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Scheideweg in der Schweiz: Waldbewirtschaftung versus Walddienstleistungen

Scheideweg in der Schweiz: Waldbewirtschaftung versus Walddienstleistungen

Die Situation der Wald- und Holzwirtschaft nach der jüngsten Frankenaufwertung stand im Mittelpunkt der Versammlung der Forstunternehmer Schweiz (FUS). Pius Wiss, Präsident der Schweizer Holzernte- und Waldpflege-Spezialisten wollte von Bank- und Holzindustrie-Vertretern wissen, worauf sich seine Branche einstellen muss. Die frühere Frankenaufwertung hat die Schweizer Holzernte und -verarbeitung bereits markant und parallel gedrosselt, nun ist die Herausforderung noch größer geworden:
Dem Schweizer Wald droht ein gravierender Verlust an Erntekapazitäten und Fachkräften, worunter die Verjüngung des Schweizer Waldes leiden würde.
Währung, Holzernte und -verarbeitung
 
Wiss belegte den negativen Einfluss, den die frühere Aufwertung auf die Pflege und Verjüngung des Schweizer Waldes hatte: Die Holzernte ging zwischen 2008 und 2012 praktisch parallel zum Wechselkurs und zur Verarbeitung in den Sägewerken um etwa 22 bis 24 % zurück. In den Jahren 2012 bis 2014 blieben dann Währung, Ernte und Verarbeitung auf tieferem Niveau etwa stabil, und die dank verstärkten Marketingmassnahmen gestiegene Nachfrage nach Schweizer Holz sorgte 2014 gar für etwas Belebung.
 
Die jetzt erfolgte, erneute Aufwertung der Währung würgt die verhalten positive Entwicklung von 2014 ab. Wiederholt sich die Entwicklung von 2008 bis 2012, droht die Holzernte um 16 % zu schrumpfen. Weil die Waldbesitzer in solchen Phasen tendenziell mehr Holzschläge selber ausführen, könnte das Arbeitsvolumen für die Forstunternehmer noch stärker leiden. Und das Ausweichen auf Auslandeinsätze ist für die Forstunternehmer wegen der Frankenhärte noch schwieriger geworden.
 
Preisdruck
 
Ernest Schilliger, Präsident der Schilliger Holz AG in Haltikon, bestätigt, dass die Schnittholzpreise im Außenhandel über Nacht gesunken sind. Entlastung gab es im Rundholzeinkauf, wobei große Mengen bereits zu alten Preisen eingekauft waren. Verschärfte Wettbewerbsnachteile schlagen im Holztransport zu Buche, wo die Differenz zu allen Mitbewerbern noch einmal gewachsen ist. Die höhere Nutzlast mit den im Kombiverkehr üblichen 44 statt 40 t, und die Aufhebung der LSVA sind für ihn sehr wichtige, dringend nötige Entlastungsmaßnahmen. Mit einem Kostenanteil von 60 % im Sägewerk sind die Rundholzkosten fundamental wichtig. Andererseits droht die Nutzung beim aktuellen Preisniveau da und dort eingestellt zu werden.
 
Deshalb meint Ernest Schilliger, dass neben eigenen innerbetrieblichen Maßnahmen nun Logistikbeiträge im Wald (z.B. Seilkranbeiträge) entscheidend beitragen könnten, dass die Holzversorgung und Waldpflege auf dem letztjährigen Niveau aufrechterhalten werden könnten.
 
Perlen Papier setzt auf Schweizer Holz und Altpapier
 
Die Papierfabrik Perlen Papier AG exportiert 85 % Zeitungs- und Magazinpapier in den Euro-Raum; die Aufgabe des Euro-Mindestkurses hat deshalb zu einer schmerzhaften Resultatkorrektur geführt. Vito Macchia, Leiter Einkauf+Logistik, beschafft die Rohstoffe für die Papierherstellung (Holz, Altpapier, Zellstoff) zu einem großen Teil in der Schweiz – von deren relativen Verteuerung profitieren nun die europäischen Mitbewerber. Das ist eine zusätzliche Belastung auf einem Markt mit Überkapazitäten und infolge Breitbandinternet tendenziell sinkendem Verbrauch. Die topmodern eingerichtete Luzerner Papierfabrik reagiert auf die jüngste Franken-Herausforderung mit weiterer Produktivitätssteigerung und Kostensenkung bei Produktion, Rohstoffen und Energie.
 
Perlen Papier setzt auf Schweizer Rohstoffe und appelliert an die Marktteilnehmer der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft, notwendige strukturelle Veränderungen voran zu treiben, um die Erntemengen wieder auf ein höheres, früheres Niveau steigern zu können. Die Erntekosten sind dabei sicher ein wichtiges, anzugehendes Thema. Der Altpapier-Export sollte aus ökologischen und ökonomischen Gründen zu Gunsten der Verwertung in der Schweiz deutlich reduziert werden.
 
Jetzt die Weichen zugunsten der Waldbewirtschaftung stellen
 
Pius Wiss fasst zusammen, dass jetzt entgegen dem Trend der letzten Jahre die Weichen zugunsten der Waldbewirtschaftung und Holzproduktion gestellt werden müssen. Gerade in der Schweiz hat sich im und um den Wald ein üppiger Dienstleistungssektor entwickelt; bezogen auf die Waldfläche wird ungleich mehr geforscht, beraten und administriert als in allen anderen Ländern. Wenn parallel die Waldbewirtschaftung und damit die Waldgesundheit abnehmen, stimmt etwas nicht.
 
Die Forstbehörden von Bund und Kantonen, so Pius Wiss, sind deshalb jetzt besonders aufgefordert, die Stärkung der Waldbewirtschaftung, und damit den realen Waldzustand, in den Mittelpunkt zu stellen. Durch die Bewirtschaftung der Wälder und die Nutzung des Rohstoffes Holz wird ein zentraler Beitrag zur Wald-Vitalität, Erhaltung der Biodiversität und die Erreichung von klimapolitischen Zielen geleistet.
FUS

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