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Schutz des Waldes hat Vorrang

Der Hessische Waldbesitzerverband und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sprechen sich für klare Regelungen zum Betreten des Waldes aus. Beide Verbände fordern die Hessische Landesregierung auf, an der Regelung zum Betreten des Waldes im Entwurf des Waldgesetzes festzuhalten. Eine Klarstellung, was feste Wege sind, auf denen mit dem Fahrrad im Wald gefahren werden darf, ist unverzichtbar, um den Besucherverkehr im Wald wirksam lenken und entmischen zu können. Dies ist erforderlich, um den Wald vor Beeinträchtigungen durch fehlgeleitete Erholung besser zu schützen. Waldeigentümer sowie Forst- und Naturschutzbehörden brauchen eine bessere Handhabe, um den Wald vor schädlichen Auswirkungen mancher Waldnutzer besser zu schützen.
Das Problem ist erst in den vergangenen zehn Jahren entstanden. Das Hessische Forstgesetz erlaubt das Radfahren auf festen Wegen, läßt aber offen, was ein fester Weg ist. Inzwischen bestimmen Waldbesucher selbst, was ein fester Weg ist. Die Entwicklung ist massiv durch Mountainbiker verstärkt worden, die abseits der Wege Trails quer durch den Wald anlegen und damit auch für andere Waldnutzer den Verkehr öffnen. Nachfolgende Mountainbiker und andere Waldbesucher können nicht erkennen, dass solche trails illegal entstanden sind und halten sie für feste Wege. Diese Entwicklung findet überall im bergigen Gelände statt und nicht nur in den Naherholungsgebieten der  Ballungsräume.
Es kann nicht sein, dass Waldeigentümer und Behörden dann im Nachhinein erklären müssen, dass diese trails illegal sind. Sondern umgekehrt müssen die gesetzlichen Voraussetzungen so gestaltet sein, dass für das Radfahren abseits fester breiter Wege ein Streckennetz von trails ausgewiesen wird. Damit ist klar, dass Mountainbiking im Wald abseits breiter fester Wege nur auf ausgewiesenen Strecken erlaubt ist und alle die sich zu Fuß im Wald erholen wollen auf schmalen Trampelpfaden vor gefährlichen Begegnungen mit Mountainbikern geschützt werden.
Zugleich kann das Mountainbiken so gelenkt werden, dass störungsempfindliche Tierarten, trittempfindliche Pflanzen und sensible Lebensräume geschützt werden. Der Gesetzentwurf der Landesregierung für ein neues Waldgesetz klärt die Rechtslage. Diese Klarstellung wurde durch die technische Entwicklung des Mountainbikes und die damit veränderte Verhaltensweise der Menschen notwendig. Die neuesten Entwicklungen des e-Bikes lassen schon jetzt erkennen, dass die Konflikte zwischen Radfahrern, anderen Erholungssuchenden, der Forstwirtschaft, der Jagd und dem Naturschutz weiter zunehmen und sich noch verschärfen werden. Denn elektrisch betriebene Mountainbikes ermöglichen es auch wenig trainierten Radfahrern, auf steile Berge zu fahren. Die Zahl der Mountainbiker, die in der spannenden Abfahrt den Nervenkitzel in anspruchsvollem Gelände suchen, wird kräftig zunehmen. 
Waldbesitzerverband und SDW fordern zudem eine konsequente Verfolgung und erheblich stärkere Ahndung von Verstößen.
Der Waldbesitzerverband und die SDW bedauern die emotionale Debatte um das Mountainbiken im Wald. Sie fordern die Deutsche Mountainbike Initiative auf, Mitglieder und Mountainbiker nicht weiter durch falsche Informationen und weit überzogene Darstellungen angeblicher Folgen des Gesetzentwurfs der Landesregierung aufzubringen. Wer den Mountainbikern einredet, der Gesetzentwurf bedeute das Ende des Mountainbikesports im Wald‘, schafft eine emotional aufgeladene Situation, in der eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Problem kaum noch möglich ist. Mit der angezettelten „Wutbiker-Kampagne“  demonstriert die Deutsche Mountainbike initiative nicht nur unsportliches Verhalten, sondern nimmt dabei in Kauf, dass Mountainbiker Rechte anderer geradezu sprichwörtlich über den Haufen fahren. Das heute vorliegende Problem ist vielschichtig und hat eine Entstehungsgeschichte.
  • Vollzugsdefizit: Die bestehenden gesetzlichen Regelungen wurden von den zuständigen Behörden nicht konsequent durchgesetzt und Verstöße nicht oder nur unzureichend geahndet. Damit bleiben viele Mountainbiker in dem Glauben, das Radfahren abseits der Wege sei gar nicht so schlimm. Welche Störungen und Folgen für den Wald von diesem Verhalten ausgehen, können Mountainbikern gar nicht wahrnehmen, weil sie viel zu schnell unterwegs sind, um flüchtende Tiere, empfindliche Bodenvegetation oder geschützte Arten und Lebensräume selbst zu erkennen.
  • In manchen Regionen wurde es versäumt, auf die Bedürfnisse verschiedener Freizeitsportarten angemessen einzugehen und Angebote zu schaffen. So ist zum Beispiel gerade im Hochtaunuskreis der Bedarf einer ausgewiesenen Downhillstrecke vom Verein „Wheels over Frankfurt“ immer wieder vorgetragen und die Einrichtung einer solchen Strecke vom Forstamt Königstein und mehreren Kommunen befürwortet worden. Doch der Landkreis Hochtaunus und das Regierungspräsidium in Darmstadt schaffen seit mehreren Jahren nicht die Voraussetzungen für diese Strecke. Dies hatte zur Folge, dass sogar Naturschutzgebiete wie der Altkönig oder das Reichenbachtal bei Königstein massiv geschädigt worden sind. Die Behörden haben diesem Treiben tatenlos zugesehen.
  • Früher war es möglich, mit dem „Drahtesel“ auf den geschotterten Wegen und erdfesten Wanderwegen im Wald zu radeln. Konflikte mit anderen Waldbesuchern waren selten, das Fahren abseits fester Wege war nicht möglich. Eine Definition, was ein fester Weg ist, auf dem mit dem Rad gefahren werden darf, war nicht erforderlich. Heute ermöglichen moderne High-techbikes das Fahren in schwierigstem Gelände. Auf festen Waldwegen können moderne Bikes und geübte Fahrer mit hohem Tempo fahren.

Die Politik sollte das Problem parteiübergreifend anerkennen und zu einer konstruktiven Lösung beitragen.

 
Hessischer Waldbesitzerverband, SDW

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