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Aufhebung des CHF-Mindestkurses bedroht Schweizer Wald- und Holzwirtschaft

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank am 15. Januar 2015 löst bei Schweizer Waldeigentümern und Holzverarbeitern größte Besorgnis aus. Bereits der Kurszerfall des Euro auf 1,20 CHF verursachte in der Branche Probleme, die bis heute nicht überwunden sind. Schweizer Waldbesitzer, die unverarbeitetes Rundholz in die Euro-Nachbarländer exportieren, haben seither einen wechselkursbedingten Ertragsausfall von 15 bis 20 % zu beklagen, der sich mit der neuerlichen Abwertung nun zu verdoppeln droht. Die Schweizer Sägereien und Holzindustriebetriebe werden seit 2009 von billigeren Import-Produkten wie Bretter, Balken, Bauteile oder ganze Fertighäuser zunehmend unter Druck gesetzt. Die Schweizer Sägewerke haben ihre Verarbeitung von Stammholz seit 2010 gewaltig drosseln müssen: von 2,3 Mio. m³ auf 1,65 Mio. m³ Rundholz im Jahr 2013, was einem noch nie dagewesenen Rückgang von fast 30 % innerhalb von drei Jahren entspricht! Dieser Rückgang ist in erster Linie auf den Kurszerfall des Euro zurückzuführen. Dies zwang die Waldeigentümer, noch mehr Holz zu noch schlechteren Konditionen zu exportieren oder es sogar im Wald stehen zu lassen.Die Schweizer Waldwirtschaft hat im Gegensatz zu anderen Branchen kaum Vorleistungen, die aus dem Euro-Raum bezogen werden. Entsprechend kann sie auch nicht vom nun günstigeren Einkauf von Rohmaterial oder Maschinen profitieren, hingegen schlägt der wechselkursbedingte Ertragsausfall ab sofort zu. Genau gleich geht es Schweizer Sägewerken, Holzwerkstoffproduzenten oder der Papierindustrie, die aufgrund der hohen Transportkosten ihren Rohstoff, in erster Linie Waldholz, aus der nahen Umgebung ihrer Werke beziehen müssen. Die Kostensenkungsmöglichkeiten sind in vielen Betrieben bereits weitgehend ausgereizt, und für große Investitionen fehlen den bedrängten Betrieben oft die Mittel.Es sei auch wieder einmal daran erinnert, dass Holz in jeder Form ein völlig frei handelbares Gut ist und keinerlei Grenzschutz genießt. Entsprechend müssen sich die Schweizer Waldeigentümer und Holzverarbeiter ihren Produktepreis vom seit Jahrzehnten sinkenden Weltmarktniveau diktieren lassen. Die nun zweimalige Euro-Abwertung gegenüber dem Franken von 1,50 CHF auf rund 1,00 CHF hat bereits etlichen Holzindustriebetrieben in der Schweiz endgültig den Todesstoß versetzt oder sie zu erheblichen Produktionsdrosselungen gezwungen.Die Nutzungsmenge im Schweizer Wald ist durch alle diese genannten Probleme auf einem historischen Tiefstpunkt angelangt und das, obwohl in der Schweiz der Holzbau eigentlich boomt. Leider aber wird die entsprechende Nachfrage zunehmend durch immer billigere Importware befriedigt. Das ist angesichts der Nachhaltigkeits- und Ökologieziele der Schweiz völlig kontraproduktiv. Längerfristig drohen die Wälder weiter zu überaltern, damit werden sie anfälliger gegenüber Naturgefahren und Schädlingen. Wenn sie ihre verschiedenen Funktionen nicht mehr erfüllen können, hat dies unberechenbare volkswirtschaftliche Folgen. Und wenn die kleinen und mittleren Holzverarbeitungsbetriebe nicht mehr rentabel wirtschaften können, sind tausende von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum und im handwerklichen Bereich bedroht.Die Branche prüft nun die mutmaßlichen Auswirkungen im Detail und arbeitet sinnvolle Maßnahmen aus, die dem Bund unterbreitet werden sollen.

WVS

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