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Schweizer Forstunternehmerverband: Mehr private Initiative im Wald nötig

Am 29. April fand in Basel die Mitgliederversammlung des Forstunternehmerverbandes Schweiz statt.

Wie Verbandspräsident Pius Wiss aufzeigte, bleibt die Auftragslage der Forstunternehmer angespannt. Nicht nur wegen dem gedämpften Holzmarkt infolge Euro-Schwäche, sondern auch, weil das Unternehmertum im Wald zu oft an Grenzen stößt. Mit einer stärkeren Orientierung am erntekostenfreien Erlös ergäbe sich mehr Spielraum für die privaten Holzernte- und Waldpflege-Spezialisten. Wiss forderte mehr unternehmerisches Agieren in der Waldwirtschaft, und er wies darauf hin, dass das Liebäugeln mit Beiträgen für Nutzungsverzichte von der Politik immer weniger verstanden werde, weil Holz eine wichtige Ressource für das Erreichen klimapolitischer Ziele sei.
Basel als Tagungsort wurde wegen dem Rheinhafen als Logistik-Drehscheibe gewählt. Auch Forstunternehmer verladen Buchen-Rundholz in Basel, lieber aber beliefern sie die Schweizer Säge-, Papier- und Plattenwerke mit den passenden Sortimenten – plus Holzfeuerungen aller Größe. Dabei geht es nicht nur um Holzarten und -qualitäten, sondern auch um die Holzernte, und wer diese wie ausführt.
Vorteile mit Unternehmereinsatz
Prof. Dr. Bernhard Pauli (HAFL Zollikofen) zeigte auf, wie sich die Holzerntekosten im mitteleuropäischen Vergleich darstellen und welche Potenziale unausgeschöpft bleiben, wenn Waldbesitzer nicht das den jeweiligen Gegebenheiten angepasste Ernteverfahren (Best-Verfahren) wählen, sondern zu einseitig auf eigene Maschinen und Leute setzen. Moderne Forstbetriebe orientieren sich stärker an den optimalen Verfahren und machen deshalb nicht die ganze Holzernte selber, sondern setzen in einem beträchtlichen Umfang spezialisierte Unternehmer ein.
Unternehmerische Organisationsformen
Über 1.000 öffentliche und private Waldbesitzer organisieren, parzellenübergreifende Holzschläge durchführen, über 40.000 m³ Holz ernten und schwarze Zahlen schreiben – geht das? Ja. Markus Moser, Geschäftsführer der Frienisberger Holz AG, zeigte wie das funktioniert. Und eine Aargauer Gemeinde braucht keine eigene Infrastruktur mehr, weil sie über die Bewirtschaftung der Ortsbürgerwälder und die Betreuung des Privatwaldes einen Bewirtschaftungsvertrag mit der Forstunternehmung Wiss AG abgeschlossen hat. Südöstlich von Winterthur managt der Forstunternehmer Bruno Ackermann die Bewirtschaftung von 615 ha Privatwald, 22 ha kantonaler Naturschutz-Wald und 13 ha öffentlichem Wald – alles kleinparzelliert. Ausgehend von einem passenden möglichen Eingriff versucht er die benachbarten Parzellen zu akquirieren, damit ein sinnvoller Holzschlag mit der richtigen Technik und kostengünstig ausgeführt werden kann. Drei Beispiele die seit Jahren funktionieren und viel Schule machen sollen.
Ein bedeutender Präsident tritt ab
Die Versammlung wählte Pius Wiss zum Ehrenpräsidenten. Mit ihm tritt eine herausragende Persönlichkeit ab, die sehr viel für die Branche geleistet hat.
Gestartet direkt nach dem Orkan Lothar, geprüft mit Käferjahren, zig Initiativen zur „Verbesserung“ des Waldzustandes und wechselnden Winden in der Berufsbildung und Arbeitssicherheit, wahrte Pius Wiss in 16 Präsidialjahren immer die Übersicht und platzierte die Forstunternehmer-Positionen in so manchen Gremien und Projekten – immer mit viel Wirkung.
Sein Nachfolger heißt Christian Gränicher. Der 36-jährige Familienvater führt eine Forstunternehmung im bernischen Oberwil bei Büren und war bereits in der Berufsbildung stark engagiert. In den kommenden Wochen und Monaten wird er sich bei wichtigen Partnern vorstellen. Zu den neuen Vorstandskollegen gehört auch Remo Abächerli (Giswil/OW).  
Holzindustrie Schweiz

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