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Schutz des Feuersalamanders im Thüringer Wald

Schutz des Feuersalamanders im Thüringer Wald

Mit einem symbolischen ersten Spatenstich zur Renaturierung eines verrohrten Bachabschnittes im Löffeltal bei Ilmenau ist am 8. November der Start für das Naturschutzprojekt zur Erhaltung des Feuersalamanders im Thüringer Wald gegeben worden. Das Projekt hat eine Laufzeit von sechs Jahren und wird mit insgesamt rund 1,7 Mio Euro gefördert. Das Bundesumweltministerium stellt aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt 1,3 Mio Euro zur Verfügung. Der Freistaat Thüringen stellt 300.000 Euro und die Allianz Umweltstiftung 120.000 Euro bereit. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN), begleitet als Bewilligungsbehörde das Naturschutzprojekt fachlich. Die fachliche Planung der einzelnen Maßnahmen und die Umsetzung liegen in der Hand des Projektträgers, der Naturstiftung David.

Das Naturschutzprojekt „Erhaltung und Entwicklung des überregional bedeutsamen Vorkommens des Feuersalamanders im Thüringer Wald“ gehört mit zu den ersten bewilligten Vorhaben in dem neuen Bundesprogramm Biologische Vielfalt. Bis Ende 2017 sollen an allen 40 Seitenbächen der Wilden Gera und der Zahmen Gera im Mittleren Thüringer Wald Rohrdurchlässe und andere Bauwerke zurückgebaut oder so verändert werden, dass sie von Fließgewässerlebewesen wieder durchwandert werden können. Die Wälder im Einzugsgebiet, vor allem aber am Ufer der Bäche, werden zu naturnahen Laub- und Bergmischwäldern umgestaltet. Von den Maßnahmen profitieren viele bachtypische Tierarten. Die Leitart für das Projekt ist der Feuersalamander, dessen Larven in Waldbächen leben. Das Vorkommen im Thüringer Wald liegt nahe der nordöstlichen Verbreitungsgrenze dieser Art. Die hier noch vorhandene Population ist seit Jahrzehnten rückläufig.

Hintergrund

Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist eine Ziel- und Leitart des Naturschutzes. Der optimale Lebensraum des Feuersalamanders ist von strukturreichen schmalen Bächen und Laub- oder Mischwäldern mit einem möglichst hohen Anteil an Laubbäumen geprägt. Als Amphibienart mit leicht austrocknender Haut, kann der erwachsene Feuersalamander erst ab einer relativen Luftfeuchtigkeit von 85 % aktiv werden, was meist nur nachts der Fall ist. Der Quellbach ist der Lebensraum der Larven. Dort werden die bereits voll entwickelten Larven vom Salamanderweibchen in Stillwasserbereichen (Gumpen) im Frühjahr abgesetzt. Bis zur Metamorphose im Spätsommer ernähren sich die Larven räuberisch von Wasserinsekten, Bachflohkrebsen und anderen Kleintieren. Als Landlebensraum müssen die Wälder struktur- und totholzreich sein und dauerwaldähnlich genutzt werden, um ausreichend Nahrungsangebot und Versteckmöglichkeiten zu bieten. Die erwachsenen Tiere benötigen Fels- und Blockschutthalden als Winterquartiere. Bergwiesen bieten darüber hinaus ein gutes Nahrungsangebot und gute mikroklimatische Bedingungen mit schneller nächtlicher Abkühlung und Ansteigen der relativen Luftfeuchtigkeit. Mit den Maßnahmen des Projektes „Erhaltung und Entwicklung des überregional bedeutsamen Vorkommens des Feuersalamanders im Thüringer Wald“ soll das Nahrungsangebot im Gewässer durch Förderung von Laubgehölzen im Uferbereich verbessert werden, weil sich fast alle Beutetiere der Feuersalamander-Larven von Laub ernähren. Die Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit der Bergbäche fördert die natürliche Lebensgemeinschaft und damit auch das Nahrungsangebot für den Salamander. Waldumbaumaßnahmen sollen darüber hinaus zu einer Verbesserung der mikroklimatischen Bedingungen (Luftfeuchtigkeit) im Landlebensraum führen. Der Einsatz von Starktotholz im Gewässer führt zu einem größeren Angebot an Stillwasserbereichen. Ohne deren Existenz werden die Salamanderlarven bei stärkeren Regenfällen oder in der Schneeschmelze in den Unterlauf verdriftet, wo sie vermehrt Forellen zum Opfer fallen.

Die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) wird seit 2011 durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt. Gefördert werden Vorhaben, denen im Rahmen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt eine gesamtstaatlich repräsentative Bedeutung zukommt oder die diese Strategie in besonders beispielhafter Weise umsetzen. Die geförderten Maßnahmen sollen dazu beitragen, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland zu stoppen und mittel- bis langfristig in einen positiven Trend umzukehren. Sie dienen dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung sowie der Entwicklung der biologischen Vielfalt und gehen über die rechtlich geforderten Standards hinaus. Akzeptanzbildende Maßnahmen der Informationen und Kommunikation tragen dazu bei, das gesellschaftliche Bewusstsein für die biologische Vielfalt zu stärken. „Arten in besonderer Verantwortung Deutschlands“ wie der Feuersalamander sind Arten, für die Deutschland international eine besondere Verantwortung hat, weil sie nur hier vorkommen oder weil ein hoher Anteil der Weltpopulation hier vorkommt. Ihr Schutz hat einen hohen Stellenwert im Artenschutz. Die Maßnahmen in diesem Förderschwerpunkt des Bundesprogramms sollen dem direkten Schutz dieser Arten sowie der Erhaltung und Renaturierung von deren Lebensräumen dienen, um langfristig überlebensfähige Populationen dieser Arten zu gewährleisten. Weiterer Informationen: www.biologische-vielfalt.de/bundesprogramm.html

Die Naturstiftung David ist die Stiftung des BUND Thüringen. Die Stiftung hat ein Kapitel in Höhe von 3,65 Millionen Euro. Sie ist fördernd und operativ in den Bereichen Naturschutz und erneuerbare Ener-gien/Energieeinsparung insbesondere in den neuen Bundesländern aktiv. Seit der Stiftungsgründung im Jahr 1998 hat die Stiftung knapp 200 Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 2 Millionen Euro fi-nanziert. Die Stiftung engagiert sich insbesondere für die Sicherung des Nationalen Naturerbes so u. a. auch im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes in der Hohen Schrecke (Nordthüringen).
 
Weitere Informationen: www.naturstiftung.de

Naturstiftung David

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