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Schweizer Holzbranche verunsichert

Das überraschende Ende der Bindung des Schweizer Franken an den Euro (15.1.2015) verunsichert die Schweizer Holzbranche. Am 23. Januar 10 Uhr war ein Euro nur mehr 98 Rappen wert. Die Außenhandelsmengen kamen zu einem Notstopp. Holzexporteure geben nun hastig neue Preislisten heraus, um die Frankenpreise an das neue Währungsgleichgewicht anzupassen. Bis dies so weit ist, werden praktisch keine Bestellungen getätigt. Mehrere Leimholzhersteller aus Süddeutschland und Österreich berichteten von 5 bis 15 % Umsatzrückgang aufgrund der Verunsicherung.
Die Auswirkungen auf die Schweizer Realwirtschaft sind kaum abzuschätzen. Zwar rechnen einige Marktteilnehmer mit einer regen Bautätigkeit in der Schweiz, da parallel zur Wechselkursfreigabe der Zinssatz gesenkt wurde. Aufgrund der hohen Konkurrenzsituation seien in der Schweiz aber kaum Mehrerlöse zu erzielen. Etwaige Mehrmengen werden kaum für eine Entlastung sorgen. Die Eidgenossenschaft hat beim BSH-Verbrauch in den klassischen mitteleuropäischen Verbraucherländern (AT, DE, IT, CH) mit rund 100.000 m³/Jahr einen Anteil von nur 6 %.
Vereinzelt berichten auch ausländische Maschinenbauer von abgesagten Investitionen in der Schweiz. Obwohl die Anschaffung auf einen Schlag um knapp 20 % günstiger ist, werden die Projekte aufgrund der Unsicherheit angehalten. Beispiele dafür gibt es etwa in der Holz- oder Bauindustrie.
Am meisten haben exportorientierten Schweizer Unternehmen zu kämpfen. Der Holzverarbeiter Olwo, Worb, hat laut einem Bericht der Berner Zeitung die „Notbremse“ gezogen. Schnittholzlieferungen nach Italien und Frankreich wurden gestoppt oder auf Kontaktmengen reduziert. Dabei geht es um rund ein Drittel des Absatzvolumens. Gebannt beobachtet die ganze Branche, wo sich der Wechselkurs einpendeln wird. Sollte der Euro wieder rund 1,1 CHF wert sein, habe die Holzindustrie die Chance, wieder ein Gleichgewicht zu finden, wird Olwo-Geschäftsführer Markus Lädrach zitiert.
Die marktbeeinflussende Schweizer Holzmarktkommission hat auf die Situation reagiert. Am 22. Januar wurde die Preisempfehlung für Nadelrundholz um 10 % gesenkt. Buche soll um 10 bis 20 % günstiger werden. Das gilt aber nur für Mengen, die neu auf den Markt kommen, und ist auf zwei Monate begrenzt. Diese Maßnahme könnte die Ertragssituation der Schweizer Holzverarbeiter verbessern, birgt aber eine weitere Gefahr. Bei allzu tiefen Holzpreisen würden die Waldbesitzer aufhören zu ernten, skizzierte Lädrach gegenüber der Berner Zeitung.
timber-online.net

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