche zieht alle verfügbaren Register der Selbsthilfe – von der bereits erfolgten Preissenkung beim Rohstoff um 10 bis 15 % über Flexibilisierungsmaßnahmen in den Betrieben bis zur Intensivierung des Marketings für ihr Produkt Schweizer Holz.
Forderungen an die Schweizer Politik
Unabdingbar ist jedoch, dass Politik und Verwaltung für Schweizer Wald und Holz umgehend die Rahmenbedingungen verbessern. Das machten Nationalrätin Sylvia Flückiger, Präsidentin des Holzbranchen-Dachverbandes Lignum, Nationalrat Max Binder als Präsident des Waldeigentümerverbandes Waldwirtschaft Schweiz sowie Gewerbeverbandspräsident und Nationalrat Jean-François Rime, Präsident von Holzindustrie Schweiz, anlässlich einer Medienveranstaltung der Branche beim Holzverarbeiter OLWO in Worb bei Bern klar. Die Situation dieses Betriebes zeigt die bedrohliche Lage der Gesamtbranche exemplarisch auf.
Parlamentarische Vorstöße bündeln die Forderungen von Waldwirtschaft und Rohholzverarbeitung an die Politik. Zentral sind Erleichterungen, die helfen, Aufwände zu reduzieren und Kosten zu senken. Konkret fordert die Branche:
• die Aufnahme der Unterstützung für die Walderschließung außerhalb des Schutzwaldes und von Seilkranbeiträgen generell als Bundes-Fördertatbestand sowie
• die Gewährung von Seilkranbeiträgen als Sofortmaßnahme im Rahmen der Jahresbudgets 2015 von Bund und Kantonen.
• Das zulässige Gesamtgewicht für Transporte soll von 40 auf 44 t angehoben werden,
• die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe für Rohholztransporte befristet entfallen.
Die Branche verlangt vom Bund in der aktuellen Situation zudem die Umlagerung bestehender forstlicher Fördermittel zugunsten der Bewirtschaftung, Anpassungsfähigkeit und Stabilität des Waldes, damit die Holzernte nicht gedrosselt wird.
Durch vorgezogene Investitionen entstehen wertvolle, mittelfristig kostenneutrale Synergien: Unabdingbare Waldpflege- und Erntearbeiten werden rechtzeitig sichergestellt. Das trägt entscheidend dazu bei, dass die Betriebe die aktuelle Wechselkurskrise überstehen.
Branchenmarketing enorm wichtig
In den derzeit laufenden Verhandlungen der Wald-Programmvereinbarungen zwischen Bund und Kantonen für die Periode 2016 bis 2019 sowie in den parlamentarischen Beratungen zur Ergänzung des Eidgenössischen Waldgesetzes erwartet die Branche klare Akzente mit rascher Wirkung zugunsten einer leistungsfähigen Schweizer Wald- und Holzwirtschaft.
Enorm wichtig ist schließlich die sofortige, unbürokratische Unterstützung zum Ausbau des bereits laufenden Branchenmarketings für den Rohstoff aus hiesigen Wäldern. Kernpunkt ist dabei die verstärkte Bekanntmachung des seit 2009 bestehenden „Herkunftszeichens Schweizer Holz“. Die Branche ruft Bund, Kantone und Gemeinden dazu auf, ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden und bei Bauvorhaben nicht nur auf Holz zu setzen, sondern sich dabei bewusst für Schweizer Holz zu entscheiden.
Die geforderten elf Maßnahmen sollen die betroffene Branche kurzfristig um rund 70 Mio. CHF entlasten. Die meisten Maßnahmen können durch Umlagerung von bestehenden Budgets von Bund und Kantonen finanziert werden. Die Branche selbst rechnet mit einem Ertragsausfall von rund 165 Mio. CHF.
Lignum, Waldwirtschaft Schweiz, Holzindustrie Schweiz

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