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Schweiz: In vielen Wäldern herrscht Ausnahmezustand

WaldSchweiz – Verband der Schweizer Waldeigentümer – zur schwierigen Lage der Waldbesitzer, ihren Wald gesund und fit zu erhalten. WaldSchweiz erwartet in der aktuellen Situation Unterstützung für die Forstleute und Verständnis für deren Maßnahmen im Wald.

Der Schweizer Wald bedeckt rund einen Drittel des Landes. Er gehört zu einem guten Drittel den Gemeinden respektive der öffentlichen Hand, zu einem Drittel ist er im Besitz von Bürgergemeinden und Korporationen, ein knappes Drittel gehört über 240.000 Privatpersonen. Organisiert sind die Waldeigentümer im Verband WaldSchweiz. Der nationale Dachverband hielt am 28. Juni in der Bündner Herrschaft seine jährliche Delegiertenversammlung ab.

Der Wald ist Retter und Opfer zugleich

Die Zusammenhänge von Wald und Klima gaben unter den 120 Teilnehmenden doppelt zu reden, nicht nur wegen der aktuellen Hitze. Zurzeit wird vor allem die unmittelbare Wirkung des Waldes auf die Umgebung geschätzt: Das Blätterdach spendet Schatten und die Bäume kühlen die Luft – ein jeder verdunstet an manchen Tagen mehrere hundert Liter Wasser. Gleichzeitig entziehen in der Schweiz rund 500 Millionen Bäume der Luft tonnenweise Treibhausgase. Im Holz bleibt das Kohlendioxid langfristig gebunden, wird das Holz genutzt, reduziert dies auch die Neufreisetzung von CO₂ aus fossilen Quellen. Auf diese Klimaleistungen des Waldes sind die Eigentümer stolz und sie sind bestrebt, die positiven Effekte durch eine gezielte Bewirtschaftung noch zu optimieren.

In letzter Zeit setzte der Klimawandel dem Wald aber massiv zu und er bereitet der Forstwirtschaft erhebliche Schwierigkeiten. Infolge der Winterstürme und der Sommerhitze sind im vergangenen Jahr Hunderttausende Bäume abgestorben. Zurzeit sind die Sägereien mit Holz überversorgt, und in den nächsten Wochen dürften durch das Wirken der Borkenkäfer und durch weitere Trockenheitsschäden zusätzlich grosse Mengen Schadholz anfallen, wie an der Delegiertenversammlung zu erfahren war. Die Forstleute haben alle Hände voll zu tun.

„In vielen Wäldern herrscht der Ausnahmezustand. Wir sind daher auf das Verständnis der Bevölkerung angewiesen, wenn vorübergehend Wege gesperrt werden müssen oder dürre Bäume länger stehen bleiben“, sagte der Appenzeller Ständerat Daniel Fässler, der den Waldeigentümerverband präsidiert. Bei der Bewältigung der schwierigen Lage erwarte man von Bund und Kantonen rasch konkrete Hilfe, sei es durch flexible Bewilligungsverfahren oder in Form von finanzieller Unterstützung dringender Forstschutz-und Pflegemassnahmen. „Die wirksame Eindämmung einer explosionsartigen Käfervermehrung steht und fällt mit intensiver, flächendeckender Waldbeobachtung und raschem, konsequentem Eingriff bei entdeckten Befallsherden. Es entstehen Kosten, welche die Waldbesitzer mit dem Holzertrag schlicht nicht zu decken vermögen“, unterstrich Fässler. Die Waldeigentümer setzen alles daran, den Wald fit zu erhalten, damit er seine vielfältigen Funktionen auch in Zukunft erfüllen kann.

Verbandspolitische Weichenstellungen

Als wichtiges Geschäft wurde an der Jahresversammlung die Reform der Mitgliederbeiträge beschlossen. Der Dachverband, seine Kantonalverbände und etliche Gemeinschaftswerke und -projekte werden über eine fixe Abgabe auf dem geernteten Holz finanziert. Bisher wurde diese lediglich auf das Sägerundholz erhoben, zu einem Franken pro Kubikmeter. Neu gilt ein tieferer Abgabesatz von fünfzig Rappen auf alle geernteten Holzsortimente, inklusive Energie- und Industrieholz. Der Verband erhofft sich, so die Einnahmen stabilisieren zu können, da immer weniger Sägerundholz, dafür mehr Energieholz geerntet wird.

Weiter wurde über die Bestrebungen diskutiert, für die Branche einen gesamtschweizerischen Gesamtarbeitsvertrag Forst zu schaffen. Mit einer Statutenanpassung schufen die Delegierten die Voraussetzung, damit sich WaldSchweiz an allfälligen Verhandlungen als tariffähiger Arbeitgeberverband beteiligen kann. Ob das Projekt zustande kommt, ist zurzeit noch offen.

WaldSchweiz/Red.

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