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Schweiz: Mitgliederversammlung des Forstunternehmerverbandes

Schweiz: Mitgliederversammlung des Forstunternehmerverbandes

Bergün in der Schweiz – immerhin kein Versammlungsverbot … Das Fotografie-Verbot der Gemeinde Bergün machte letzte Woche so große Schlagzeilen, dass die Mitgliederversammlung der Schweizer Forstunternehmer auch nicht ganz daran vorbeikam – zumal Gemeindepräsident Peter Nicolay zu den Sprechern zählte …

Forstunternehmer-Präsident Christian Gränicher stellte seine erste Versammlung ganz ins Zeichen der Arbeitssicherheit: Die Forstarbeit ist bezüglich Invalidität 3-mal gefährlicher als der Durchschnitt der SUVA-Branchen (SUVA – Schweizerische Kranken- und Unfallversicherungsanstalt), bezüglich Todesfälle gar 20-mal. Die Arbeitssicherheit hat deshalb vom ersten Tag der Ausbildung an einen sehr hohen Stellenwert. ; ; Vorbild Bauwirtschaft? ; SUVA-Bereichsleiter Philipp Ritter zeigte auf, dass es unter den SUVA-Versicherten, also den Profis, allein mindestens 2 Todesfälle pro Jahr gibt. Er ist froh, wenn die Forstunternehmer sich dem Thema noch stärker annehmen. Remo Abächerli wies auf eine spezifische Arbeitsgruppe hin, und verschiedene Maschinenhersteller sind zum Stand des Verbandes ForstUnternehmer Schweiz (FUS) an der Forstmesse eingeladen, um in Kurzreferaten auf ihre spezifischen Beiträge zur Verbesserung der Arbeitssicherheit hinzuweisen. ; In der lebhaft genutzten Diskussion wurde die interessante Frage aufgeworfen, warum sich die früher unfallreiche Bauwirtschaft bezüglich Sicherheit positiver entwickelt hat als die Forstwirtschaft. Die Unfallgefahr ist mit der mechanisierten Holzernte klar geringer, aber der grosse Starkholz-Überhang hält den Anteil der motormanuellen Fällung weiter hoch. Wichtig ist auch, dass die Waldbesitzer in der Arbeitsvergabe die Arbeitssicherheit hoch gewichten. ; Nutzungssteigerung mit mehr Maschinen und besserer Ausbildung ; Gastreferent Peter Konrad, Bundessprecher der österreichischen Forstunternehmer, schilderte den Werdegang des neu geschaffenen Berufs Forsttechniker/in. Nach drei Jahren sollen die jungen Männer und Frauen befähigt sein, Spezialmaschinen zur Verbesserung des Waldes (nicht „Waldvernichtungsmaschinen“) gezielt einzusetzen. Der optimale Maschineneinsatz ist dringend nötig, weil in Österreich die Gesamtnutzung von 17 auf 21 Mio. Fm pro Jahr gesteigert werden soll, Unternehmeranteil etwa 60 %. Heute werden, so Peter Konrad, 3 bis 3,5 Mio. Fm mit Harvestern geerntet, 6 bis 7 Mio. Fm mit dem Seilkran und die restlichen etwa 7 Mio. Fm mit Bodenzug, Schlepper, Traktor. ; Gleich lange Spieße ; Im internen Versammlungsteil führte Christian Gränicher wie ein Routinier durch die Standard-Geschäfte (Rechnung, Jahresbericht, Planung und Budget 2017), dann war die Bühne frei für das Thema Gesamtarbeitsvertrag Forst. Die VSF-Exponenten Peter Piller und Ralph Malzach stellten das Projekt vor und die FUS-Mitglieder nutzten die Gelegenheit für Fragen rege. Die Aussicht darauf, dass für alle Forstdienstleister, die in der Schweiz außerhalb des eigenen Waldes arbeiten, gleiche Arbeitsbedingungen vorgeschrieben (allgemeinverbindlich) sind, ist für die Forstunternehmer sehr wichtig. Auch wenn der Weg dahin zäh sein wird, haben die Mitglieder dem Projekteinstieg zugestimmt. ; Die bestehenden FUS/VSF-Empfehlungen können mit geringem Aufwand zu einem GAV ausgebaut werden. Schwieriger wird es sein, den Organisationsgrad der Arbeitgeber und -nehmer auf die geforderten Prozentsätze zu verbessern. Und eine forstliche Besonderheit ist es, dass der VSF zwar die Arbeitnehmervertretung ist, die Forstunternehmer jedoch den Förster oft als Auftraggeber erleben. Der handelt dann im Sinne des Waldbesitzers, dessen Organisation WaldSchweiz unbedingt auch an den Verhandlungstisch gehört. ; Ernten + Sägen + Mond- + Klangholz = Florinett ; Andrea Florinett aus Bergün, Vorstandsmitglied ForstUnternehmer Schweiz, organisierte im Anschluss an die Versammlung unter anderem die Besichtigung der eigenen Holzverarbeitung. ; Die Brüder Rico und Andrea Florinett betreiben nicht nur ein Forstunternehmen mit über 30.000 Fm Jahresmenge, sondern sie verarbeiten auch etwa 3.000 Fm ausgesuchte Qualitäten im eigenen Sägewerk in Bergün. Und die allerbeste Qualität aus diesen ersten beiden Schritten wird im benachbarten Latsch zu Klangholz aufgearbeitet: aufgetrennt, sortiert, getrocknet, gelagert und schließlich zu über 90 % an Geigen- und Gitarrenbauern auf der ganzen Welt exportiert. Diese einmalige Wertschöpfungskette, die außergewöhnlichen Holzkenntnisse und das große Klangholz-Knowhow haben die Besucher sehr beeindruckt.

ForstUnternehmer Schweiz

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