Waldschutz

Schweiz: Befall durch Buchdrucker weiterhin hoch

Bearbeitet von Jörg Fischer

Die Zwangsnutzungen in m³ von mit dem Buchdrucker (Ips typographus) befallenem Fichtenholz bleiben weiterhin über der Millionengrenze. Schweizweit sank zwar die Zahl der gemeldeten Sommerzwangsnutzungen im Vergleich zum Vorjahr um 15 % auf ca. 795.000 m³. Allerdings könnten mit den Schätzungen für den Winter 2020/2021 die Käferholzzahlen um weitere 3 % auf über 1,5 Mio. m³ ansteigen – dem zweithöchsten Wert seit dem Rekordjahr 2003.

Das Jahr 2020 startete Dank einem überdurchschnittlich warmen und ausgesprochen trockenen Frühling (dem drittwärmsten seit Messbeginn) und einer großen Menge stehengelassenem Käferholz aus dem Vorjahr mit günstigen Entwicklungsbedingungen für die Borkenkäfer. Obschon die gesamtschweizerische Menge an Sommerzwangsnutzungen leicht rückläufig ist, bleibt die Situation auf einem hohen Niveau (vgl. nachstehende Grafik).

Buchdrucker: Menge des Käferholzes und Anzahl der Befallsherde (Käfernester) in der Schweiz von 1998 bis 2020; * = Werte geschätzt
Buchdrucker: Menge des Käferholzes und Anzahl der Befallsherde (Käfernester) in der Schweiz von 1998 bis 2020; * = Werte geschätzt
Grafik: WSL

So meldeten sieben Kantone weiterhin ansteigende Zwangsnutzungen von befallenem Fichtenholz im Vergleich zum Vorjahr, allen voran die Kantone Graubünden und Appenzell Ausserrhoden mit über doppelt so viel anfallendem Käferholz als im Jahr zuvor. Auch aus der Nordwestschweiz (Kantone Jura und Basel-Landschaft) sowie aus dem Tessin wurde eine weitere Zunahme der Käferholzmengen verzeichnet. Im Mittelland waren die Werte leicht rückläufig oder blieben nahezu konstant. Seit 2018 zeigt sich eine stetige Zunahme des im Wald stehengelassenen Käferholzes (vgl. Tab. 1).

Mit durchschnittlich 29.000 Käfern pro Falle wurde der höchste Wert seit Beginn der Aufnahmen 1984 erreicht. Die höhere Zahl an gefangenen Käfern pro Fallen kombiniert mit einer leichten Senkung der Anzahl Befallsherde (um 20 %) lässt darauf schliessen, dass es sich um grössere Befallsherde handelt. 2019 nicht geräumte Befallsherde können sich rasch ausdehnen. Auch die Anzahl Lockstofffallen erhöhte sich von 1.615 auf 1.961 Fallen in 22 Kantonen und spiegelt die Besorgnis der Forstbranche wider. Hinweise, dass eine dritte Borkenkäfergeneration angelegt werden konnte, lagen keine vor.

Ausblick

Infolge des anhaltenden Wärmetrends in Mitteleuropa, wird im Schweizer Mittelland künftig häufiger mit drei Buchdrucker-Generationen zu rechnen sein. In höheren Lagen oberhalb . m ü. NN, wo der Buchdrucker bisher nur eine Generation hervorbrachte, werden zumindest örtlich in Zukunft zwei Generationen möglich sein [1].

Viele Fichten waren in den letzten Jahren wiederholt Trockenstress ausgesetzt, was ihr Verteidigungspotenzial gegenüber Borkenkäferangriffen nachhaltig beeinträchtigt haben dürfte. Im vergangenen Jahr war es vor allem der extrem trockene April, der dafür sorgte, dass bei vielen Bäumen bereits zu Beginn der Vegetationsperiode ein hohes Wasserdefizit herrschte (bis zum 27. April fielen nur 12 % des langjährigen mittleren Aprilniederschlags, [2]). Der folgende trocken-warme Sommer erlaubte kaum Regenerationsmöglichkeiten, weshalb 2021 vielerorts eine erhöhte Befallsprädisposition von Fichtenbeständen zu erwarten ist.

Das hohe Volumen an stehengelassenem Käferholz aus dem Vorjahr und das aus Sturm- und Schneebruchschäden während des schneereichen Winters 2020/21 resultierende hohe Angebot an Brutmaterial sorgen zudem für beste Voraussetzungen für ein weiteres Jahr mit intensivem Buchdruckerbefall.

Quellen:

[1] Jakoby O, Lischke H & Wermelinger B (2019). Climate change alters elevational phenology patterns of the European spruce bark beetle (Ips typographus). Global Change Biology, 25:4048-63. [2] MeteoSchweiz 2020: Klimabulletin April 2020. Zürich.

Sophie Stroheker, Irina Vögtli, Martin Bader, Valentin Queloz; Waldschutz Schweiz, WSL