Forstpolitik

„Schlachtfest am Schliersee“ – polemische Pressemitteilung zur Gamsjagd

Bearbeitet von Heinrich Höllerl

Der Verein „Wildes Bayern“ unter dem Vorsitz der umstrittenen Biologin Christine Miller hat am 4. August eine Pressemitteilung herausgegeben, die an Polemik und Effekthascherei kaum noch zu überbieten ist.

Mit einer deutlichen Erhöhung des Gams-Abschusses wolle der BaySF-Forstbetrieb Schliersee ein regelrechtes „Schlachtfest“ veranstalten. Die Rede ist von einem „Bermuda-Dreieck“ für das Gamswild und von „zerrütteten und zerschossenen Gamsbeständen“. Die staatlichen Jäger hätten schon im vergangenen Jahr weit mehr Tiere geschossen als geplant. Für 2022 habe man noch einmal eine deutliche Erhöhung des Abschusses beim Landratsamt beantragt und auch genehmigt bekommen.

Abschussplanung

Spätestens an diesem Punkt werden Kenner der örtlichen Verhältnisse hellhörig, denn die untere Jagdbehörde in Miesbach handhabt die Planung beim Gamsabschuss im Allgemeinen eher restriktiv. So stellen sich die Zahlen bei genauerer Betrachtung auch ganz anders dar, als dies in der Pressemitteilung suggeriert wird: Auf Nachfrage bei den Bayerischen Staatsforsten haben wir erfahren, dass der durchschnittliche Gamsabschuss im Bereich des FB Schliersee in den vergangenen 10 Jahren bei 438 Stück lag. Für 2021 waren von der UJB 505 Stück freigegeben, von denen 494 erlegt werden konnten. Nicht zuletzt deswegen, weil das forstliche Gutachten 2021 aber gerade in den Sanierungswäldern der Region weiterhin einen deutlich zu hohen Verbiss attestiert hatte, musste der Abschussplan für das laufende Jahr auf 550 Stück Gamswild erhöht werden.

„Angesichts dieser Werte von einem ´Schlachtfest´ zu sprechen, hat nichts mehr mit einer seriösen Diskussion zu tun. Der Verein Wildes Bayern disqualifiziert sich mit solchen Meldungen als ernstzunehmender Gesprächspartner selbst,“ stellte der Schlierseer Forstbetriebsleiter Jörg Meyer dazu fest.

Ein Indiz dafür, dass die überspitzten Formulierungen von Frau Dr. Miller nicht mehr sonderlich ernst genommen werden, ist die Tatsache, dass von den renommierten Jagdmedien auch eine Woche nach Veröffentlichung der Pressemitteilung noch niemand darüber berichtet hatte.

Intensives Monitoring

Die Population der Gams als Symboltier der Alpen wird von der Wissenschaft mit großem Aufwand erhoben. Nach dem Abschluss zweier Versuche im Karwendel und im Chiemgau im vergangenen Jahr mit sehr positiven Zahlen, wurde das Monitoring bei den BaySF zwischenzeitlich auf den gesamten bayerischen Alpenraum ausgedehnt. Unter anderem beobachten fachkundige Mitarbeiter der Forstbetriebe in den Sommermonaten an rund 100 Beobachtungspunkten die Tiere. Im Vergleich zu den ersten Zählungen 2020 wurden im vergangenen Jahr bereits 1.888 Gämsen gezählt – ein Plus von 228. Die diesjährigen Zählergebnisse werden nach dem Zusammentragen im Herbst bekanntgegeben. Mit wirklich aussagekräftigen Ergebnissen wird 2026 gerechnet.

Heinrich Höllerl