Redaktion
27.02.2017 | Forsttechnik |  Holztransport

Schulung für den Holztransport

Die RAL Gütegemeinschaft Wald- und Landschaftspflege lud Anfang Februar im hessischen Alsfeld zu einer Informationsveranstaltung rund um den Holztransport ein. Im Zentrum standen das Umweltschadensgesetz und die Fallstricke der

Beim Quiz von Diana Jalen stellten fünf „Freiwillige“ ihr Wissen rund um über rechtkonforme Logistik unter Beweis
Foto: A. Hartkopf
Klaus Wiegand, Vorsitzender der Gütegemeinschaft, begrüßte die Teilnehmer in Alsfeld und gab zunächst einen kurzen Einblick in die Historie des Gütezeichens, das 1925 als Reichsausschuß für Lieferbedingungen (RAL) gegründet wurde. Das gemeinsame Ziel von deutscher Privatwirtschaft und Regierung lag damals in der Vereinheitlichung und Präzisierung von technischen Lieferbedingungen. Heute befinden sich unter dem Dach des RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung insgesamt 130 Gütegemeinschaften mit mehr als 160 Gütezeichen, die von über 9 000 Unternehmen verwendet werden. Die Gütegemeinschaft Wald- und Landschaftspflege wurde 1994 gegründet und hat inzwischen rund 2 000 Mitglieder in den Bereichen Holzernte, Holzrücken, Waldverjüngung, forstlicher Wegebau, Landschaftspflege, Forstpflanzenanzucht, gebietsheimische Gehölze und Holztransport. Klaus Wiegand ist überzeugt davon, dass das RAL Gütezeichen eine relativ preiswerte Maßnahme des Qualitätsmanagements darstellt und jedem teilnehmenden Unternehmen ein neutrales Zeugnis für seine Arbeitsqualität sowie die Einhaltung aller einschlägigen Gesetze, Verordnungen und Normen ausstellt.
Umweltschadensgesetz

Als erster Referent befasste sich Jürgen Baer von der Kleenoil Panolin AG mit dem Umweltschadensgesetz von 2007, vor allem in Hinblick auf die verwendeten Öl- und Schmierstoffe. Bei diesem Gesetz steht der Schutz von Flora und Fauna, Gewässer und Böden im Mittelpunkt. Jeder, der eine berufliche Tätigkeit ausübt und dadurch unmittelbar einen Umweltschaden verursacht hat, muss diesen Schaden beseitigen und ersetzen. Außerdem muss der Verantwortliche bei unmittelbarer Gefahr eines Umweltschadens oder bei einem eingetretenem Schaden unverzüglich die zuständige Behörde informieren. Gleichzeitig mit dieser Informationspflicht besteht auch die Pflicht zur Abwehr der Gefahr eines Umweltschadens (Gefahrenabwehrpflicht) und die Sanierungspflicht bei einem bereits eingetretenem Schaden.

Im Bußgeldkatalog 2016 liegen die Strafen für auslaufendes Öl je nach Bundesland und Deliktschwere sehr uneinheitlich zwischen 75 € und 100 000 €. Nach einem Verfahren vor dem Landgericht Hamburg werden Betreiber von Maschinen im umweltsensiblen Bereich gehalten, nur solche Öl- und Schmierstoffe zu verwenden, die im Falle eines Gelangens der Stoffe in die Umwelt den kleinstmöglichen Schaden nach sich ziehen würden. Jürgen Baer empfiehlt immer den Einsatz von biologisch schnell abbaubaren Ölen, auch wenn es explizit nicht verboten ist, toxische und mineralölbasierte Öle einzusetzen, schon allein deshalb, weil der Begriff „umweltsensibler Bereich“ nicht genau definiert sei. Außerdem sei davon auszugehen, dass die Strafmaßnahmen für Ölunfälle mit nicht biologisch abbaubaren Produkten in Zukunft drastisch ansteigen werden und schon heute seien durch das geringere Schadenspotenzial der Bioöle Einsparungen im Bereich der Versicherungsprämien möglich.

Rechtskonforme Logistik

Diana Jalen, Trainerin und Beraterin im Fuhrparkmanagement, begann ihren Vortrag über rechtkonforme Logistik mit einem Quiz, bei dem fünf „Freiwillige“ ihr Wissen rund um die Rechtskonformität unter Beweis stellen konnten und anschließend nahm sie sich drei Stunden Zeit, um mögliche Wissenslücken in diesem Bereich auszufüllen. Rechtskonformität ist ein Begriff, der für die Einhaltung von Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien in einem Unternehmen steht und allein der Blick auf die wichtigsten Gesetze und Verordnungen für die Logistikbranche zeigt schon eine verwirrende Vielfalt, die es dem Unternehmer nicht leicht macht alle Vorschriften zu kennen und zu befolgen. Die Statistik der Straßenkontrollen aus dem Jahr 2015 zeigt, dass rund drei Viertel aller Verstöße im Bereich Fahrpersonalrecht festgestellt wurden und davon wiederum die Hälfte der Verstöße durch keine bzw. nicht ordnungsmäßige Verwendung der Schaublätter/Fahrerkarte verursacht wurde und ein weiteres Viertel durch Verstöße gegen die vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten. Der Unternehmer oder Fahrdienstleiter ist im Rahmen der Halterhaftung dazu verpflichtet, geeignete Fahrer auszuwählen (Fahrerlaubnis, gesundheitliche u. fachliche Eignung), die Fahrer in die Bedienung des Fahrzeuges einzuweisen (z.B. digitale Kontrollgeräte), regelmäßige Führerscheinkontrollen durchzuführen (mindestens halbjährlich) und regelmäßige Fahrerbesprechungen abzuhalten. Bei Verstößen drohen außer Bußgeldern und Punkten möglicherweise auch Strafrechtliche Sanktionen, Schadensersatzforderungen, Vermögensverfallverfahren (Gewinnabschöpfung) oder Lieferverzögerungen bei Untersagung der Weiterfahrt.

Bei der Risikoeinstufung von Kraftverkehrunternehmern (KVU) gibt es seit Anfang 2017 die Einstufung von Verstößen in die drei Stufen SI = schwerwiegender Verstoß, VSI = sehr schwerwiegender Verstoß und MSI = schwerster Verstoß, wobei drei schwerwiegende Verstöße pro Fahrer pro Jahr einem schwerstwiegenden Verstoß gleichkommen und drei schwerstwiegende Verstöße pro Fahrer pro Jahr einem schwersten Verstoß entsprechen, der die Einleitung eines Verfahrens zur Beurteilung der Zuverlässigkeit nach sich zieht. Um eine möglichst rechtskonforme Logistik zu gewährleisten empfiehlt Diana Jalen den Holztransporteuren die Überprüfung von Strukturen und Verantwortlichkeiten im Betrieb und die regelmäßige Schulung und Unterweisung aller Mitarbeiter.

Darüber hinaus könne die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems in Betracht gezogen werden und durch die Wahrnehmung von Beratungs- und Informationsangeboten können zusätzliche Erkenntnisse gewonnen werden. Nicht zuletzt empfiehlt Jalen die Überprüfung bzw. Zertifizierung des Unternehmens durch externe Stellen (z.B. RAL Gütezeichen Holztransport), um eigene Betriebsblindheiten auszumerzen und sich das Fachwissen qualifizierter Auditoren zunutze zu machen.

Andreas Hartkopf

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