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Schutz für brasilianische Feuchtgebiete

Schutz für brasilianische Feuchtgebiete

Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts schaffen die Basis für neue Umweltschutzgesetze in Brasilien. Das dortige Umweltministerium hat Vorschläge für neue Bestimmungen ausgearbeitet, um die empfindlichen Ökosysteme der ausgedehnten Feuchtgebiete in der Amazonasregion, im Pantanal und an den Küsten zu erhalten. 

 
Die beabsichtigten Schutzmaßnahmen für die ökologisch und ökonomisch sehr bedeutenden Gebiete beruhen auf der Definition und Klassifizierung aus einer Studie, an der Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz beteiligt waren.
Feuchtgebiete gehören zu den fragilsten Ökosystemen der Erde. In vielen Ländern werden sie durch Abholzung, Grundwasserabsenkung und den Klimawandel bedroht. „In Brasilien wird die Bedeutung von Feuchtgebieten, die etwa 20 % der Landfläche ausmachen, zwar für mehr und mehr Menschen offenkundig“, sagt Florian Wittmann, der in einer Forschungsstation im brasilianischen Manaus forscht und und an der Studie zu den brasilianischen Feuchtgebieten unter Schirmherrschaft des Brasilianischen Instituts für Feuchtgebietforschung (INAU) mitgewirkt hat.
Um dem Schwinden der Feuchtgebiete entgegenzuwirken, stößt das brasilianische Umweltministerium derzeit neue Regelungen an, mit denen es die Feuchtgebiete des Landes schützen möchte. Die vor kurzem veröffentlichten Empfehlungen des Ministeriums sollen die Grundlage für neue Gesetze bilden. Diese Empfehlungen basieren maßgeblich auf einer wissenschaftlichen Studie, an der Florian Wittmann vom Max-Planck-Institut für Chemie mitwirkte.

Feuchtgebiet-Definitionen markieren Weg zu Schutzbestimmungen

Das Forscherteam definierte zum einen, was Feuchtgebiete sind. Bisher gibt es in Brasilien keine einheitlichen Kriterien, daher gelten auch keine verbindlichen Schutzbestimmungen. Florian Wittmann hält in der Definition der aktuellen Studie den Passus für besonders wichtig, in dem die Grenzen von Feuchtgebieten beschrieben werden, vor allem solcher, in denen der Wasserstand wie im Amazonasgebiet regelmäßig stark schwankt. Demnach markiert dort der höchste Pegel den Rand des Ökosystems. Die vom Umweltministerium vorgeschlagenen Schutzbestimmungen sollen für entsprechend große Gebiete gelten.
 
Würden die Vorschläge tatsächlich in Gesetzen umgesetzt, machte die brasilianische Regierung rückgängig, was sie erst 2012 auf Druck der Agrarindustrie beschlossen hatte. Damals verlegte sie die Grenze von Feuchtgebieten vom maximalen auf den mittleren Hochwasserstand. Das klingt vielleicht nach einer Detailfrage, weicht die Schutzregeln aber massiv auf. Denn damit wurde die Grenze von Feuchtgebieten am Amazonas deutlich flusswärts verschoben, was die geschützte Fläche um bis zu 50 % reduzierte. Im besten Fall würde das wieder zurückgedreht. In ihrer Studie klassifizieren die Forscher die Ökosysteme zudem. Sie unterscheiden dabei nicht nur zwischen Feuchtgebieten an den Küsten, im Inland und künstlichen angelegten Feuchtgebieten, sondern verfeinern die Einteilung der Flächen auch anhand von geologischen, hydrochemischen, hydrographischen und botanischen Eigenschaften. So charakterisiert die Grasart Cyperus giganteus beispielsweise einige Sümpfe mit relativ stabilem Wasserstand. In den zumeist bewaldeten Weißwassergebieten des Amazonas, in denen der hohe Anteil an Schwebstoffen das nährstoffreiche Wasser hellbraun färbt, schwankt der Wasserstand dagegen um 10 m und mehr. An den unterschiedlichen Eigenschaften müsse sich auch der jeweilige Schutz der Gebiete orientieren, so Florian Wittmann.

Interessen der Agrarindustrie stehen dem Schutz entgegen

Der Geograf hofft, dass die Empfehlungen zügig in eine nachhaltige Gesetzgebung umgesetzt werden. Der Max-Planck-Forscher ist zuversichtlich, dass die neuen Gesetze kommen werden. Wann das der Fall sein wird, lasse sich aber kaum abschätzen. Denn das Verfahren könne sich noch hinziehen, weil die Interessen der Agrarindustrie, die eine mächtige Lobby in der Politik besitzt, einer Ausweitung des Schutzes entgegenstehen.
 
Seit Jahren beobachtet Florian Wittmann, der in den Überschwemmungswäldern des Amazonas forscht, Verschlechterungen in den Feuchtgebieten. So erlaubt es die Gesetzesnovelle aus dem Jahr 2012, bisher geschützte Feuchtgebiete in landwirtschaftliche Nutzflächen umzuwandeln. Und genau das geschieht auch vielerorts.
Red./Max-Planck-Institut für Chemie

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