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Säge- und Holzindustrie zur Nationalpark-Diskussion in Rheinland-Pfalz

„Die Sägewerker haben ernsthafte Probleme, die aber nichts mit dem Nationalpark zu tun haben“, erklärte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken gegenüber der Rhein-Zeitung (18.12.2012). Als Kritikpunkte nennt die Ministerin Überkapazitäten, fehlende Anpassungsfähigkeit der Branche auf die Veränderungen der heimischen Wälder hin zu mehr Laubholz sowie eine übertriebene Kritik an den Nationalparkplänen. „Frau Höfken verdreht Fakten und verschleiert damit die möglichen Auswirkungen eines Nationalparks“, kritisiert Lars Schmidt, Generalsekretär des Verbandes der Deutschen Säge- und Holzindustrie (DSH), und fordert von Ministerin Höfken eine Richtigstellung der gegenüber der Rhein-Zeitung getätigten Äußerungen.
Kein Unwille der Industrie, sondern eine Frage des Marktes
Der Waldumbau, der in Deutschland seit einigen Jahrzehnten praktiziert wird und für stabilere Waldbestände sorgen soll, ist nach Ansicht der Sägeindustrie sinnvoll und notwendig. Der Vorwurf Höfkens, die Betriebe der Säge- und Holzindustrie hätten sich auf diese Entwicklung nicht eingestellt, ignoriert laut Schmidt jedoch die herrschenden Marktanforderungen: „Aufgrund von politischen Fehlentscheidungen produzieren die staatlichen Forstbetriebe heute zunehmend am künftigen Rohstoffbedarf vorbei.“ Mehr als 80 % der Holzprodukte sind aus Nadelholz. Der Grund hierfür liegt in den einzigartigen Materialeigenschaften. Allerdings kommen Nadelbäume seit Jahren zu kurz, denn es wird lediglich die Pflanzung von Laubbäumen, zum Beispiel der Buche, gefördert. Heute ist der Anteil an Nadelbäumen in der jungen Waldgeneration der bis 20-jährigen Bäume bereits auf weniger als 30 % gesunken. Die Forstwirtschaft müsse dabei aber nicht ausschließlich auf Laubbäume setzen, meint Schmidt. Im Gegenteil: Es gebe auch sinnvolle Alternativen zur Fichte, die dazu beitragen könnten, die Nadelholzversorgung zu sichern und gleichzeitig helfen, stabile und naturnahe Waldbestände zu schaffen. Allerdings besteht schneller Handlungsbedarf.
Den Nadelholzmangel spürt die rheinland-pfälzische Holzwirtschaft schon heute. Erste Unternehmen stellen sich bereits die Standortfrage.
Überkapazitäten: Auch die Politik hat maßgeblich dazu beigetragen
Auch die Darstellung der Umweltministerin, die schlechte Wirtschaftslage der rheinland-pfälzischen Sägewerksbetriebe sei aufgrund von Überkapazitäten ausschließlich selbstverschuldet, ist nach Auffassung von Lars Schmidt nur die halbe Wahrheit. Auf Basis der Zahlen der Bundeswaldinventur im Jahr 2002 hat die Landesregierung Rheinland-Pfalz der Holzindustrie ein dauerhaft hohes Rohstoffangebot suggeriert. Entsprechend wurden neben den Kapazitätssteigerungen der Holz- und Sägeindustrie auch staatlich geförderte Kapazitäten geschaffen. Gleichzeitig kam es jedoch zu einer politisch motivierten Absenkung der Rohholzverfügbarkeit aufgrund verschiedener Faktoren. Dazu zählen unter anderem der Waldumbau, die zunehmende und durch das EEG geförderte Nutzung von Holz als Energieträger sowie Restriktionen bei der nachhaltigen Bewirtschaftung. Der Personalabbau in den Forstverwaltungen hat das nach wie vor ungelöste Problem der nicht nutzbaren Holzvorkommen im Kleinstprivatwald verschärft.
Fakt ist: Ein Nationalpark würde Rheinland-Pfalz wirtschaftlich schwächen
Im Gegensatz zu Höfken hält auch Clemens Lüken, Geschäftsführer vom Rheinland-Pfälzischen Verband der Säge- und Holzindustrie, die Kritik an den Nationalparkplänen für mehr als berechtigt. Gemeinsam mit den Betrieben der Säge- und Holzindustrie in Rheinland-Pfalz fordert er „zeitgemäße Alternativen“ im Streit über das Für und Wider eines Nationalparks. Lüken erklärt: „Ein Nationalpark entzieht den Unternehmen die wirtschaftliche Grundlage den Rohstoff Holz. Die Betriebe stünden vor der Frage: Schaffen wir das Holz jetzt per Lkw aus weiter entfernten Regionen nach Rheinland-Pfalz oder schließen wir und verlagern unseren Standort, um anderswo unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern?“
„Zudem“, ergänzt Lars Schmidt, „ist es mit Blick auf den Klimawandel und die endlichen fossilen Ressourcen nicht mehr zeitgemäß, auf die nachhaltige Nutzung des nachwachsenden Werkstoffs und Energieträgers Holz zu verzichten.“ Beide sind sich sicher: Ein Nationalpark bringt keinerlei Vorteile.
Ihrer Meinung nach gibt es heute intelligente Alternativen zu derartigen „Prestige-Projekten“, die gleichzeitig Schutz und Nutzung sowie die regionale Entwicklung von Wirtschaft und Tourismus sinnvoll und klug miteinander verbinden. „Nachhaltige Waldwirtschaft ist die aktivste und effizienteste Form des Natur- und Umweltschutzes“, sagt der studierte Forstmann Schmidt.
 
DSH

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