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Das Fledermaus-Projekt im Wermsdorfer Wald ist eine Zusammenarbeit zwischen Sachsenforst, dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG)

Sachsenforst weist seltene Fledermausarten nach

Zum ersten Mal ist in Westsachsen im Wermsdorfer Wald östlich von Leipzig eine Wochenstube der stark gefährdeten Bechsteinfledermaus nachgewiesen worden.

Wochenstuben dienen Fledermäusen zur Geburt und Aufzucht ihrer Jungen. Die erfolgreiche Vermehrung dieser bedrohten „Nachtschwärmer“ ist ein Erfolg der nachhaltigen Waldbewirtschaftung in Sachsen.

„Natur- und Artenschutz ist für uns integrativer Bestandteil bei der täglichen Arbeit im Wald“, bekräftigt Landesforstpräsident Utz Hempfling. „Durch gezielte Steuerung der Waldentwicklung schaffen wir struktur- und artenreiche Mischwälder, die viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten beheimaten und stabile Zukunftswälder bilden. Dieser Waldumbau schafft wertvolle Lebens- und Kulturräume für Tier und Mensch.“

Wälder als Lebensräume für Fledermäuse

So auch für Fledermäuse: Die meisten heimischen Arten sind auf Wälder als Lebensräume angewiesen. Sie finden hier nicht nur ihre Jagdgebiete, sondern auch Quartiere und Verstecke in Baumhöhlen oder Rindenspalten alter Bäume. Große zusammenhängende Waldflächen mit hohen Anteilen an Laubbäumen und vielseitiger Alterszusammensetzung – vom Jungwuchs bis zu über 150 Jahre alten „Methusalems“ – sind daher regelmäßig Hot-Spots der Artenvielfalt nicht nur für die nachtaktiven Säugetiere. Das gilt im Besonderen für vergleichsweise waldarme Regionen in Sachsen.

Dabei ist der Nachweis der im Verborgenen lebenden heimischen Fledermausarten äußerst anspruchsvoll. Mit Ultraschall-Detektoren werden die nachaktiven Tiere anhand ihrer, für menschliche Ohren unhörbaren Rufe aufgespürt. Bei stichprobenhaften Netzfängen werden zudem Arten, Geschlechter und Anzeichen für eine aktuelle Vermehrung (schwangere oder säugende Weibchen) dokumentiert. Ausgewählte Arten mit besonderer Waldbindung werden zudem mit kleinen Funksendern versehen, um mehr über die genutzten Quartiere und Jagdgebiete zu erfahren.

Mit dem 2019 ins Leben gerufenen Projekt im Wermsdorfer Wald werden heimische Fledermausarten mit Hilfe sogenannter Horchboxen kontinuierlich erfasst und Veränderungen über lange Zeiträume beobachtet. Ganz nach dem Motto: Nur wer weiß, welche Arten in welcher Anzahl vorhanden sind, kann diese auch langfristig schützen und aktiv fördern.

Fledermaus-Projekt im Wermsdorfer Wald

Das Fledermaus-Projekt im Wermsdorfer Wald ist eine Zusammenarbeit zwischen Sachsenforst, dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und dem Fledermaus-Fachbüro „hochfrequent“ aus Leipzig. Im Rahmen des Projektes wird nicht nur die Ökologie und Lebensräume seltener Waldfledermausarten näher untersucht. Auch das landesweite Monitoring zum Erhaltungszustand sächsischer Fledermaus-Populationen durch das LfULG kann hier um die Komponente „Wald“ erweitert und damit gezielt unterstützt werden.

Neben der Bechsteinfledermaus wurden im Rahmen des Projektes bereits mehrere Kolonien der ebenfalls seltenen Mopsfledermaus im Wermsdorfer Wald nachgewiesen. Eine Kolonie der Großen Bartfledermaus bildet in einem Gebäudequartier mit über 150 Alttieren eine der größten Wochenstuben in Sachsen. Für die erst 2008 erstmalig in Sachsen nachgewiesene Nymphenfledermaus sind nunmehr zwei Wochenstubenkolonien bekannt, sodass der Wermsdorfer Wald zum derzeitigen Kernareal in Sachsen mit besonderer Funktion für den Erhaltungszustand zu zählen ist.

Der Wermsdorfer Wald ist ein ausgezeichnetes Beispiel für den idealen Lebensraum vieler heimischer Fledermausarten: Eingebettet in das landwirtschaftlich intensiv genutzte nordsächsische Hügelland zeichnet sich das große zusammenhängende Waldgebiet durch ein Nebeneinander von Nadelbäumen und strukturreichen Laubwäldern aus. Es finden sich zahlreiche Gewässer, die sich positiv auf Insekten als einzige Nahrungsquelle heimischer Fledermausarten auswirkt.

Nicht nur das FFH-Gebiet „Wermsdorfer Waldteichkette“ im Westteil spielt dabei eine Rolle, sondern auch die vielen kleineren Tümpel und feucht-sumpfigen Flächen, die teils sehr unscheinbar in den Wald eingebettet sind. Der Bund Deutscher Forstleute zeichnete den Wermsdorfer Wald zum Deutschen Waldgebiet des Jahres 2018 aus, weil es hier in besonderer Weise gelingt, die forstliche Nutzung in Einklang mit dem Naturschutz und der Erholungsnutzung zu bringen.

Informationen zu Fledermäusen in Sachsen im Internet unter www.umwelt.sachsen.de

Sachsenforst

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