Newsletter
ABO
Zeitschriften
Service
Säge- und Holzindustrie: Fakten sprechen gegen einen Nationalpark im Nordschwarzwald

Säge- und Holzindustrie: Fakten sprechen gegen einen Nationalpark im Nordschwarzwald

Die seinerzeitigen Fehler beim politischen Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21 dürfen im Nordschwarzwald nicht wiederholt werden. Deshalb muss die Politik jetzt dem eindeutigen Bürgervotum gegen einen Nationalpark im Nordschwarzwald folgen.
Es darf keinen Nationalpark gegen den Willen der örtlichen Bevölkerung geben.
 
Vage Versprechungen nutzen wenig
 
Auch die Säge- und Holzindustrie lehnt einen Nationalpark weiterhin ab. Außer dem vagen Versprechen an direkt betroffene Sägewerke gibt es keine belastbaren Instrumente zur auf Dauer gesicherten Holzversorgung. Die zentrale Frage ist, wie dieses Regierungsversprechen konkret umgesetzt werden soll. Die Landesregierung ist seitens der Sägeindustrie aufgefordert, dafür belastbare und dauerhafte Instrumente zu schaffen, sofern ein Nationalpark im Gesetzgebungsverfahren überhaupt noch umgesetzt werden sollte.

Das Versprechen der Landesregierung, dass neue Arbeitsplätze im Tourismus entstehen sollen, nützt den Sägewerken und den Holz verarbeitenden Betrieben wenig, wenn dort Arbeitsplätze verlorengehen. Und außerdem sind das Zukunftsvisionen, die Arbeitsplätze in den Sägewerken und der Holzverarbeitung dagegen sind real.

Im übrigen kommt die Säge- und Holzindustrie bei genauer Betrachtung des 1200-seitigen Gutachtens der Landesregierung zu dem Schluss, dass es gerade die Tourismuszahlen überbewertet werden. Letztlich wird der realistisch zu erwartende Verlust an Wertschöpfung im Cluster Forst&Holz durch die im PWC-Gutachten angenommenen zusätzlichen Tourismus-Umsätze nicht kompensiert werden können.

Fakten aus dem Gutachten kontra Rhetorik der Politik

Die nackten Fakten des Gutachtens besagen an etlichen Stellen etwas anderes als die Rhetorik der Politik. Betroffen sind die Themen wie Grundwasser, Klimaschutz und CO2-Bilanz, Borkenkäfer, Landschaftsbild sowie Tourismus und Sägewerke.

Ferienregion. So findet sich beispielsweise im PWC-Gutachten auf Seite 349 folgende Passage: „In Deutschland zählt der Schwarzwald zu den Top-Tourismusmarken und ist auch international unter dem Begriff Black Forest bestens positioniert. Der Tourismus ist im Schwarzwald der bedeutendste Wirtschaftsfaktor und damit Arbeitgeber. Insgesamt resultieren aus den Ausgaben der Touristen in der Ferienregion Bruttoumsätze in Höhe von 8,25 Mrd. Euro (…).“ Also gemessen an den derzeitigen Bruttoumsätzen in der „Ferienregion Schwarzwald“ in Höhe von 8,25 Mrd. Euro ist der nationalparkbedingte touristische Umsatz-Zugewinn in Höhe von 18,3 Mio. Euro (PWC-Gutachten S. 311, Ziff. 1060) verschwindend gering mit einem Plus von nur 0,22 %.

Waldumbau. Mit Blick auf den anstehenden Waldumbau bestätigt das PWC-Gutachten (S. 538), dass der Ansatz eines Entwicklungsnationalparks fragwürdig ist und dass die dafür angesetzten 30 Jahre bei weitem nicht ausreichen werden, und die Natürlichkeit der Baumartenzusammensetzung signifikant zu erhöhen, da ein Baumartenwechsel hin zu Schattbaumarten Tanne und Buche deutlich länger dauern würde. Gerade die Ziele einer geregelten, nachhaltigen Forstwirtschaft ermöglichen natürliche Bergmischwälder mit hohen Tannen- und Buchenanteilen und auch angemessenen Totholzanteilen. Das geschieht am besten in einem naturnah bewirtschafteten Wald, wo zudem die Risiken des Borkenkäfers beherrschbar sind.
 
Regierung drückt sich um eine fundierte Bürgerbeteiligung
 
Und offensichtlich haben sich viele Bürger vor Ort – wie das Votum vom 12. Mai verdeutlicht – nicht verunsichern lassen und haben die Vehemenz der mit einem Nationalpark einhergehenden drastischen Veränderungen richtig gewertet. Die Regierung drückt sich um eine fundierte Bürgerbeteiligung zu einem Nationalpark Nordschwarzwald. Ministerpräsident und Landesregierung sind nun gefordert, ihr Versprechen von mehr Bürgerbeteiligung und Politik des Gehörtwerdens in die Tat umzusetzen. Denn es kann von keiner echten Mitbestimmung der Bürgerinnen und Bürger die Rede sein, wenn es am Ende in die Aussage mündet, der Landtag werde eben mit seiner Mehrheit entscheiden.
 
Nach dem eindeutigen Bürgervotum kann es nicht dabei bleiben, Meinungen auszutauschen, die Politik muss jetzt eine Kehrtwende vollziehen und sich auf eine echte Mitbestimmung der Bürgerinnen und Bürger vor Ort einlassen.
Verband der Säge- und Holzindustrie Baden-Württemberg

Auch interessant

von