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EOS: Europäische Sägewerke im Corona-Modus

Am 10. Juni hat der Europäische Sägewerksverband EOS seine Generalversammlung abgehalten, zum ersten Mal in digitaler Form. Einer der Hauptpunkte war der Effekte der Corona-Krise auf die Sägeindustrie der EOS-Mitgliedsländer.

Manche haben profitiert

David Hopkins, Geschäftsführer der UK Timber Trade Federation, führte als Ehrengast in die Marktdiskussion ein. Er nannte eine Markttrends, die viele EOS-Mitgliedern bestätigten. So waren in den meisten europäischen Ländern durch die Corona-Krise lebhafte Do-it-yourself-Märkte zu beobachten. Die Menschen haben mehr Zeit zuhause verbracht und sich von Unterhaltung aufs Heimwerken verlegt. Der Bau temporärer Krankenhäuser hat die Nachfrage nach Holzbauleistungen erhöht. Und der Paletten- und Verpackungssektor habe von lebhaften Geschäften im Gesundheitswesen und im Einzelhandel profitiert.

10 % Rückgang

Dennoch haben viele Sägewerke in ganz Europa unter der Corona-Pandemie gelitten. Zwar sei es nicht so schlimm gekommen wie frühe Vorhersagen erwarteten. Aber Einschränken im internationalen Handel, volatile Schnittholzmärkte und Restriktionen in Bauwesen, Handel und Industrie habe die Sägeindustrie zu Produktionsrücknahmen gezwungen. Derzeit wird der Produktionsrückgang für das Gesamtjahr auf 10 % geschätzt, mit mehr Unsicherheit nach unten als nach oben. Bei den Sägenebenprodukten läuft vor allem der Hackschnitzelmarkt sehr schleppend.

Bei Betrachtung von Europas Regionen haben die Sägewerke in Nordeuropa die Krise weit besser verkraftet als diejenigen im Süden. Und auch wenn es selbst in den am schwersten getroffenen Ländern wieder bergauf geht, so gibt es nach wie vor viele Sägewerke, die auf sehr niedrigem Niveau arbeiten. Die Nadelholzbranche hat es dabei weniger getroffen als die Laubholzsäge. Letztere sind in weniger wettbewerbsstarken Märkten wie der Möbelbranche tätig.

Große Unsicherheit

In den Überseemärkten sind Mengen und Preise drastisch gefallen. Dennoch laufen die Geschäfte mit Asien und den USA immerhin geringfügig besser als zu Beginn der Krise erwartet. Viele EOS-Mitglieder melden geringe Verfügbarkeiten und hohe Frachtraten, auch wenn die Situation sich während der vergangenen Wochen leicht gebessert hat.

Für die kommenden Monate herrscht große Unsicherheit an den Märkten. Kurzfristig man Stabilität am Bausektor. Diese speist sich aber aus Projekten, die in der Zeit vor Corona begonnen wurden. Deshalb erwartet man für die kommenden Monate einen Rückgang, der in eine längere schwierige Phase übergehen könnte. Viel hängt davon ab, ob es einen zweiten Corona-Ausbruch im Herbst gibt. Im besten Fall kommt es am Bau zu einer schnellen Erholung.

Weniger Fichte

Neben Corona macht vor allem in Mitteleuropa die Borkenkäfersituation Sorgen. Die Sägewerke haben mit großen Mengen geschädigter Hölzer zu kämpfen. Längerfristig könnten Fichtenstandorte klimabedingt ausfallen. Die Menge an verfügbarem Fichtenrundholz sinkt ganz sicher. Um diesem Problem zu begegnen, hat der EOS Forscher mit der Entwicklung eines „Echtzeit-Forstinformationssystems“ beauftragt. Dieses wurde bereits der EU-Kommission vorgestellt und soll der Holzindustrie Daten im Sinne einer Green Economy liefern sowie die Schaffung und den Erhalt gesunder und widerstandsfähiger Ökosysteme fördern. Details bleibt der EOS schuldig.

EOS/Red.

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