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Schweizer Holzmarkt im Zeichen von Käfer und Corona

Die Schweizer Holzmarktkommission (HMK) hat am 24. Juni in Bern getagt. Die HMK-Teilnehmer schätzen trotz Coronakrise die aktuelle Lage auf dem Holzmarkt als „noch relativ gut“ ein. Sie fürchten aber ein hohes Aufkommen an Käferholz im Juli und August sowie eine rückläufige Baukonjunktur ab Herbst.

Die Coronakrise habe sich bislang kaum auf die Bautätigkeit in der Schweiz ausgewirkt. Viele im vergangenen Jahr genehmigte Bauprojekte befinden sich derzeit in der Realisierungsphase. Damit sei insbesondere die Sägeindustrie bis jetzt weitgehend unbeschadet durch die Coronakrise gekommen. Die Auslastung der Betriebe liegt heute insgesamt wieder fast auf Vorjahresniveau, teilweise sogar darüber.

Westschweiz stärker von Corona betroffen

In den vergangenen Monaten war die Situation regional allerdings sehr unterschiedlich. Während sich in der Deutschschweiz die Coronakrise nur wenig auf die Produktion der Sägereien auswirkte, mussten in der Westschweiz und im Tessin einige Unternehmen Kurzarbeit anmelden. Zum einen waren diese Regionen besonders stark von der Pandemie betroffen, zum anderen kam der Export nach Italien und Frankreich fast zum Erliegen. Inzwischen arbeiten aber auch in diesen Regionen die Sägereien wieder im Normalbetrieb.

Restholzmarkt schwach

Schwierigkeiten bereiten der Sägeindustrie vor allem der starke Franken sowie fehlende Absatzmöglichkeiten für Sägerestholz. Die Swiss Krono Group, die wichtigste Restholzabnehmerin der Schweiz, verzeichnet derzeit Absatzeinbußen bei einigen ihrer Produkte, was sich negativ auf den Verbrauch an Restholz auswirkt. Das Unternehmen reagiert darauf, indem es die jährliche Revision seiner Produktionsanlagen einige Wochen früher als gewöhnlich durchführt. Auch die Papierindustrie muss aufgrund von Absatzproblemen die Annahme von Sägerestholz reduzieren.

Weiteres Käferholz befürchtet

Die Vertreter der Sägeindustrie meldeten normale bis hohe Lagerbestände beim Schnittholz. Aufgrund der großen Käferschäden im Frühjahr seien die Rundholzlager aber übervoll. Angesichts der aktuell milden und relativ trockenen Witterung rechnet die Waldwirtschaft für die kommenden Wochen mit weiteren Käferholzmengen, welche die holzverarbeitenden Betriebe kaum aufnehmen können. Sofern der Schnittholzabsatz weiterhin auf aktuellem Niveau läuft, kann und muss sich die eine oder andere Sägerei mit Käferholz eindecken; dafür sprechen auch Meldungen aus Frankreich, Österreich und Deutschland.

Auslandsmärkte uneinheitlich

In Frankreich ist nach Aussagen dort ansässiger Holzverarbeiter die befürchtete Rohholzschwemme bislang ausgeblieben und die Tiroler Sägereien nehmen wieder Holz aus der Schweiz auf. In Deutschland werden die anfallenden Rohholzmengen ebenfalls aufgearbeitet. Kommt es aber im Juli abermals zu starkem Käferbefall, können die Abnahmekapazitäten der Holzindustrie rasch ausgeschöpft sein.

Unsichere Wirtschaftslage

Zusätzlich zu einem hohen Käferholzaufkommen befürchten die Teilnehmer der HMK eine rückläufige Baukonjunktur als Folge der Coronakrise und damit einen Rückgang des Holzabsatzes. Wegen der unsicheren allgemeinen Wirtschaftslage empfiehlt die HMK Waldbesitzern, sich vor Holzeinschlägen über mögliche Absatzkanäle zu informieren und Rohholz bedarfsgerecht und nur nach verbindlicher Abnahmezusage aufzuarbeiten. Für den Fall eines Überangebots an Käferholz empfiehlt die HMK, vom Borkenkäfer befallene Stämme entrindet im Wald liegen zu lassen.

Lagerflächen ausweiten

Die Mitglieder der HMK tauschten sich über Maßnahmen aus, der aktuellen Krisensituation zu begegnen. Sowohl die Waldvertreter wie auch die Industrieseite sehen grundsätzlichen Bedarf an zusätzlichen Lagermöglichkeiten in den vom Borkenkäfer besonders betroffenen Regionen. Die Branche wie auch der Bund und die Kantone sind aufgefordert, rasch nach Lösungen zu suchen und die Risiken gemeinsam zu tragen.

HMK/Red.

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