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Sachsenforst: Projektauftakt "Wildobst in Sachsen"

Sachsenforst: Projektauftakt „Wildobst in Sachsen“

Am 8.1.2013 fand die Auftaktveranstaltung zum Modell- und Demonstrationsvorhaben „Erhaltung der innerartlichen Vielfalt gebietsheimischer Wildobstarten in Sachsen“ in Dresden-Pillnitz am Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie statt. Das Vorhaben wird seit Juli 2012 mit Mitteln der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gefördert und durch das Referat Forstgenetik/ Forstpflanzenzüchtung des Kompetenzzentrums Wald und Forstwirtschaft im Staatsbetrieb Sachsenforst (SBS) in Zusammenarbeit mit der Grünen Liga Osterzgebirge e.V. bearbeitet.
Ziel des Projekts ist die ist die modellhafte Etablierung von Erntebeständen in-situ für seltene Wildobstarten. Hintergrund ist die Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG § 40 Abs. 4 Satz 4 Nr. 4), die besagt, dass ab dem 1. März 2020 in der freien Natur nur gebietsheimisches Pflanzenmaterial verwendet werden darf. In diesem Zusammenhang sollen vorhandenen Bestände seltener Wildobstarten an ihrem natürlichen Standort langfristig erhalten und gegebenenfalls verdichtet werden, seltene Wildobstarten als Baumschulware etabliert und damit für Aufforstungsmaßnahmen oder Pflanzungen in die offene Landschaft (z.B. bei Ausgleichsflächen) zur Verfügung gestellt werden. Es schafft damit Voraussetzungen für die Verwendung von Vermehrungsgut, das den ökologischen und klimatischen Gegebenheiten der Region angepasst ist.
Zum Auftakt des Wildobstprojektes
An der Auftaktveranstaltung nahmen 100 Personen aus der Forstwirtschaft, von Baumschulen, Naturschutzorganisationen und Forschungsinstitutionen teil.
Dr. Dirk-Roger Eisenhauer, Leiter des Kompetenzzentrums für Wald und Forstwirtschaft im Staatsbetrieb Sachsenforst, eröffnete und moderierte die Veranstaltung. In seiner Begrüßung wies er auf die wichtige Bedeutung von Wildobstarten für die Etablierung von Waldrandgesellschaften hin. Darüber hinaus betonte er die Notwendigkeit einer Bereitstellung von Pflanz- und Saatgut seltener Wildobstarten für einen integrativen Waldumbau.
Prof. Dr. Andreas Roloff, Institut für Forstbotanik der TU Dresden, erläuterte in seinem Vortrag die Ökologie seltener Gehölze hinsichtlich ihrer Standorttoleranz. Weiterhin stellte er die Bedeutung seltener Baumarten für Insekten, holzzersetzende Organismen sowie Vögel und Säugetiere dar. Abschließend stellte er verschiedene Förderinitiativen für die Erhaltung seltener Wildobstarten vor.
André Zeibig, Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft stellte die Internationalen Rahmenvereinbarungen sowie die nationalen und regionalen Handlungsstrategien zur Erhaltung der biologischen Vielfalt vor. In diesem Zusammenhang erläuterte er die Umsetzung des Programms zur Biologischen Vielfalt im Freistaat Sachsen. Im Hinblick auf das Bundesnaturschutzgesetz gab er einen Überblick über die laufenden Projekte zur Umsetzung der Regelungen über die Verwendung gebietsheimischer Gehölze (§ 40 Abs. 4 BNatSchG) in Sachsen.
Ute Tröber und Dr. Heino Wolf, Sachsenforst, gaben in ihrem Vortrag einen Überblick über die Bedeutung und Ziele der Erhaltung forstlicher Genressourcen in Sachsen. Ute Tröber veranschaulichte die Strategien und Maßnahmen der In-situ- und Ex-situ-Erhaltung von Waldbaumarten an Umsetzungsbeispielen und stellte den praktischen Bezug zum Wildobstprojekt dar.
Rene Schubert, Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL), stellte den Stand des DVL-Projektes „Gebietseigene Gehölze in Sachsen“ vor. Im Rahmen dieses Projektes werden von Gehölzen, die nicht dem FoVG unterliegen, geeignete gebietseigene Beerntungsbestände für die jeweiligen Arten nach einheitlichen Merkmalen identifiziert und beerntet. Schubert wies in diesem Zusammenhang auf den Bedarf an weiteren interessierten Baumschulen für die Anzucht sowie auf die Probleme bei der Zertifizierung gebietseigener Gehölze hin.
Zur Umsetzung des Wildobst-Projektes
 
Frank Lochschmidt und Anke Proft von der Grünen Liga Osterzgebirge erläuterten in ihrem Vortrag die Erfassung und Kartierung potenzieller Wildobst-Erntebestände sowie die Durchführung der morphologischen und phänologischen Boniturarbeiten. Darüber hinaus wurde auf die geplante Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden und Baumschulen eingegangen. Dr. Stefanie Reim, Sachsenforst, gab einen Überblick über genetische Analysen und populationsgenetische Auswertungen, die im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitarbeiten durch das Referat für Forstgenetik und Forstpflanzenzüchtung vorgesehen sind. Abschließend erläuterte sie, wie die Ergebnisse der genetischen, morphologischen und phänologischen Analysen in die Umsetzung der Projektziele einfließen werden.
 

Zu den Vorträgen der Veranstaltung

 

Dr. Stefanie Reim/SBS/fp

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