Baum und Natur Baumpflege

Schwammstadt: Bäume helfen beim Überschwemmungsschutz

Bearbeitet von Carolin Föste

„Schwammstädte“ gelten als eine Lösung bei unbeständigem Wetter, hervorgerufen durch den Klimawandel. Sie können Wasser aus Niederschlägen zwischenspeichern. Bäume sollen künftig dabei helfen.

In einer sogenannten Schwammstadt kann Regenwasser, statt ungenutzt in die Kanalisation zu fließen, in unversiegelte Flächen oder Sickerbecken geleitet werden. Das berichtet der Bund deutscher Baumschulen e.V. (BdB) in einer aktuellen Pressemitteilung. Ideal sei dafür die Kombination mit Bäumen, wie sie aktuell in Österreich angewandt und weiterentwickelt wird. Das Wiener Pilotprojekt der „Schwammstadt für Bäume“ ist ein Lösungsmodell, um grüne Städte in Zeiten des Klimawandels voranzutreiben.

Bäume unterstützen Schwammstadt nach schwedischem Design

2017 entstand das Projekt am Wiener Stadtrand mit der Seestadt Aspern im „Quartier am Seebogen“. Dort wurde auf 22.000 m2 ein neues Entwässerungssystem nach dem „Schwammstadt-Prinzip für Bäume“ konzipiert.

Denn „Bäume sind die besseren Schwämme“, erklärt der Wiener Daniel Zimmermann, Gründungsmitglied des „Arbeitskreises Schwammstadt“. Mit diversen Partnern entwickelte er eine ökologisch orientierte Infrastruktur nach schwedischem Vorbild.

„Damit Bäume optimal wachsen können, brauchen sie viel mehr Volumen, meist ist der Untergrund überverdichtet und durch Leitungen und Rohre dominiert“, erklärt Zimmermann. Zudem seien die meisten Straßenbäume bislang als dekorative Elemente eingekerkert in viel zu kleinen Pflanzlöchern. „Ist zu wenig Wurzelraum im Untergrund, entwickelt sich ein Straßenbaum viel schlechter und hat nur 20 bis 30 Jahre Lebenserwartung.“

Wie können sich Bäume in Städten entfalten?

Bei dem Projekt in Wien erhalten die 330 Bäume nun mehr „Gerechtigkeit im Untergrund“, so der Landschaftsarchitekt. Ausgewählt wurden zehn zukunftsfähige klimataugliche Arten wie die Amerikanische Weißesche, Resista Ulme, Ungarische Linde, fruchtlose Maulbeere und Feld-Ahorn, die teilweise auch auf der Zukunftsbaumliste der deutschen Gartenamtsleiterkonferenz GALK zu finden sind.

Tiefbeete aus Beton, die in einem unterirdischen Mehrkammer-System drei Becken vereinen, sorgen für mehr Platz im Untergrund. Auch in Trockenperioden sei im dritten Becken stets Wasser vorrätig, da die sogenannten Retentionsräume Niederschläge sammeln. Der Untergrund werde mit einer Mischung aus Grobschlag und Feinsplitt, Substraten und Pflanzkohle gefüllt. Dieser Mix garantiere ein luft- und wasserdurchlässiges Porensystem für optimale Durchwurzelung.

„Jeder Baum hat ein Pflanzloch von mindestens 35 Kubikmeter“, sagt Zimmermann. Je größer der Wurzelraum sei, desto länger lebe der Baum und desto besser entwickle sich die Krone. Die Prognose des Architekten: Nach etwa zehn Jahren bieten die gepflanzten Bäume schon 20 % Überschattung, später werden es bis zu 40 %.

Doppelte Versicherung gegen Wetterextreme

Während der Unterbau optimale Wachstumsbedingungen schaffe und gleichzeitig technisch den Anforderungen des Straßenbaus entspricht, weise die Oberflächengestaltung um den Baum durch passende Bepflanzung auf die „Schwammstadt-Körper“ hin. So seien gepflanzte Stadtbäume mit diesem System eine zweifach natürliche Versicherung gegen Wetterextreme: Hitze wird reduziert und vor Überflutungen geschützt.

Der lokale Hochwasserschutz diene Städten in doppelter Funktion mit dem Wasserrückhalt, der wiederum den Bäumen nutzt. Ein wissenschaftliches Monitoring begleitet das neue System in Aspern. Zimmermann ist zuversichtlich, dass das Wiener Modell trotz anfänglich hoher Investitionen über Österreich hinaus bekannt wird: „Klimawandelanpassung ist das Gebot der Stunde, wir Landschaftsarchitekten schaffen das – mit Hilfe der Bäume. Wir brauchen aber mehr Unterstützung und angewandte Feldforschung.“

Quelle: BdB