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Schulterschluss zwischen forstlicher Praxis und universitären Forstfakultäten

Schulterschluss zwischen forstlicher Praxis und universitären Forstfakultäten

Am 15. und 16. April 2010 fand ein Treffen des Forstlichen Fakultätentages in Tharandt statt. Ein Ergebnis dieser Gespräche ist z.B. die uneingeschränkte gegenseitige Anerkennung von Bachelor-Abschlüssen als Zugangsvoraussetzung für forstwissenschaftliche Master-Studiengänge an deutschen Universitäten.

Vertreter/innen der vier deutschen Universitäten mit forstwissenschaftlichen Studiengängen (Uni Göttingen, Uni Freiburg, TU Dresden/Tharandt und TU München/Freising) treffen sich regelmäßig, um sich über Forschung und Lehre in den Forstwissenschaften auszutauschen.

Zu dem Treffen in Tharandt waren dieses Mal auch der Vorsitzende der Forstchefkonferenz, Ministerialdirigent Carsten Wilke, und der Geschäftsführer des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR), Dr. Carsten Leßner, als Gäste aus der forstlichen Praxis geladen. Die Forstchefkonferenz ist eine Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft im Bereich Forstwesen. Der Deutsche Forstwirtschaftsrat ist die repräsentative Vertretung aller mit der Forstwirtschaft und dem Wald befassten Akteure in Deutschland und setzt sich für die Interessen und Belange einer nachhaltigen Forstwirt-schaft ein. 
In den letzten Jahren waren die früheren Landesforstverwaltungen (sowie auch andere Waldbesitzarten) in erheblichem Maße mit internen Umorganisationen beschäftigt, meist gekoppelt mit deutlichem Personalabbau, wodurch auch längere Zeit weniger Neueinstellungen im gehobenen und höheren Dienst erfolgten. Die Universitäten (und Fachhochschulen) waren im Rahmen des „Bologna-Prozesses“ ihrerseits ebenfalls stark mit internen Umstrukturierungen beschäftigt, welche zur Ablösung der bisherigen Diplom-Studiengänge durch die europaweit vergleichbaren zweistufigen Bachelor-/Master-Studiengänge führten. In beiden Bereichen findet nun nach dieser Umbruchphase wieder langsam eine Konsolidierung statt. Vor diesem Hintergrund führten die Dekane/Studiendekane der vier universitären Forstfakultäten Gespräche mit den beiden hochrangigen Vertretern der forstlichen Praxis.
Die Universitäten erläuterten die neuen Strukturen in den erfolgreich etablierten (und nach wie vor sehr gut nachgefragten) forstlichen Bachelor- und Master-Studiengängen. Eines der Kernstücke der Reform ist die „Modularisierung“ des Studienangebotes in Form von größeren, in sich abgeschlossenen Lehreinheiten, die jeweils bereits direkt am Semes-terende abgeprüft werden. Hier treten z.T. nicht mehr die Namen aller Fachgebiete im Detail auf, welche bislang das „klassische“ Forststudium charakterisierten Es konnte jedoch (u.a. mit Hilfe von „Übersetzungstabellen“ und „Modulkatalogen“) überzeugend dargelegt werden, dass an allen 4 Standorten die bewährten (und auch notwendigen) Kernkompetenzen in allen Fachgebieten weiterhin komplett vermittelt werden. Damit entlassen die Universitäten ihre neuen Bachelor- und Master-Absolventen/innen mit all jenen Kenntnissen und Kompetenzen, die bereits früher für die Qualität der Diplom-Abschlüsse standen, erweitert um zusätzliche allgemeine Qualifikationen (wie Prä-sentationstechnik, Kommunikation, Konfliktmanagement etc.) für die veränderten modernen Anforderungen.
Insgesamt wurde deutlich, dass die neuen Bachelor- und Master-Studiengänge – trotz einiger Konstruktionsmängel der Bologna-Vorgaben – im Bereich „Forstwissenschaften“ ein modernes und stark nachgefragtes Angebot für alle Studierenden bereit halten, die sich für Wald, Natur, Umwelt und die ressourcenschonende Bewirtschaftung von Ökosystemen interessieren. Das Studium bietet beste Voraussetzungen nicht nur für Positionen in staatlichen Forstverwaltungen, sondern qualifiziert auch für eine Reihe von Führungsaufgaben im Management, im Naturschutz, in der privaten Forstwirtschaft und in vielen weiteren Berufsfeldern, wie beispielsweise der Raumplanung, der Umweltbildung oder der städtischen Baumpflege.
Die Praxisvertreter ihrerseits begrüßten diese Entwicklung und zeigten sich zufrieden damit, dass in den letzten Jahren trotz teilweiser Zurückhaltung der Forstpraxis bei der Einstellung von Universitäts-Absolventen/innen die bewährten Studieninhalte stets weiter vermittelt wurden. Zugleich versicherten sie, dass in den nächsten Jahren in den nunmehr konsolidierten neuen Forstorganisationen wieder mit einer deutlich steigenden Nachfrage nach qualifizierten Universitäts-Absolventen/innen zu rechnen sei, nicht zuletzt auch wegen der inzwischen ungünstigen Altersstrukturen nach z.T. jahrelangen Besetzungsstopps. Beide Seiten vereinbarten, in Zukunft wieder intensiver den Dialog zu pflegen.
S. Fink

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