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Schneeschmelze: Ertragen Bäume Überflutungen?

Bearbeitet von Carolin Föste

Waldbäume ertragen Hochwasser unterschiedlich gut. Manche tolerieren wochenlange Überflutungen, andere verlieren nach wenigen Tagen bereits erkennbar ihre Vitalität. Die Schneeschmelze im Frühjahr bringt daher Gefahren. Was bedeutet das für den Waldbau?

In Folge des Klimawandels könnten Hochwasserereignisse künftig zunehmen. Zusätzliche Flutpolter, Hochwasserrückhaltebecken und Deichrückverlegungen dienen als vorbeugende Maßnahmen des Hochwasserschutzes. Potenzielle Überflutungsbereiche sind oftmals von Wäldern geprägt, die künftig regelmäßiger überschwemmt und damit eventuell geschädigt werden können.

Für betroffene Waldbesitzende stellt sich daher die Frage nach der Hochwassertoleranz ihrer Baumarten. In Thüringen seien vorwiegend Fichten, Buchen oder auch Kiefern betroffen. Eventuell müssen diese Wälder auch mit geeigneteren Baumarten umgebaut werden. Ein Einblick in diese Thematik von ThüringenForst soll Orientierung geben.

Hauptbaumarten ertragen weder Dürre noch Überflutungen

„Auenwälder finden sich oft entlang großer Flüsse, etwa dem Oberrhein, der Oder oder auch der Saale. Typische Baumarten dieser Wälder sind Weiden, Pappeln, Eschen, Erlen und Ulmen“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Sie stellen vielfach die natürliche Baumartenausstattung dar, denn sie zeigen eine hohe Toleranz gegenüber Überschwemmungen, auch wochenlangen. Eine mittlere Toleranz zeigen Eichen, Eschen und Spitzahorne. Ertragen diese Baumarten noch einen mehrtägigen Hochwasserstand, nehme die Vitalität nach rund zwei Wochen Überflutung deutlich ab, Totalausfälle nehmen zu.

Auch der Bergahorn könne noch zu dieser Gruppe gezählt werden. Er ertrage kurzzeitige Überschwemmungen meist. Hält das Hochwasser mehr als zwei Wochen an, gebe es jedoch vielfach Ausfälle.

Die beiden Hauptbaumarten in Thüringens Wäldern, die Fichte (Anteil ca. 40 %) und die Buche (Anteil ca. 20 %), bilden hingegen die Schlusslichter hinsichtlich einer Hochwassertoleranz. Beide halten bei kurzzeitigen Überflutungen zwar Stand, allerdings nehmen die Schäden mit der Dauer des Hochwassers deutlich zu, berichtet ThüringenForst. Interessant sei, dass die Kiefer, in Ostthüringen weitverbreitet, sich auch unter Wassermassen wacker schlage.

Hochwassergefahr im Frühjahr und Sommer

90 % der Hochwasser treten in Thüringen erfahrungsgemäß im Frühjahr und Sommer auf. Die Schneeschmelze erhöhe in den Mittelgebirgen das Wasserangebot aus den Frühjahrs-Niederschlägen. Im Sommer können Starkgewitter große Mengen Regen herbeiführen und zu lokalen und regionalen Überflutungen führen.

„Waldbesitzende, die in der Vergangenheit schon von derartigen Witterungsereignissen betroffen waren, sei geraten, bei der standortgerechten Baumartenwahl auch den Aspekt der Überflutungstoleranz nicht aus den Augen zu verlieren“, so Gebhardt. Die 24 Forstämter Thüringens stehen für ein kostenfreies Informationsgespräch bei derartigen Fragestellungen im Rahmen der Beratung und Beförsterung bereit.

Quelle: ThüringenForst