Naturschutz, Landschaftspflege

Schwarzstorch und Windkraft: kein Entweder-oder

Bearbeitet von Carolin Föste

Stehen Artenschutz und Klimaschutz im Konflikt? Gerade in den Diskussionen um den Ausbau von Windkraftanlagen geht es oft auch um den Schutz gefährdeter Vogel-, wie Schwarzstorch, Wespenbussard und Rotmilan, sowie Fledermaus-, wie Abendsegler und Mopsfledermaus, und Insektenarten. Hessen ist entschlossen, Tiere und Klima zu schützen und stellt mit seinem Konzept vor, wie das geht.

Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Umwelt Hessen) zeigt mit regionalem Beispiel auf, wie Tier- und Klimaschutz vereint werden können. Im Stadtwald Grünberg konnte ein Schwarzstorchhorst langfristig geschützt werden, insgesamt werden mehr als die Hälfte aller Horste Hessens gesichert. Dazu kooperiert Umwelt Hessen u. a. mit der Stadt Grünberg sowie mit dem Hessischen Waldbesitzerverband.

Langfristiger Artenschutz als Teil der ökologischen Krise

„Wir kümmern uns nicht nur um den Klimaschutz, sondern auch um die zweite ökologische Krise: das Artensterben. Deshalb sorgen wir dafür, dass windkraftsensible Arten wie der Schwarzstorch in Hessen besser geschützt werden“, erklärte Priska Hinz, Hessens Umweltministerin. Gezielt wird der Lebensraum windsensibler Arten in Hessen berücksichtigt. „Mit der Ausweisung von Schutzzonen sorgen wir dafür, dass der Schwarzstorch ungestört brüten kann.“

Martin Hormann ist Mitarbeiter im Sachbereich Naturschutz beim Landesbetrieb HessenForst. Er beschreibt: „Der Radius der Horstschutzzone um einen Brutbaum herum beträgt beim Schwarzstorch 200 Meter. Das entspricht einer Gesamtfläche von insgesamt 12,5 ha. In dieser Zone sollen in Zukunft keine Veränderungen des Waldbestandes oder Störungen durch den Forstbetrieb mehr stattfinden. Denn das ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Reproduktion.“

Vorhaben forciert Arten- und Klimaschutz gleichermaßen

Dazu wurde im ersten Schritt erfasst, welche Lebensräume windenergiesensible Arten nutzen, um im nächsten Schritt eine verbesserte Situation zum Schutz der Tiere vor einem Ausbau der erneuerbaren Energien zu schaffen. „Die Windenergie ist ein zentraler Baustein der Energiewende und damit der Bekämpfung der Klimakrise. Zwei Prozent der Landesfläche sind deshalb für Windenergieanlagen vorgesehen. Jeder Eingriff muss ausgeglichen werden. Wir gehen aber weit über diese gesetzliche Verpflichtung hinaus: Wir verbessern zusätzlich noch die Lebensbedingungen für Tiere, die besonders empfindlich auf Windenergieanlagen reagieren. Die Schutzmaßnahmen wollen wir flächendeckend in Hessen vorantreiben. Windenergie und Artenschutz schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Die Windenergie auszubauen und gleichzeitig mehr Artenschutz umzusetzen ist möglich“, erklärten Hinz und Energieminister Tarek Al-Wazir bereits 2021 zu den geplanten Auswertungen der Schwarzstorch-Lebensräume.

2020 wurde in Hessen bereits ein Abkommen zum Schutz windenergiesensible Arten ins Leben gerufen. Nun wurde ein 10-jähriger Horstschutzvertrag unterzeichnet.

Einstimmig für Windenergie und Artenschutz

Dass der Schwarzstorch im von Hessen-Forst betreuten Stadtwald brütet, ist bereits seit 2010 bekannt. „Der Schwarzstorch ist den meisten Menschen kaum bekannt, ein Göttervogel, der früher verehrt und später eher verhasst war. Heute ist er bedroht und muss mehr an Bedeutung bekommen. Es gilt daher, ihn besonders zu schützen. Wir als Stadt Grünberg sind froh und stolz, ihn bei uns zu haben“, erklärte Marcel Schlosser, Bürgermeister von Grünberg.

„Die Windenergie auszubauen und gleichzeitig mehr Artenschutz umzusetzen ist möglich, das zeigen wir mit dem Hilfsprogramm für windenergiesensible Arten“, sagt auch Hinz. Im engen Austausch stehen außerdem der Bundesverband WindEnergie e. V., die Naturschutzverbände NABU Hessen, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland in Hessen (BUND Hessen) und die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). Gemeinsam haben die Parteien einem naturverträglichen Windenergieausbau zugestimmt.

Die ausgewiesenen Schutzzonen der windenergiesensiblen Tierarten sind derzeit doppelt so groß wie die Gebiete für Windkraftanlagen in Hessen. Somit konnten die Lebensräume identifiziert und gesichert werden, bevor der Ausbau der erneuerbaren Energien in die Planung gehen. Die Landesregierung erachtet das weltweite Artensterben und den Klimawandel als untrennbar und will aufzeigen, dass eine Lösung beider Krisen mit der richtigen Planung umsetzbar ist.

Quelle: Umwelt Hessen