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Schlechte Rundholzversorgung bremst die Holzindustrie

Der Bundesverband Deutsche Säge- und Holzindustrie (DeSH) kritisiert den zurückhaltenden Holzeinschlag im Jahr 2012 scharf. Ausgerechnet in einer prekären Versorgungssituation, in der die Holzmengen aus dem Privatwald stark rückläufig seien, reduziere nun auch der öffentliche Wald die Nutzung erheblich, so der Vorwurf.

Die ungenutzten Rohholzpotenziale würden die Preise künstlich in die Höhe treiben und immer mehr Sägewerke zu Kapazitätsdrosselung und Personalabbau zwingen. Hierdurch könnten dringend notwendige Reinvestitionen nicht geleistet werden. So stehe mittelfristig die internationale Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Wertschöpfungskette infrage.

Rohstoffpolitik führt zu künstlicher Holzknappheit

 
Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland insgesamt 52,3 Mio m³ Holz eingeschlagen. Rund 7 % weniger als noch 2011. Am stärksten rückläufig war mit rund 11 % die baulich besonders relevante Baumartengruppe Fichte. Nicht nur im Privat- (-8,1 %) und Körperschaftswald (-8,4 %) blieben die Einschlagzahlen rückläufig. Auch aus dem Staatswald (-4,3 %) kam weniger Holz. Nach Ansicht der Säge- und Holzindustrie eine äußerst bedenkliche Tendenz.
 
„Die Holzmengen aus dem Staatswald sind mit Blick auf das rückläufige Angebot aus dem Privatwald derzeit die absolute Basisversorgung der heimischen Sägewerke“, sagt Lars Schmidt, Generalsekretär der Deutschen Säge- und Holzindustrie (DeSH). Umso unverständlicher sei die Rohstoffpolitik einiger Landesbetriebe: „Der reduzierte Einschlag weit unter der Nachhaltigkeitsgrenze führt zu einer künstlichen Holzknappheit und treibt die Rundholzpreise weiter in die Höhe.“ Viele Sägebetriebe hätten bereits mit einer deutlichen Drosselung der Kapazitäten reagiert und müssten aktuell um ihre Existenz fürchten.
 
Überlebenskampf bei vielen Sägern

Dass die Branche strukturellen Handlungsbedarf hat, steht selbst bei weiten Teilen der Säger außer Frage. Auf die veränderten Rahmenbedingungen können jedoch nur die wenigsten reagieren. „Mittlerweile fehlt den Betrieben die Kraft sich zukunftsfähig aufzustellen“, sagt Schmidt. Dringend notwendige Reinvestitionen in den Maschinenpark sowie die Entwicklung innovativer und höherwertiger Produkte könnten im gegenwärtigen Überlebenskampf nicht geleistet werden. Perspektivisch würde sich dies negativ auf das gesamte Cluster Forst und Holz auswirken. Dessen seien sich die Landesforstbetriebe angesichts der restriktiven Rundholzpolitik aber offensichtlich nicht bewusst. 

Insbesondere Dr. Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten, erregte jüngst die Gemüter der Säger. „Das knappe Angebot bedeutet gute Holzpreise. Das kommt uns und unseren Dienstleistern im Ergebnis zugute“, kommentierte Merker das Geschäftsjahr 2012, in welchem der Landesforstbetrieb nur rund 75 % der nutzbaren Holzmenge erntete.
 
Profiteure sind die Waldbesitzer

Äußerungen, die der Sägeindustrie bitter aufstoßen. Die Abläufe entlang der Wertschöpfungskette Forst und Holz seien „völlig unverhältnismäßig“, so Schmidt. Das knappe Holzangebot sorge zwar für Rekordmargen bei den Waldbesitzern, nachgelagerte Bereiche könnten von ihrem Erwerb aber nicht mehr leben. Eine gemeinsame Wertschöpfung sei nicht zu erkennen. Von den geschätzten 30 % Gesamtrendite über die gesamte Wertschöpfungskette würden rund 25 % bei den Waldbesitzern verbleiben. Essenzielle Marktpartner wie beispielsweise die Sägeindustrie, Holztransporteure oder Holzernteunternehmen gingen hingegen völlig leer aus.
 
Dass verschiedene Marktlagen unterschiedliche Profiteure hervorbringe, sei nicht ungewöhnlich, betont Schmidt. Die kompromisslose Rohstoffpolitik der Forstbetriebe hält er angesichts des globalen Wettbewerbs, in dem das heimische Cluster Forst und Holz gemeinsam stehe, jedoch für überzogen. Durch die aktuelle Entwicklung der Rundholzpreise verliere nicht nur die Sägeindustrie, sondern die gesamte deutsche Forst- und Holzwirtschaft den Anschluss. Im internationalen Wettbewerb könne man auf Dauer nur geschlossen bestehen.

Das Argument des Forstes, man agiere derzeit nicht anders als die Sägeindustrie in entsprechenden Kalamitätsszenarien, sei daher unangebracht und verkläre die Situation in erheblichem Maße. Selbst nach den Jahrhundertstürmen Lothar und Kyrill habe nicht ein derart eklatantes Missverhältnis bestanden.
 
Momentan sei das Überleben der Sägebetriebe mehr oder minder von den Landesforstbetrieben abhängig, weil die Privatwaldbesitzer ihre Bäume zunehmend als Wertanlage im Wald stehen ließen, erklärt Schmidt. Seit geraumer Zeit liege der Holzeinschlag im Privatwald 30 bis 40 %, in manchen Regionen sogar bis zu 80 % unter Normalniveau. Hier habe man nur geringfügige Steuerungsmöglichkeit. Gerade deshalb sei seitens des Forstes eine erhöhte Sensibilität im gemeinsamen Umgang gefordert.
 

DeSH

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