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„Im Sauerland weltweit die höchsten Einkaufspreise für Rohholz“

Angesichts der dramatischen Lage der mittelständischen Sägebetriebe im Sauerland ruft das Netzwerk Team-Timber, einem Netzwerk aus neun Holzverarbeitungsbetrieben aus dem Hochsauerlandkreis, alle Akteure zu mehr Weitsicht bei der Preisfindung der Rohstoffpreise auf. Wegen der unzureichenden Rohstoffversorgung in Kombination mit den absolut höchsten Rundholzpreisen stehen im Sauerland viele mittelständische Betriebe vor dem Aus. Ihre Produktionsauslastung hat in den vergangenen Monaten um bis zu 30 % abgenommen.  
Hans-Georg Pieper, Gesellschafter von Team-Timber: „Wir müssen im Sauerland weltweit die höchsten Einkaufspreise für Rohholz bezahlen. Jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem wir gemeinsam mit allen Akteuren sehen müssen, wie wir die heimische Industrie vor dem Ruin retten. Viele Arbeitsplätze sind in Gefahr.“
Pieper und Kollegen verlieren Tag für Tag Aufträge an die Konkurrenz aus Süddeutschland, aus Skandinavien oder Osteuropa, weil diese den Festmeter um bis zu 50 EUR günstiger einkaufen können. In einigen sauerländischen Betrieben musste in den vergangenen 24 Monaten daher bereits von einem Zwei- auf einen Ein-Schicht-Betrieb umgestellt werden. „Auch durch den Abbau von Überstunden konnten wir die Abwärtsentwicklung etwas abfedern. Aber jetzt ist das Ende der Fahnenstange erreicht“, warnt Pieper.  
Ursächlich für die missliche Lage in NRW sind im Wesentlichen zwei Faktoren:
• Zum einen hat der Orkan Kyrill das nutzbare Holzvolumen im Land empfindlich geschmälert. Diese Rohstoffvakanz besteht bereits seit 2009. Wegen der hohen Transportkosten scheidet zudem der Import des Rohstoffes aus anderen Regionen als Lösung aus.   
• Zweiter Grund für die Misere der heimischen Holzverarbeitungsbetriebe sind die dynamischen Preissteigerungen auf dem Rundholzmarkt, die u.a. auf eine zweifelhafte Informationspolitik seitens vieler Bundesländer zurückzuführen sind: So beziehen sich diese Preisveröffentlichungen, z. B. im Staatsforst Bayern lediglich auf die rund 25 % des Rohstoffes, die im freien Verkauf offeriert werden – zu vergleichbar hohen Preisen. Zu den übrigen 75 % des verfügbaren Holzes wird hingegen nichts publiziert. Diese verkauft der Staatsforst im Rahmen langfristiger Verträge zu Dumpingpreise an Großsäger.
Pieper dazu: „So entsteht ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit. Die nicht repräsentativen Verkäufe am oberen Preislevel werden zur Richtmarke.“ Denn an den veröffentlichten Preisinformationen würden sich sowohl die Waldbesitzer als auch die Holzverarbeitungsbetriebe im ganzen Land orientieren. Wenn das Holz ohnehin sehr knapp ist, ist man schneller geneigt einen hohen Preis zu akzeptieren, als wenn ein großes Angebot besteht. Nach Ansicht des Netzwerkes Team-Timber müssen diese Mechanismen jedoch umgehend gestoppt werden. „Alle Akteure sollten mit mehr Augenmaß agieren und die drastischen Konsequenzen der extrem hohen Preise bedenken. Wenn dies nicht passiert, wird es für die Holzverarbeitungsbetriebe im Sauerland bald richtig finster“, so Pieper. 
Team Timber

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