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Schweiz: Rohholzverarbeiter unter Druck

Von der Aufwertung des Schweizer Franken sind hauptsächlich jene Firmen betroffen, die direkt Roh- und Restholz in der Schweiz einkaufen und verarbeiten: Ihre Produkte sind durch die Frankenaufwertung um 20 bis 30 % verteuert worden. Die Rohholzverarbeiter sind sowohl mit ihren Exporten, als auch mit dem Binnenabsatz betroffen, weil ihre Produkte problemlos international gehandelt werden.

Die Waldbesitzer spüren den Preisdruck der Rohholzverarbeiter und haben auch keine Entlastungsmöglichkeiten.

Dagegen profitieren die zweite Verarbeitungsstufe (in erster Linie Holzbau) und der Handel von den günstigen Importen. Beispiel: Im ersten Halbjahr 2011 wurden aus Deutschland 65000 m³ Brettschichtholz eingeführt – das sind 69 % mehr als ein Jahr zuvor.

Bei einem Wechselkurs von 1,40 CHF je EUR sind die Rohholzverarbeiter wettbewerbsfähig, und in der Lage, Nachteile des teuren Produktionsstandortes Schweiz auszugleichen. Beim gegenwärtigen Wechselkurs ist der Produktionsstandort Schweiz jedoch in Gefahr. Wenn die Holznachfrage sinkt, hat das Auswirkungen auf die Waldpflege und auf das dezentrale Angebot von Arbeits- und Ausbildungsplätzen. In einer Branche, die mit ihren Produkten maßgebliche Beiträge zur Erreichung der Klimaziele leisten soll.

Wünsche – erreicht ist noch gar nichts …

Die sonst streng marktwirtschaftlich orientierten Rohholzverarbeiter sind aktuell gezwungen, staatliche Interventionen zu wünschen, wie:
•  10 CHF pro Kubikmeter vom Bund an den Waldbesitzer, der CH-Werke beliefert. Die Waldbesitzer stehen unter Druck der Holzverarbeiter, sollen aber trotz sinkenden Preisen die Waldpflege nicht drosseln und die Verarbeiter weiter versorgen.
•  Senkung der Lohnnebenkosten zu Gunsten aller Rohholz verarbeitenden Betriebe, unabhängig von deren Exportanteil.
•  Steuerliche Entlastung bei den Transportkosten.
•  Öffentliche Bauherren sollen ausschließlich Schweizer Holz verwenden.

Der Bund soll den Buy Swiss Timber-Gedanken stärken und Anreize für die Verwendung von Holz und Holzprodukten (z.B. auch Pellets) aus der Schweiz setzen.

Das sind Wünsche – erreicht ist noch gar nichts. Der Verband Holzindustrie Schweiz versucht zunächst, die wichtigen Stellen zu sensibilisieren. Neben Exportindustrie und Tourismus werden die Verarbeiter von Schweizer Naturprodukten von den Medien noch nicht als Betroffene wahrgenommen. Aber die Branche ist fundamental herausgefordert. Es geht um den Fortbestand wesentlicher Teile der Rohholzverarbeitung in der Schweiz überhaupt.

Holzindustrie Schweiz

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